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Benedikt XVI. kritisiert allzu freizügige Gesellschaft | BR24

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Papst Benedikt XIV. beim Weltjugendtag in Köln.

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    Benedikt XVI. kritisiert allzu freizügige Gesellschaft

    Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat sich in einem Aufsatz zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche zu Wort gemeldet. Zu viel Freizügigkeit hat aus seiner Sicht die Sexualmoral der Gesellschaft gesenkt.

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    Der frühere Papst Benedikt XVI. ruft zu einer "Erneuerung des Glaubens" und zu einer neuen Hinwendung zu Gott auf, damit die katholische Kirche die aktuelle Krise überwindet. Als zentrale Ursache für Missbrauch nennt er Gottlosigkeit und eine Entfremdung vom Glauben, die sich seit den 1960er-Jahren auch in einer Abkehr von der katholischen Sexualmoral breitgemacht habe.

    Sex und Pornofilme seien zu einer Realität geworden, die sogar in Bahnhofkinos vorgeführt wurden, schreibt Papst Benedikt.

    "Ich erinnere mich noch, wie ich eines Tages in die Stadt Regensburg gehend vor einem großen Kino Menschenmassen stehen und warten sah, wie wir sie vorher nur in Kriegszeiten erlebt hatten, wenn irgendeine Sonderzuteilung zu erhoffen war. Im Gedächtnis ist mir auch geblieben, wie ich am Karfreitag 1970 in die Stadt kam und dort alle Plakatsäulen mit einem Werbeplakat verklebt waren, das zwei völlig nackte Personen im Großformat in enger Umarmung vorstellte." Papst Benedikt XVI.

    Aufsatz anlässlich des Anti-Missbrauchsgipfels entstanden

    Auch in der Theologie, in der Priesterausbildung und in der Auswahl von Bischöfen habe dies fatale Folgen gehabt. Benedikt XVI. schreibt, der Aufsatz sei aus Notizen entstanden, die er sich vor allem anlässlich des Anti-Missbrauchsgipfels im Februar im Vatikan gemacht habe. Daraus habe er nach Rücksprache mit Papst Franziskus das Schreiben verfasst für die April-Ausgabe des Bayerischen "Klerusblatts"."Wieso konnte Pädophilie ein solches Ausmaß erreichen?", fragt der 2013 zurückgetretene Papst:

    "Im letzten liegt der Grund in der Abwesenheit Gottes. Auch wir Christen und Priester reden lieber nicht von Gott, weil diese Rede nicht praktisch zu sein scheint." Papst Benedikt XVI.

    Eine Gesellschaft mit einem abwesenden Gott sei eine Gesellschaft, in der "das Maß des Menschlichen" immer mehr verloren gehe. Zu Beginn seines Aufsatzes schreibt Benedikt XVI., dass es zur "Physiognomie der 68er-Revolution" gehört habe, dass auch Pädophilie erlaubt sei. In derselben Zeit habe sich ein "Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie" ereignet, der auch Teile der Kirche "wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft" gemacht habe.

    Auch in verschiedenen Priesterseminaren "bildeten sich homosexuelle Clubs, die mehr oder weniger offen agierten und das Klima in den Seminaren deutlich veränderten". Mit "Erschütterung" sei heute zu sehen, "dass an unseren Kindern und Jugendlichen Dinge geschehen, die sie zu zerstören drohen. Dass sich dies auch in der Kirche und unter Priestern ausbreiten konnte, muss uns in besonderem Maß erschüttern."

    Papst Benedikt: "Kirche wird nur als politischer Apparat betrachtet"

    Der emeritierte Papst, der in wenigen Tagen 92 wird, warnt zudem vor Versuchen, die Kirche nach menschlichen und politischen Maßstäben reformieren zu wollen. Die Kirche werde heute "weithin nur noch als eine Art von politischem Apparat betrachtet", heißt es weiter:

    "Man spricht über sie praktisch fast ausschließlich mit politischen Kategorien, und dies gilt hin bis zu Bischöfen, die ihre Vorstellung über die Kirche von morgen weitgehend ausschließlich politisch formulieren." Papst Benedikt XVI.

    Die Krise, "die durch die vielen Fälle von Missbrauch durch Priester verursacht wurde, drängt dazu, die Kirche geradezu als etwas Missratenes anzusehen, das wir nun gründlich selbst neu in die Hand nehmen und neu gestalten müssen. Aber eine von uns selbst gemachte Kirche kann keine Hoffnung sein." Benedikt XVI. betont weiter: "Ja, es gibt Sünde in der Kirche und Böses." Es existiere aber auch heute die "heilige Kirche, die unzerstörbar ist".