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Jedes Krankenhaus hat seit März einen Pandemiebeauftragten. Im Klinikum Fürth ist das Manfred Wagner, der Medizinische Direktor des Krankenhauses. Er muss vor allem eines: Organisieren.

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Pandemiebeauftragte: Ihr Kampf um freie Intensivbetten

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben alle bayerischen Krankenhäuser sogenannte "Pandemie-Beauftragte". Manfred Wagner ist einer von ihnen - und zuständig für das Klinikum Fürth. Jeden Morgen beginnt sein täglicher Kampf um freie Intensivbetten.

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Von
  • Marc Neupert
  • BR24 Redaktion

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 haben alle Kliniken in Bayern einen sogenannten "Pandemie-Beauftragten". Im Klinikum Fürth ist das Manfred Wagner. Der ist seit zwölf Jahren Medizinischer Direktor am Klinikum Fürth. Viele der Aufgaben des Klinikdirektors bleiben gerade liegen, weil allein der Job des Pandemie-Beauftragten Manfred Wagner derzeit jeden Tag bis zu 14 Stunden beschäftigt.

Kurz nach acht Uhr morgens ist Wagner im Klinikum Fürth in seiner Rolle als Pandemie-Beauftragter auf dem Weg von seinem Büro zur Intensivstation. Die Strecke von der Klinikverwaltung zur Station nutzt er, um sich telefonisch einen ersten Überblick zu verschaffen, wie die Lage gerade auf den einzelnen Stationen ist.

Schwerpunkt und Sorgenkind Intensivstation

Eng wird es an diesem Tag mal wieder auf der Intensivstation, auf der die schwerkranken Covid-19-Patienten versorgt werden. Seit Tagen schon sind fast alle Betten mit Corona-Infizierten belegt, die es besonders arg getroffen hat. Viele müssen intubiert werden, weil das Virus ihre Lungen angegriffen hat.

Jeden Morgen bespricht Manfred Wagner mit den zuständigen Ärzten und der Pflegedienstleitung, wie sich der Zustand der einzelnen Corona-Patienten auf der Intensivstation gerade entwickelt. Bei der Besprechung gehen die Mediziner die Akte jedes Patienten durch und schätzen ab, wer weiterhin intensivmedizinisch versorgt werden muss und wem es hoffentlich bald wieder so gut geht, dass er wieder auf eine Normalstation verlegt werden kann. Denn Betten auf der Intensivstation sind in diesen Tagen ständig Mangelware, betont Manfred Wagner.

"Die Intensivstation ist wirklich rund um die Uhr wichtig, weil wir da um jedes Bett kämpfen. Und deshalb stehe ich mit den Kollegen wirklich rund um die Uhr im Austausch." Es gehe ständig darum zu klären: "Wie viele Valenzen haben wir noch, wen können wir wohin verlegen? Wer wird mutmaßlich entlassen und macht dann wieder ein Bett frei?"

Bei den Besprechungen sei auch immer jemand von der Pflege dabei. Die Pflege sei schließlich immer der Faktor, "der uns sagt, wie viele Betten wir noch belegen belegen können, wieviel Personal wir haben. Und da sind wir wirklich jeden Tag im ganz engen Austausch, sonst geht es nicht."

Pandemiebeauftragte aller Kliniken haben Kontakt untereinander

Weil durch die anhaltend hohe Zahl an Covid-Infizierten jederzeit die Kapazitäten auf der Intensivstation knapp werden könnten, steht Manfred Wagner jeden Tag in Kontakt mit den Pandemiebeauftragten in den anderen Krankenhäusern im Großraum Nürnberg. Im Notfall kann so sichergestellt werden, dass ein schwerkranker Patient schnell in eine andere Klinik verlegt wird, sollten die Kapazitäten erschöpft sein.

An diesem Tag gibt es einen Engpass bei den so genannten "Gelben Betten". Das sind die Betten, die mit Patienten belegt werden, bei denen ein Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht und die entsprechend isoliert werden müssen. Doch in der nächsten Sitzung finden Wagner und seine Mitarbeiter schnell eine Lösung, um auch das Problem mit diesen Engpass schnell zu lösen.

Engpässe: In Corona-Zeiten ein Dauerzustand

Seit Beginn der Pandemie hat sich Wagner daran gewöhnt, dass es ständig irgendwo einen Engpass gibt, den es schleunigst zu bekämpfen gilt. Vor allem beim medizinischen Material. Die Lagerbestände des Klinikums sind gut gefüllt. Tagtäglich kommen neue Lieferungen in Fürth an. Trotzdem wird immer wieder etwas knapp.

"Im Moment ist zum Beispiel wieder Engpass bei den Pipettenspitzen im Labor", sagt Wagner. Da habe man im Moment noch "eine Reichweite von zweieinhalb Wochen". Man sei jetzt aber schon wieder dabei, mit Herstellern zu sprechen, um Nachschub zu bekommen. Aber das sei in ganz Europa gerade Mangelware.

Dreimal pro Woche tagt der Krisenstab

Auf dem Weg zur nächsten Besprechung klärt Wagner telefonisch noch ein paar Fragen, die die Klinikverwaltung hat, dann läutet er den Krisenstab ein. Drei Mal pro Woche wird in großer Runde mit den Chefärzten, der Pflegedienstleitung und Vertretern der Verwaltung sowie des Materiallagers besprochen, wie es in den kommenden Tagen weitergeht; wie zum Beispiel mit verschiebbaren OPs umgegangen wird. Nach der Sitzung muss Wagner sich noch in anderen Abteilungen ein Bild der aktuellen Lage machen. Ales er wieder in sein Büro kommt, ist es weit nach 20 Uhr.

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