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Overtourism in Bayern? Hotspots und Lösungsansätze | BR24

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Ob zum Wandern in die Berge oder zum Stadtbesuch in den Welterbestädten Bamberg und Regensburg: Urlaub in Bayern ist beliebt. Knapp 40 Millionen Gäste kamen 2018 nach Bayern. So viele, dass Einheimische anfangen, über "Overtourism" zu klagen. 

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Overtourism in Bayern? Hotspots und Lösungsansätze

Ob zum Wandern in die Berge oder zum Stadtbesuch in den Welterbestädten Bamberg und Regensburg: Urlaub in Bayern ist beliebt. Knapp 40 Millionen Gäste kamen 2018 nach Bayern. So viele, dass Einheimische anfangen, über "Overtourism" zu klagen. 

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Wandern im Nationalpark, ein Besuch im Kehlsteinhaus oder über den Königssee nach St. Bartholomä schippern - in und um Berchtesgaden herrscht im Sommer Hochbetrieb. Etwa 15.000 Urlaubsgäste wollen dann täglich zu den bekannten Ausflugszielen. Die Folge sind Menschenmassen in Geschäften und Lokalen, verstopfte Straßen und überfüllte Parkplätze. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

Urlaub in Bayern boomt

Im bundesweiten Vergleich kommen die meisten Deutschlandurlauber nach Bayern: Der Freistaat verzeichnete 2017 ein Fünftel aller Übernachtungen in Deutschland. Die Zahl der Bayern-Urlauber hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten nahezu verdoppelt: 2018 kamen knapp 40 Millionen Gäste nach Bayern. Hotels und Gästehäuser meldeten beinahe 100 Millionen Übernachtungen.

Und der Trend setzt sich fort: Im ersten Halbjahr 2019 verzeichnete das Landesamt für Statistik ein Plus von 2,5 Prozent bei den Gästeankünften und 2,6 Prozent bei den Übernachtungen in Bayern.

Nicht alle Regionen profitieren 

Von einem flächendeckenden Overtourism in Bayern könne man aber nicht sprechen, sagt Alfred Bauer von der Fakultät für Tourismus-Management an der Hochschule Kempten: "Wir haben auch Regionen in Bayern, wo man von Undertourism sprechen könnte. Es gibt Gegenden, die mehr Tourismus vertragen würden." 

Die höchsten Zuwächse bei Ankünften (+7,3 Prozent) und Übernachtungen (+6 Prozent) verzeichnete im vergangenen Jahr etwa Oberbayern. Aber auch an den touristischen Hotspots in Bayern sei Overtourism, also ein "zu viel" an Touristen, das sowohl die Einheimischen, als auch die Besucher selbst stört, eher ein saisonales Problem, so Bauer. 

Unesco-Welterbe-Titel: Segen oder Fluch? 

Kritisch sieht der Professor für Tourismus-Management die Vergabe des Unesco-Titels "Welterbe". Schloss Neuschwanstein etwa besuchen schon heute jährlich 1,4 Millionen Menschen. Im Sommer drängen sich im Durchschnitt täglich mehr als 6.000 Besucher durch die Räume. "Da kann man sich schon fragen, ob man an der Grenze angekommen ist", sagt Alfred Bauer.

Seit 2015 steht Neuschwanstein auf der Vorschlagsliste für das Unesco-Weltkulturerbe. Nach derzeitigem Stand soll die Nominierung der Königsschlösser zum UNESCO-Weltkulturerbe zum 1. Februar 2022 erfolgen. Mit dem Titel könnten noch mehr Besucher nach Neuschwanstein strömen, befürchtet der Tourismus-Management-Professor Bauer und warnt: "Man muss sich überlegen, ob man die Auszeichnung will." So verfolgen Tourismushochburgen in Bayern unterschiedliche Lösungsstrategien.

In Bamberg soll Nebensaison attraktiver werden

Bamberg wurde schon 1993 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt. Sowohl Gäste- als auch Übernachtungszahlen haben sich seit damals verdreifacht. 2018 verzeichnete Bamberg 350.000 Gästeankünfte und 700.000 Übernachtungen. In einer aktuellen Einwohnerbefragung sagten zwar 80 Prozent der Teilnehmer, dass sie Tourismus für einen bedeutenden Wirtschaftszweig für Bamberg halten. Gut ein Drittel der Teilnehmer findet allerdings die Anzahl der Touristen "etwas zu hoch", ein weiteres Drittel sogar "viel zu hoch". Die Einheimischen klagen vor allem über überfüllte Straßen und die schlechte Parksituation. Großveranstaltungen will man daher künftig gar nicht mehr bewerben, dafür soll es in den ruhigeren Monaten November bis März verstärkt Angebote geben. 

Regensburg will weniger Kreuzfahrttouristen

Auch Regensburg mit seinen mittelalterlichen Gassen ist Welterbestadt und Touristenmagnet. Etwa 1,1 Million Übernachtungen verzeichnete die Stadt im vergangenen Jahr - Tendenz steigend. "Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). "Die Gastronomie, die Hoteliers, der Einzelhandel, alle profitieren vom Tourismus." 

Viele Gäste kommen heute mit dem Schiff in die Domstadt. Flusskreuzfahrten boomen und sind besonders bei Touristen aus Übersee beliebt. Zu Hochzeiten haben mehr als 1.100 Schiffe pro Jahr in Regensburg festgemacht. Zu viel für Anwohner und Umwelt. Stadt und Reedereien haben deshalb vereinbart, dass die Gruppengrößen auf 25 Personen beschränkt werden. Größere Gruppen sollen zwei Touristenführer buchen. Derzeit führt die Donau Niedrigwasser, daher werden es in diesem Jahr wohl deutlich weniger Schiffe sein, die in Regensburg anlanden. 

Ziel der Stadt ist aber künftig mehr Gäste anzuwerben, die länger bleiben als nur drei Stunden. Diese würden natürlich auch mehr Geld in der Stadt lassen, so die Bürgermeisterin. 

Außerdem erwägt die Stadt, die Besucherströme mit Hilfe von anonymen Mobilfunkdaten zu messen, um sie dann per App lenken zu können. 

© BR / Sebastian Grosser

Overtourism in Regensburg

Berchtesgadens Ziel: Mehr Feriengäste, weniger Reisegruppen

Im Jahr 2014 hatte der Nationalpark Berchtesgaden noch 1,6 Millionen Gäste. Heuer sind es an die zwei Millionen Besucher. Hauptsaison ist bislang der Sommer. Mit attraktiven Angeboten für Frühling, Herbst und Winter wollen die örtlichen Gemeinden aber versuchen, den Besucheransturm zu entzerren. Urlauber, die mehrere Tage bleiben, geben in der Region mehr Geld aus und sind daher für die regionale Wertschöpfung attraktiver. Deswegen ist im Gespräch, ob diese Gäste beim Parken bevorzugt behandelt werden sollen. 

Wirtschaftlich weniger attraktiv für die Region sind die sogenannten Stundengäste. Das sind oft asiatische Reisegruppen, die mit dem Bus anreisen und nach nur wenigen Stunden Aufenthalt weiterfahren. Manche Touristiker überlegen daher, Berchtesgaden in Asien nicht mehr zu bewerben. 

Gemeinden am Walchensee setzen auf Bußgelder

Der Walchensee im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist ein Naturjuwel. Aber gerade an schönen Tagen droht ein Verkehrs- und Parkchaos rund um den See. Viele Besucher nehmen keine Rücksicht auf Rettungswege und Natur. Die Verantwortlichen rund um den See suchen deshalb seit einiger Zeit nach Lösungen. Allein auf die Vernunft der Gäste zu setzen, reiche leider nicht, sagt der zuständige Bürgermeister Georg Riesch (Freie Wählergemeinschaft). 

Als erstes soll rigoros gegen offene Feuerstellen vorgegangen werden – die sind im Naturschutzgebiet verboten. Kontrollteams von Feuerwehr, Forst und Naturschutzwacht sollen losziehen und aufklären, notfalls das Feuer löschen und auch Bußgelder verteilen. Auch wer Rettungswege zuparkt oder sich nicht an Parkverbotsschilder hält, muss Strafe zahlen. Bis zu 150 Euro kann ein Verstoß kosten. Außerdem sind Parkplätze etwas abseits geplant. Im Gespräch ist auch ein Parkverbot für Wohnmobile am Wochenende. So soll für mehr Parkraum in Seenähe gesorgt werden. 

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Im Jahr 2014 hatte der Nationalpark Berchtesgaden noch 1,6 Millionen Gäste. Heuer sind es an die zwei Millionen Besucher. Es wird eng in Bayerns südöstlichstem Zipfel.

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Ob zum Wandern in die Berge oder zum Stadtbesuch in den Welterbe-Städten Bamberg und Regensburg: Urlaub in Bayern ist beliebt. Knapp 40 Millionen Gäste kamen 2018 nach Bayern. So viele, dass Einheimische anfangen, über "Overtourism" zu klagen.