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Ostermärsche: Fast 2.000 Teilnehmer in Bayern | BR24

© pa/dpa/Alexander Pohl

Ostermarsch in München

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Ostermärsche: Fast 2.000 Teilnehmer in Bayern

Angesichts der aktuellen Debatte über ein mögliches atomares Wettrüsten haben in ganz Deutschland Tausende Menschen demonstriert. In München versammelten sich 1.000 Teilnehmer, in Augsburg einige Hundert und in Ansbach über 200.

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Die Friedensbewegung setzt heute ihre traditionellen Ostermärsche fort. Bei den Demonstrationen in Berlin, Stuttgart, Leipzig, München und vielen weiteren Städten in Bayern sind Tausende Menschen zusammengekommen.

1.000 Menschen bei Ostermarsch in München

"Abrüsten statt aufrüsten - keine neuen Mittelstrecken-Raketen in Europa". Unter diesem Motto sind am Samstag laut Polizei rund 1.000 Menschen beim Ostermarsch durch die Münchner Innenstadt gezogen. Begonnen hatte die Veranstaltung um 10 Uhr mit einem ökumenischen Friedensgottesdienst in der evangelischen Kirche St. Markus in der Gabelsbergerstraße. Anderthalb Stunden später versammelten sich die Teilnehmer am Marienplatz zur Auftaktkundgebung. Nach Angaben der Polizei verlief alles friedlich.

Mehr junge Leute für den Frieden

Außerdem gab es konkrete Forderungen in Sachen Klima- und Umweltschutz. Am Marienplatz ergriffen auch drei Schülerinnen das Wort. Sie sagten, es müssten sich viel mehr junge Menschen für den Frieden engagieren.

Henrik Schmidt vom Münchner Friedensbündnis lobte die Bewegung der jungen Menschen – es stünden nur noch zehn Jahre zur Verfügung, um das Klima zu retten. Daher habe er sich dafür eingesetzt, dass die Jugendlichen beim Ostermarsch dabei sein können.

Hunderte Teilnehmer in Augsburg

In Augsburg beteiligten sich bei strahlendem Sonnenschein hunderte Menschen am traditionellen Ostermarsch. Die Veranstalter von der Augsburger Friedensinitiative sprachen von gut 300 Menschen, die Polizei von knapp 200. Die Demonstranten forderten unter dem Motto "Abrüsten statt Aufrüsten! Nein zum Krieg", dass Rüstungsexporte verboten werden sollen und dass deutsche Soldaten nicht mehr im Ausland eingesetzt werden dürfen. Klaus Stampfer, Gründungsmitglied und Sprecher der Augsburger Friedensinitiative, zeigte sich zufrieden mit den Teilnehmerzahlen, auch wenn er doch auf ein paar mehr Demonstranten gehofft hatte, angesichts der weltpolitischen Entwicklung:

"Momentan ist das Bewusstsein wohl noch nicht so da, was es bedeutet, wenn der INF-Vertrag ausläuft und es dazu kommen könnte, dass wieder atomare Mittelstrecken-Raketen stationiert werden." Klaus Stampfer, Friedensinitiative Augsburg

Dann käme es noch schlimmer als in den 80er-Jahren, weil die Waffen-Technik besser und schneller geworden sei. Stampfer forderte zudem die Bundesregierung auf, ihren eigenen Anforderungen endlich gerecht zu werden, den Koalitionsvertrag umzusetzen und dementsprechend keine Waffen mehr an Staaten wie Saudi-Arabien zu exportieren.

In Ansbach-Katterbach führte der Ostermarsch vor die US-Kaserne

Vor den Toren der Kaserne der US Army in Katterbach forderten an die 100 Teilnehmer unter anderem den Abzug der US-Truppen aus Mittelfranken sowie eine "zivile Umnutzung" des Kasernengeländes.

"Uns ist vollkommen klar, dass wir den Weltfrieden nicht schaffen, hier in Ansbach allein. Aber wir können durch die zivile Umnutzung, durch den Abzug der US-Armee die Welt ein Stück friedlicher, ein Stück lebenswerter machen." Pressesprecher Boris-André Meyer

Beim anschließenden Demonstrationszug in der Ansbacher Innenstadt waren dann nach Polizeiangaben etwa 230 Menschen beteiligt, die Veranstalter sprechen von 300.

Auch das besonders in Ansbach strittige Thema Hubschrauberlärm war im Forderungskatalog der Bürgerinitiative "Etz langt's!" zu finden, die den Ansbacher Ostermarsch organisiert hat.

Vor einigen Jahren war außerdem bekannt geworden, dass der Boden rund um die US-Kaserne mit der giftigen Chemikalie PFC belastet ist. Bei der Kundgebung wiederholte eine Vertreterin der Bürgerinitiative die Forderung, dass die Armee den Boden reinigen solle. Eine Frist für einen entsprechenden Sanierungsplan habe die US-Armee verstreichen lassen, so die Sprecherin.

In ganz Bayern finden Ostermärsche statt

In Würzburg haben unter anderem der Weltladen und der DGB Kreisverband zu einer Friedensdemonstration aufgerufen. Die Veranstaltung steht unter dem Motto "Keine EU-Armee!“ In Aschaffenburg zogen die Menschen unter dem Motto "Nein zum Krieg! Verbot aller Atomwaffen! Entspannung jetzt!" durch die Straßen.

Mit einer Mahnwache für den Frieden leitet die Friedensinitiative im Fichtelgebirge am Ostersamstag in Marktredwitz die traditionellen Friedensveranstaltungen und Ostermärsche in Ober- und Mittelfranken ein.

Das Erlanger Bündnis für den Frieden wendet sich auf dem Huggenottenplatz gegen die "von der NATO beschlossene Hochrüstung, gegen Waffenexporte und alle anderen Formen der Militarisierung und Kriegsbeteiligung“.

Auch in Traunstein und anderen Städten gehen die Menschen heute und am Ostermontag auf die Straße um für Frieden zu demonstrieren.

Demonstranten in mehr als 100 Städten deutschlandweit

Der Karsamstag ist mit rund 50 Veranstaltungen der Schwerpunkt der Ostermärsche. Insgesamt werden über die Ostertage Demonstranten in mehr als 100 Städten erwartet. Den Abschluss bilden die Kundgebungen in Frankfurt am Main und Hamburg am Montag.

Wichtiges Thema ist in diesem Jahr die Forderung nach einem Stopp der Rüstungsexporte in Krisengebiete. Weitere Schwerpunktthemen sind die bevorstehende Aufstockung der Militärausgaben und das Ende des INF-Vertrags (auch: "Washingtoner Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme"). Diesen hatten die USA im Februar gekündigt, auch Russland stieg daraufhin aus der Abmachung aus. Viele fürchten deshalb ein neues nukleares Wettrüsten, auch in Europa.

Ostermärsche - seit mehr als 50 Jahren

Am Karfreitag 1958 versammelten sich zum ersten Mal rund 10.000 Menschen in London, um für atomare Abrüstung zu demonstrieren. Rund die Hälfte von ihnen brach damals zum 80 Kilometer entfernten Atomforschungszentrum Aldermaston auf; 700 Friedensbewegte hielten bis zum Ziel durch.

Als geistiger Vater der Bewegung gilt der britische Philosoph Bertrand Russell, der die "Kampagne zur nuklearen Abrüstung" (CND) ins Leben gerufen hatte. Symbol der Kampagne war das Peace-Zeichen. Russell hatte 1955 mit Albert Schweitzer in einem Manifest die Nationen der Welt aufgefordert, auf Atomwaffen zu verzichten.

Ostermärsche in Deutschland seit 1960

In Deutschland wurden Ostermärsche erstmals 1960 organisiert. Nach dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968 kam es in den Folgejahren zum vorübergehenden Aus für die Ostermärsche. 1982 erlebte die Bewegung im Zuge der Raketen-Nachrüstung der Nato eine Renaissance: Am 10. Juni 1982 kam es zur größten deutschen Friedensdemonstration in Bonn, an der sich 400.000 Menschen beteiligten.