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Ostermärsche gegen Krieg: Hunderte demonstrieren in Augsburg | BR24

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Beim traditionellen Ostermarsch sind am Karsamstag Hunderte Menschen durch die bayerische Städte gezogen. Sie kritisieren, dass deutsche Waffen und Soldaten bei Kämpfen im Ausland zum Einsatz kommen.

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Ostermärsche gegen Krieg: Hunderte demonstrieren in Augsburg

Beim traditionellen Ostermarsch sind am Karsamstag Hunderte Menschen durch Augsburg gezogen. Sie kritisieren, dass deutsche Waffen und Soldaten bei Kämpfen im Ausland zum Einsatz kommen. In die Quere gekommen wäre ihnen fast ein anderer Kampf.

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Es ist Tradition, dass zu Ostern in Deutschland gegen Krieg und Rüstungsexporte demonstriert wird. In Augsburg waren dafür zwischen 200 und 300 Menschen auf die Straße gegangen.

Abstiegskampf im Fußball: Kürzere Demonstration

Die Demo führte durch die Augsburger Innenstadt, vom Moritzplatz über die Annastraße hin zum Rathausplatz – war allerdings kürzer als geplant. Denn den Friedensaktivisten kam der aktuelle Abstiegskampf der Bundesliga in die Quere: Das Fußballspiel zwischen dem FC Augsburg und dem VfB Stuttgart hatte die Polizei dazu bewogen, die Demonstrationsroute zu kürzen. Die Fans der abstiegsbedrohten Fußballclubs waren am Samstag ebenfalls lautstark in der Innenstadt unterwegs.

Gegen deutsche Waffen und Soldaten im Ausland

Die Friedensaktivisten forderten unter dem Motto "Abrüsten statt Aufrüsten! Nein zum Krieg", dass Rüstungsexporte verboten werden sollen und dass deutsche Soldaten nicht mehr im Ausland eingesetzt werden dürfen.

Ende des INF-Vertrags: Kommt jetzt weltweite Aufrüstung?

Klaus Stampfer, Gründungsmitglied und Sprecher der Augsburger Friedensinitiative, zeigte sich zufrieden mit den Teilnehmerzahlen, auch wenn er doch auf ein paar mehr Demonstranten gehofft hatte, angesichts der weltpolitischen Entwicklung:

"Momentan ist das Bewusstsein wohl noch nicht so da, was es bedeutet, wenn der INF-Vertrag ausläuft und es dazu kommen könnte, dass wieder atomare Mittelstrecken-Raketen stationiert werden." Klaus Stampfer, Sprecher der Augsburger Friedensinitiative.

Die Situation wäre noch schlimmer als in den 80er - Jahren, weil die Waffen-Technik besser und schneller geworden sei.

Keine Waffen für Saudi-Arabien

Stampfer forderte zudem die Bundesregierung auf, ihren eigenen Anforderungen endlich gerecht zu werden, den Koalitionsvertrag umzusetzen und dementsprechend keine Waffen mehr an Staaten wie Saudi-Arabien zu exportieren. Aufgerufen zum Augsburger Ostermarsch hatte wie schon in den vergangenen Jahren unter anderem die Augsburger Friedensinitiative sowie die internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi. Die Initiative gibt es seit 1980. Sie organisiert neben dem Augsburger Ostermarsch auch die Augsburger Friedenswochen.

💡 Was ist der INF-Vertrag?

Im Jahr 1988 trat der INF-Vertrag zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion in Kraft. Seither gilt das Abkommen über nukleare Waffensysteme zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und den früheren Sowjetrepubliken als wichtigster Vertrag über die atomare Abrüstung.

Er betrifft die sogenannten nuklearen Mittelstreckensysteme (englisch: Intermediate Range Nuclear Forces, kurz: INF). Das sind Atomraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometer. Deren Besitz und Produktion sowie Flugtests sind laut INF-Vertrag verboten. Auf diesen hatte sich damals die Reagan-Regierung mit der Gorbatschows Parteiführung geeinigt.

Am 1. Februar 2019 hatte der amtierende US-Präsident Donald Trump den offiziellen Ausstieg der USA aus dem Abrüstungsabkommen erklärt. Als Begründung führte die US-Regierung an, dass Russland seit 2017 mit dem Bau eines neuen Raketentyps gegen den INF-Vertrag verstoße. Gleichzeitig wirft Russland den USA einen Verstoß vor, weil seit 1999 Mittelstreckenraketen in Osteuropa stationiert würden. Deshalb will auch Russland im Juli 2019 aus dem Abrüstungsabkommen austreten.

(Erklärt von Anna Klein, BR Studio Schwaben)