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Die steigenden Inzidenz-Werte des Corona-Virus haben zur Folge, dass religiöse Versammlungen an Ostern virtuell stattfinden sollen.

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Oster-Gottesdienste: Was machen die fränkischen Kirchen?

Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Montagabend lautete der Appell: keine Präsenzgottesdienste zu Ostern. In Bayern will Ministerpräsident Söder aber "keinen Druck" auf die Kirchen ausüben - dennoch sind in Franken viele Gemeinden besorgt.

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Von
  • Nicolas Eberlein

Die Überraschung bei den Kirchen ist vielerorts groß. Für die Deutsche Bischofskonferenz sei die Ankündigung, keine Präsenzgottesdienste an Ostern zu veranstalten, "ohne jede Vorwarnung" gekommen, heißt es.

Auch in Oberfranken zeigte sich die Regionalbischöfin Dorothea Greiner von der Nachricht "schwer getroffen". Sie wollten sich zunächst im Landeskirchenrat und auch mit der katholischen Kirche verständigen, bevor sie sich öffentlich konkret äußern können.

"Kein Druck" auf bayerische Kirchen

Am heutigen Dienstag hatte sich dann der bayerische Ministerrat mit den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz beschäftigt. Ministerpräsident Söder (CSU) verkündete daraufhin, die Staatsregierung werde in Bayern keinen Druck auf die Kirchen ausüben. An Sonn- und Feiertagen sei ausdrücklich die Möglichkeit zu Gottesdiensten mit Gläubigen gegeben.

Söder geht damit in Bayern einen anderen Weg: Der Bund-Länder-Beschluss appellierte an die Kirchen, Gottesdienste nur virtuell durchzuführen.

Nürnberg: Präsenzgottesdienst für ältere und einsame Menschen wichtig

Pfarrer Daniel Szemerédy von der evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Nürnberg-Langwasser war ebenfalls von diesem Appell, die Kirchen an Ostern nicht für Präsenzgottesdienste zu öffnen, überrascht. Es hätte sich gezeigt, dass Gottesdienste keine Infektionstreiber gewesen seien, auch die Kurzfristigkeit des Appells habe ihn "dreifach überrascht".

Die endgültige Entscheidung, wie Ostern in seiner Kirche ablaufen werde, sei noch nicht getroffen. Aber der Pfarrer sei dennoch dafür, den Menschen, die ihn wirklich brauchten, auch einen Präsenzgottesdienst zu ermöglichen. Sei es aufgrund des Alters oder auch der Einsamkeit. Aufgrund des Beschlusses werde er nicht sofort alles absagen.

"Ich denke so einfach geht es mit der Religionsfreiheit nicht", sagt Szemerédy. "Man sollte den Kirchen die Zeit geben sich selbst abzustimmen und denen, die es trotzdem machen wollen, auch die Gelegenheit geben, es trotzdem zu tun. Weil Gottesdienst was anderes ist, als Einkaufen oder Möbelhäuser aufmachen, sondern es geht da tatsächlich um mehr."

Alternative und herkömmliche Feiern zu Ostern

Seine Kirchengemeinde halte - ebenso wie andere - seit fast einem Jahr Hygieneregeln ein und singe seit November nicht mehr gemeinsam, sagt Pfarrer Szemerédy. Für das diesjährige Ostern sind deshalb sowohl alternative als auch herkömmliche Osterfeiern geplant. Am Gründonnerstag sollen demnach zum Beispiel Familien entlang eines Weges verschiedene Stationen im Gemeindezentrum aufsuchen können, am Ostermontag solle aber ein Gottesdienst in Präsenz stattfinden. Die Abstimmungen dazu müssten noch getroffen werden.

Anhand der Erfahrungen die man durch die Weihnachtsgottesdienste gesammelt habe, geht der Pfarrer davon aus, dass die Menschen auch an Ostern sehr verantwortlich mit den Regeln umgingen. "Wir töten niemanden, wenn wir Gottesdienste feiern", so Szemerédy. "Wir retten auch kein Leben, wenn wir keine Gottesdienste feiern. Wichtig ist, dass wir Verantwortung für einander übernehmen und die entsprechenden Regeln einhalten."

Die Gläubigen in Nürnberg sehen es sehr unterschiedlich. So sagt eine ältere Dame in der Innenstadt: "In der Diakonie in Rummelsberg stehen die Stühle zum Beispiel sehr weit getrennt und dann kann man alles machen. Man muss es nur wollen." Ein anderer Passant meint: "Ich würde gerne in die Kirche gehen, aber ich habe Verständnis dafür, wenn alles geschlossen wird, dann muss die Kirche auch mitmachen. Das kommt uns allen zugute."

Gestaltung des Osterfestes offen

Wie Ostern im Jahr 2021 in Franken und Bayern nun letztlich gefeiert wird, scheint zumindest nach den heutigen Aussagen des bayerischen Ministerrats völlig offen zu sein und im Ermessen der Gemeinden zu liegen.

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