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Osram schließt Eichstätter Werk: Wie eine Mitarbeiterin reagiert | BR24

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Daniela Teuber in ihrem Wohnzimmer vor Familienfotos. Die Familiengeschichte ist eng mit der Osrams verknüpft.

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    Osram schließt Eichstätter Werk: Wie eine Mitarbeiterin reagiert

    Ende des Jahres schließt Osram sein Werk in Eichstätt und verlagert die Kinolampenproduktion nach Berlin. Ein Schlag für den Wirtschaftsstandort Eichstätt und für die rund 130 Beschäftigten. Fast alle von ihnen sind bis Ende des Jahres ihren Job los.

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    Gleich beginnt die Spätschicht von Birgit Preis. Die 51-Jährige steht bei sich zu Hause im Flur und packt ihre Arbeitstasche: Mundschutz, Kaffesahne und ihre Osramtasse kommen hinein. "Guter Kaffee ist ganz wichtig für die Arbeit. Und der Kaffee bei Osram ist wirklich gut", sagt Birgit Preis und lacht.

    Dabei ist ihr derzeit wenig zum Lachen zumute. Osram verlagert seine Kinolampenproduktion Ende des Jahres nach Berlin und schließt das Werk in Eichstätt. Birgit Preis hat in wenigen Wochen also keinen Job mehr. Aktuell wird die Produktion schon heruntergefahren. Das spürt Birgit Preis: Weniger Stückzahlen heißt auch mehr Pausen – und damit kommt sie nicht gut klar: "Das ist, als würde man einen Formel-1 Fahrer zur Vollbremsung zwingen."

    Krankschreiben ist keine Option

    Jetzt raus aus dem Haus, quer über die Einfahrt, rein ins Auto. Der Arbeitsweg ist kurz, gute zehn Minuten braucht Birgit Preis von ihrer Haustür zum Arbeitsplatz. Knapp zehn Jahre lang hat die Eichstätterin bei Osram gearbeitet, in Produktion und Fertigung.

    Wenn sie gleich durch das Drehtor geht, wird sie zu einem der letzten Male zeigen, was sie kann. Manch einer ließe sich krankschreiben. Für Birgit Preis kommt das nicht in Frage; sie nennt gleich drei Gründe: "Weil ich eine pflichtbewusste Deutsche bin, meine Kollegen genießen möchte und weil ich noch mein Geld kriege". Sie lacht wieder, zieht die Maske auf und verschwindet durch das Drehkreuz.

    OB Grienberger: "Maximal ungünstig"

    Eichstätt gilt seit Jahren als Oase der Vollbeschäftigung. Wer seinen Job verlor, fand in aller Regel recht schnell einen neuen. Wäre das Werk noch vor zwei Jahren geschlossen worden, er hätte sich keine Sorgen um die Mitarbeiter gemacht, sagt Eichstätts Oberbürgermeister Josef Grienberger (CSU) im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Durch Corona sei die Jobsuche aber erschwert, gibt Grienberger zu. "Investitionsrückgänge. Einstellungsstopp. Alles ist von Unsicherheit geprägt. Das ist maximal ungünstig".

    Die Frage sei, wer von den Osram-Mitarbeitern bereit wäre, in sein Handwerk zurückzukehren. "Da sehe ich noch Potential", so der Politiker. Der Oberbürgermeister bedauert, dass mit Osram auch ein Stück Industriegeschichte in Eichstätt verschwindet.

    Mutter, Schwester, Mann – eine "Osramer" Familie

    Aber auch Familiengeschichten sind betroffen – etwa die Daniela Teubers. Ihre ganze Familie hängt mit Osram zusammen. Die 40-Jährige zählt auf: Ihre Mutter war 40 Jahre lang bei Osram und hat dort auch gelernt. "Die kannte nie etwas anderes". Ihre Schwester arbeitet seit zwanzig Jahren bei Osram, auch sie ist von der Schließung betroffen. Der Bruder war auch mal eine Zeit lang "Osramer". Und sogar ihren Mann hat Teuber bei Osram kennengelernt.

    Osram, wo man in der Familie hinblickt. "Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht und gesagt: Wir schaffen das", so fasst Teuber die Reaktion der Familie zusammen, als klar war, dass das Werk dicht macht. Ein wichtiger Bestandteil der Familie ist bald Geschichte.

    Neuer Job in Aussicht

    Trotzdem schafft Daniela Teuber es, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Geholfen dabei hat ihr die Transfergesellschaft, eine von Osram finanzierte "Arbeitsagentur deluxe", die ihr helfen soll, einen passenden, neuen Job zu finden. Dort gibt es Coachings und Gespräche. Der Lebenslauf wird aktualisiert, Vorstellungsgespräche geübt.

    Der wichtigste Tipp bislang war für die zweifache Mutter aber folgender: "Schäme Dich nicht, dass Du arbeitslos bist, sondern gehe ganz offen damit um." So habe sie ihr gesamtes soziales Netz informiert, von der Postbotin bis zur Nachbarschaft. Und sie hat tatsächlich etwas in einer anderen Branche gefunden. Ab November beginnt Daniela Teuber ihren neuen Job als Schulhelferin.

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