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Es dürfte Kritik hageln heute im Bildungsausschuss des Landtags. Grüne, SPD und FDP hatten eine Sondersitzung mit Bericht des Kultusministers eingefordert.

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Opposition kritisiert Piazolo: "Wenn ich Kultusminister wäre..."

Es dürfte Kritik hageln heute im Landtag. Grüne, SPD und FDP hatten eine Sondersitzung mit Bericht des Kultusministers gefordert. Zu schleppend liefen Krisenmanagement und Digitalisierung an den Schulen. Doch haben die Kritiker selbst Konzepte?

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Von
  • Irene Esmann

Matthias Fischbach, bildungspolitischer Sprecher der Landtags-FDP, sprudelt nur so vor Ideen. Digitalisierung und Bildung - das sind seine Lieblingsthemen. Wenn er Kultusminister wäre, sagt Matthias Fischbach, dann würde es längst ein digitales Schulbuch geben.

FDP: Digitales Schulbuch

Fischbach beschreibt dieses "digitale Schulbuch" als eine Cloud mit zertifizierten Inhalten. Von Experten zusammengestellt, an den jeweiligen Lehrplan angepasst, didaktisch und pädagogisch professionell ausgearbeitet. Eben mit allen Möglichkeiten, die die neuen Medien bieten. Er sei schwer enttäuscht, so der Digitalisierungsexperte der Landtags-FDP, was die klassischen Schulbuchverlage bislang als digitales Schulbuch auf den Markt gebracht hätten. Denn das sei im Prinzip "nicht mehr als ein pdf-Dokument, nicht mehr als ein eingescanntes analoges Schulbuch".

Hier müssten die klassischen Schulbuchverlage angetrieben und der Markt für externe Anbieter geöffnet werden, so Fischbach. Und fordert: ein Qualitätsgesetz für den Digitalunterricht an Bayerns Schulen. Die Voraussetzung für ein Lernen mit digitalem Schulbuch wäre aber, so Fischbach, dass jede Schülerin, jeder Schüler, dann auch ein digitales Endgerät besitzt. Darauf müssten sie einen Rechtsanspruch haben.

SPD: Dänemark als Vorbild

Darauf zielt auch die Landtags-SPD ab. Ein digitales Endgerät, kostenfreies W-LAN und der Support für all das müsse unter die Lernmittelfreiheit fallen, sagt die SPD-Bildungspolitikerin Simone Strohmayr. Schließlich seien Tablet oder Laptop in einer digitalen Schule vergleichbar mit einem Schulbuch - und das müssten die Familien ja auch nicht selbst bezahlen, argumentiert die SPD-Bildungspolitikerin.

Seit 20 Jahren ist Simone Strohmayr in der Bildungspolitik aktiv. Kultusministerin - das würde sie sich schon zutrauen, sagt sie. Und dann, so Strohmayr, würde sie in einem Dreischritt vorgehen: kurzfristig für jeden ein digitales Endgerät zur Verfügung stellen, mittelfristig eine Lernplattform schaffen, auf die jede Schülerin und jeder Schüler zugreifen kann, und langfristig mit Unterstützung der Wissenschaft digitale Lernkonzepte entwickeln. Vorbild für Strohmayr ist dabei Dänemark. Dort würden sogar Leistungserhebungen digital ablaufen. "Da müssen wir hin", und "schade, dass wir da so viel Zeit versäumt haben, aber ich würde das nun schnell angehen", so die SPD-Politikerin.

Laut Strohmayr gibt es spannende pädagogische Konzepte, um den Kindern und Jugendlichen selbstgesteuertes Lernen beizubringen. "Damit wir dann auch einen Mehrwert haben, durch das digitale Lernen". Die Lehrkräfte will Strohmayr mit verpflichtenden Schulungen dafür fit machen. Zeitlicher Umfang: eine Woche pro Lehrkraft und pro Schuljahr.

AfD: Digitalisierung zentral steuern

Die Digitalisierung der Schulen muss zentral gesteuert werden: Das ist die Überzeugung der Landtags-AfD. Markus Bayerbach, Vorsitzender im Bildungsausschuss des Landtags, sagt, seine Fraktion sei ja normalerweise kein Freund von Zentralisierung. Aber: die Ausstattung der Schulen dürfe nicht dem Geldbeutel und den Ideen des jeweiligen Sachaufwandsträgers überlassen bleiben. Wenn jede Kommune "vor sich hinwurschtelt" mit unterschiedlichen Konzepten und Fachleuten, dann könne das nichts werden, meint Bayerbach, der selbst mehr als drei Jahrzehnte im aktiven Schuldienst tätig war.

Für "Netzanbindung, Netzwerk in der Schule, Administration und die Ausstattung der PCs" müssten erforderliche Mindeststandards vorgegeben werden. Nur wenn an allen Schulen vergleichbare Bedingungen bestehen, könnten die Lehrpläne und Anforderungen sinnvoll darauf aufsetzen, so Bayerbach. Und auf die Frage, wenn er Kultusminister wäre, antwortet der AfD-Politiker: Bevor er einen Rechtsanspruch für ein Endgerät fordere, würde er erst einmal den ersten Schritt machen und W-LAN an allen Schulen einrichten.

Darüber hinaus setzt Bayerbach statt zusätzlicher digitaler Plattformen auf Medienkunde und Informatikunterricht. Spätestens ab der 5. Klasse - spielerisch sei das aber auch schon in der Grundschule denkbar. Denn es sei wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler erst einmal den Umgang mit den Medien lernen.

Grüne: Schulfach Digitales

Das Schulfach "Digitalkunde" - eine Idee, die auch der Grüne Max Deisenhofer gerne umsetzen würde. Der Bildungspolitiker der stärksten Oppositionsfraktion im Landtag will so die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen stärken. Minimal-Ziel müsse sein, dass der so genannte Medienführerschein an jeder Schule Pflicht wird.

Auf die Frage, was er als erstes tun würde, wenn er Kultusminister wäre, sagt Deisenhofer: "Die Kommunikation zwischen dem Ministerium und der Schulfamilie verbessern". Konkret: Videosprechstunden für Schüler, Eltern und Lehrer einrichten. Wie die SPD will auch Deisenhofer verpflichtende Fortbildungen für Lehrkräfte festschreiben. Und auch die Lehrerausbildung müsse auf den Prüfstand. Zu wenig digitale Kompetenzen würden da derzeit vermittelt. Einzig das Referendariat der Realschullehrer sei da eine aus seiner Sicht positive Ausnahme.

In einem sind sich die Bildungspolitiker aller Oppositionsfraktionen einig: Die Digitalisierung an den Schulen wurde verschlafen. Und das könne man nun auch nicht innerhalb kürzester Zeit alles aufholen.

Kultusminister – in diesen Zeiten ist das womöglich nicht unbedingt ein Traumjob.

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