BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Opferfonds für Oktoberfest-Attentat: Reaktionen sind verhalten | BR24

© BR/Christine Meder

Für die vielen geschädigten Überlebenden des Oktoberfest-Attentats 1980 legen Bund, Land und die Stadt München jetzt einen Hilfsfonds auf.

1
Per Mail sharen

    Opferfonds für Oktoberfest-Attentat: Reaktionen sind verhalten

    40 Jahre nach dem Bombenanschlag auf dem Oktoberfest zahlen Bund, Land und Stadt München in einen Hilfsfonds für die Opfer ein. Mehr als eine Million Euro sollen zusammenkommen – viel zu wenig für die vielen Geschädigten, kritisiert ein Anwalt.

    1
    Per Mail sharen
    Von
    • Thies Marsen

    Jahrzehntelang hat sich der Freistaat Bayern geweigert, die Betroffenen des Oktoberfest-Attentats 1980 umfassend finanziell zu unterstützen. Immer wieder hatte die CSU-Staatsregierung erklärt: Erst müsse erwiesen sein, dass es sich tatsächlich um einen extrem rechten Anschlag gehandelt habe. Vor wenigen Wochen hat die Bundesanwaltschaft offiziell festgestellt: Das Attentat war rechtsextrem motiviert.

    Opferfonds kommt – aber spät

    Kurz vor dem 40. Jahrestag des Anschlags hat der Ministerrat nun beschlossen, dass der Freistaat 500.000 Euro zur Verfügung stellt für einen gemeinsamen Opferfonds von Bund, Land und Stadt München. Die Reaktionen auf diese Entscheidung sind verhalten. Er freue sich, dass der Freistaat beschlossen habe, Gelder für die Attentats-Opfer zur Verfügung zu stellen, sagt Robert Höckmayr. Es sei aber schon erstaunlich, dass es so lange gedauert habe. Höckmayr hat beim Oktoberfest-Attentat zwei jüngere Geschwister verloren, der damals 12-Jährige und weiter Familienangehörige wurden schwerst verletzt. Bis heute musste Höckmayr mehr als 40 Mal operiert werden, noch immer hat er über 20 Splitter der Bombe in seinem Körper.

    Auch Bund will halbe Million zahlen

    Der Bund wird 500 000 Euro in den Fonds einzahlen, mit dem die Opfer des Oktoberfest-Attentats unterstützt werden sollen. Das sieht der Entwurf des Bundeshaushalts 2021 vor, den die Bundesregierung am Mittwoch beschlossen hat. Jetzt wird der Bundestag darüber beraten. München wird sich - vorbehaltlich eines Beschlusses im Stadtrat - mit 200 000 Euro beteiligen und den Fonds zudem verwalten.

    Anwalt: Zu wenig Geld im Fonds

    Opferanwalt Werner Dietrich, der 16 Betroffene des Wiesn-Attentats vertritt, findet die anvisierte Gesamtsumme des Fonds von voraussichtlich rund 1,2 Millionen Euro völlig unzureichend. Bei über 200 Verletzten, von denen wohl noch weit mehr als 100 am Leben seien, werde das Geld kaum reichen, um körperliche und psychische Folgen des Attentats auszugleichen. Dietrichs Ansicht nach sollten auch die Festzeltwirte in den Fonds einzahlen. Wichtig sei nun, dass die Überlebenden schnell und unbürokratisch an ihr Geld kommen, schließlich seien die meisten heute zwischen 60 und 90 Jahre alt, viele lebten im Ausland.

    Kritik: Für viele kommt die Hilfe zu spät

    Der langjährige BR-Journalist Ulrich Chaussy, dessen Recherchen dazu beigetragen haben, dass der Anschlag vor kurzem offiziell als rechtsextreme Tat anerkannt wurde, begrüßt zwar den Opferfonds, kritisiert aber: Für viele Betroffene komme die Hilfe zu spät.

    Frühere Hilfsgelder erreichten nicht alle

    Beim Oktoberfest-Attentat am 26. September 1980 waren zwölf Menschen ermordet worden, auch der Attentäter kam ums Leben. Weit über 200 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Freistaat Bayern hatte zwar frühzeitig Hilfsgelder zur Verfügung gestellt, ein Großteil der Attentats-Opfer ging jedoch leer aus. Anschließend weigerte sich die Staatsregierung jahrzehntelang, einen Hilfsfonds aufzulegen. Die Stadt München hat erst vor zwei Jahren einen eigenen Fonds geschaffen, der mit insgesamt 100.000 Euro ausgestattet ist. Dieses Geld ist aber inzwischen nahezu aufgebraucht.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!