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Opfer des Oktoberfestattentats kritisieren Ermittlungsbehörden | BR24

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Die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat sind eingestellt - nun melden sich mehrere Opfer zu Wort. Sie üben deutliche Kritik an den Ermittlungsbehörden.

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Opfer des Oktoberfestattentats kritisieren Ermittlungsbehörden

Die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat sind eingestellt - nun melden sich mehrere Opfer zu Wort. Sie üben deutliche Kritik an den Ermittlungsbehörden. Weitere Entschädigung vom Freistaat gibt es aber wohl nicht. Allerdings möglicherweise vom Bund.

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Claudia Z. hat das Oktoberfestattentat erlebt - und überlebt. Dass die Bundesanwaltschaft nichts herausgefunden hat, wundert sie nicht: Schließlich seien längst alle Beweismittel vernichtet worden. Z. ist eine von insgesamt rund 30 Betroffenen des Oktoberfest-Attentats, die aktuell von der Münchner Opferberatungsstelle Before betreut werden.

"Nachlässig gearbeitet und Beweise vernichtet"

Auch Renate Martinez, die seit dem Attentat schwerst behindert ist, übt scharfe Kritik an den Ermittlungsbehörden. Sie macht das bayerische Landeskriminalamt und die Bundesanwaltschaft verantwortlich für das magere Ergebnis der Ermittlungen. Sie hätten nachlässig gearbeitet und Beweise vernichtet.

Fragwürdiges Vorgehen des Verfassungsschutzes

Die Aufarbeitung der Ermittlungen ließ viel Fragen offen, insbesondere zur Rolle des Verfassungsschutzes. Der hatte offenbar mehrere V-Männer im Täterumfeld im Einsatz, und nahm später gezielt Einfluss auf die Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamtes. Zahlreiche Beweismittel wurden vernichtet oder verschwanden spurlos, darunter auch eine abgetrennte Hand, die keinem Opfer des Attentats zugeordnet werden konnte.

Endlich eindeutig: Der Anschlag war rechtsextrem

Hans Roauer hat bis heute zahlreiche Metallsplitter der Bombe im Körper. Auch er hat nicht mehr mit Ermittlungsergebnissen gerechnet. Aber immerhin: Die Bundesanwaltschaft hat klar gestellt, dass es sich um einen rechtsextremen Anschlag gehandelt hat. Für Roauer eine späte Genugtuung. Bei dem Anschlag am 26. September 1980 waren 13 Menschen gestorben, darunter auch der Bombenleger Gundolf Köhler. Der Geologie-Student stammte aus dem Umfeld der dann verbotenen rechtsextremistischen "Wehrsportgruppe Hoffmann".

Keine weitere Entschädigung durch den Freistaat

Jahrzehntelang hatte der Freistaat Bayern das Oktoberfestattentat nicht als politische Tat anerkannt und lehnt es bis heute ab, einen Hilfsfonds für die Opfer aufzulegen. Das hat die Bayerische Staatsregierung heute noch einmal bekräftigt: Sie habe sich bereits direkt nach dem Anschlag zu ihrer Verantwortung bekannt, um dem Leiden der Opfer gerecht zu werden, heißt es heute aus dem zuständigen Sozialministerium auf BR Anfrage.

Man habe bereits im Oktober 1980 den Verletzten und den Angehörigen der Toten einen Betrag von 500.000 DM zur Verfügung gestellt - schnell und unbürokratisch. Diese Summe sei an insgesamt 128 Verletzte durch das damalige Landesversorgungsamt Bayern ausgezahlt worden. Der Betrag habe dabei ein Schmerzensgeld im weiteren Sinne dargestellt.

Wie das Sozialministerium weiter mitteilt, konnten und können Opfer des Anschlags Leistungen nach den allgemeinen Entschädigungsbestimmungen erhalten. Darüber hinaus bestünden Ansprüche auf Leistungen der Heil-und Krankenbehandlung, der Hilfsmittelversorgung und der Opferfürsorge. Dies gelte auch für Opfer, die derzeit keine laufenden Leistungen erhalten.

Kommt nun ein Opferfonds durch den Bund?

Jedoch erwägt nun das Bundesjustizministerium, die Opfer des Oktoberfestattentats zu entschädigen - so ein Bericht der Tageszeitung "taz". Ein Ministeriumssprecher bestätigte der Zeitung (Donnerstagsausgabe) Gespräche über eine "Solidarleistung" an die Opfer: "Wir sind der Auffassung, dass das Leid der Betroffenen des Oktoberfestattentats weitere Anerkennung durch den Staat erfahren sollte. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Generalbundesanwalt eine rechtsextremistische Motivation der Tat festgestellt hat." Eine Höhe der Entschädigung nannte der Sprecher nicht.

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