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Otto-Versand und Quelle präsentierten früher in ihren Katalogen ihre Angebote. Gedruckt in Nürnberg, der Druckerstadt Deutschlands. Doch das ist vorbei: der einstige Druck-Gigant "Prinovis" schließt Ende April seine Niederlassung.

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Opfer der Digitalisierung – Tiefdruckerei Prinovis schließt

Otto-Versand und Quelle präsentierten in ihren Katalogen auf über 1.000 Seiten ihre Angebote. Gedruckt in Nürnberg – der Druckerstadt Deutschlands. Doch das ist vorbei: der einstige Druck-Gigant "Prinovis" schließt Ende April seine Niederlassung.

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Von
  • Hans-Peter Kernstock

Es ist ein riesiger Industriekomplex auf 100.000 Quadratmetern im Süden Nürnbergs. Innen sind viele Werkstraßen schon leer, an vielen Förderketten hängen keine Druckbögen mehr. Doch in den letzten Arbeitswochen wird noch gedruckt: Die alten und fast rund um die Uhr gebrauchten Gravur-Köpfe schreiben Bilder und Texte in die schweren Druckzylinder – für Werbeprospekte und französische Fernseh-Zeitschriften.

Schließung dauert ein Jahr

Der Hamburger Lars Meusburger ist der letzte Betriebsleiter hier am Standort. Seit einem Jahr wickelt er ab. Schritt für Schritt.

"Zunächst einmal müssen wir alle Anlagen stilllegen, die Anlagen medienfrei machen, freimachen von umweltgefährdenden Stoffen – und dann werden die Anlagen umgezogen und die Gebäude letztendlich vorbereitet für den Abbruch." Lars Meusburger, Betriebsleiter

Aus kleinen Anfängen zum Industriegiganten

An den Wänden der Werkshallen hängen noch Fotos von den Anfängen der Firma hier in Nürnberg Langwasser. 1947 fing alles klein an – mit einer Buchdruckerei im Nürnberger Land, die kurze Zeit später nach Nürnberg umzog. Das Unternehmen florierte, machte 1971 76 Millionen Mark Umsatz und beschäftigte rund 1.100 Mitarbeiter. Danach stieg Bertelsmann ein, mit europaweitem Erfolg. 2005 entstand der Tiefdruck-Gigant Prinovis mit 600 Millionen Euro Jahresumsatz.

Der Firmen-Name ist ein Kunstwort – zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben der drei Begriffe "Print-Innovation-Vision". Doch die visionären Fähigkeiten waren offenbar nicht so gut.

Digitalisierung bringt das Aus

Die immer beliebteren Angebote im Netz hatten Folgen: 2009 kam das Aus für den Quelle-Katalog, in den Jahren darauf halbierte sich das Volumen bedruckten Papiers. 2018 brach mit dem Otto-Katalog wieder ein großer Auftrag weg. Am 10. April 2019 verkündete Bertelsmann den versammelten Mitarbeitern die Schließung des Standorts Nürnberg. Der heute 56-jährige Thomas Scharrer war dabei. Wie so viele andere auch hat er hier im Alter von 16 seine Lehre begonnen und der Firma 40 Jahre lang die Treue gehalten. Das Aus für alle ein Schock.

"Totenstille in der Halle, ich blickte in hunderte entsetzte, betroffene, erschrockene Gesichter und danach gingen alle wieder an ihren Arbeitsplatz zurück und haben weitergearbeitet. Das war für mich der schlimmste Tag bei Prinovis und wahrscheinlich auch für alle anderen." Thomas Scharrer, Betriebsratsvorsitzender

Die noch verbliebenen 460 Mitarbeiter haben nun die Chance in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um sich beruflich neu zu orientieren.

Aus Druckerei-Komplex wird Schulzentrum

Am 27. April 2021 wird noch ein letztes Mal gedruckt. Doch was folgt ist keine Brachlandschaft oder Industrieruine, denn das Gelände ist schon verplant. Mehr als die Hälfte des Grundstücks hat sich die Stadt Nürnberg gesichert. Hier soll bis 2024/25 ein Zentrum mit Gymnasium, Realschule und Berufsbildender Schule entstehen. Auf der anderen Grundstücksfläche soll laut Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) ein Privat-Investor die restlichen 45.000 Quadratmeter erwerben und dort "hochwertiges" Gewerbe ansiedeln, vor allem High-Tech–Firmen. Als Ergänzung zur nicht weit entfernten neuen technischen Universität.

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