Innenminister Joachim Herrmann lässt sich von einem Bereitschaftspolizisten die Arbeit mit einem Datenträgerspürhund zeigen
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Pressekonferenz im Bayerischen Innenministerium zu Razzia gegen 55 Beschuldigte wegen Kinderpornografie-Verdachts

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"Operation Weckruf": Dutzende Männer in Bayern beschuldigt

Dutzende Beschuldigte, Durchsuchungsbeschlüsse, Datenträgerspürhunde: Polizei und Justiz haben Einzelheiten zur bayernweiten Razzia mitgeteilt, bei der kinderpornografische Aufnahmen sichergestellt wurden. Die Fallzahlen steigen weiter rasant.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im BR Fernsehen am .

270 Polizeikräfte standen am frühen Dienstagmorgen bei insgesamt 55 Beschuldigten vor der Tür, ausgestattet mit richterlichen Beschlüssen, begleitet von mehreren Datenträgerspürhunden. Tags darauf haben das Bayerische Innenministerium, die Generalstaatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt auf einer gemeinsamen Pressekonferenz über erste Ermittlungsergebnisse berichtet.

Durchsucht wurden demnach 16 Objekte in Oberbayern, 10 in Mittelfranken, gefolgt von Schwaben (7), Niederbayern und Oberfranken (jeweils 6), Oberpfalz (4) und Unterfranken (3). Drei Beschuldigte konnten nicht angetroffen werden.

Tatverdächtig nur Männer

Der jüngste Tatverdächtige ist 20, der älteste 79 Jahre alt. Frauen sind nicht unter den 55 Beschuldigten, es sind ausschließlich erwachsene Männer. Betrachte man deren berufliche Situation und die soziale Herkunft, handele es sich um den Querschnitt der Gesellschaft, sagt Thomas Goger, Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. Das unterscheide die Ermittlungen im Bereich der Kinderpornografie von allen anderen Deliktsarten.

Erste Grobsichtung bestätigt Kinderpornografie-Verdacht

Bei der mittlerweile dritten "Operation Weckruf" nach 2021 und 2022 wurden diesmal mehr als 2.700 Computer, Laptops, Smartphones, Tablets und Speichermedien sichergestellt. Damit hat sich die Zahl der sichergestellten Geräte im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Bei einer ersten Grobsichtung nach kinderpornografischen Aufnahmen seien die Ermittler bereits fündig geworden, sagte Dieter Hausberger vom Bayerischen Landeskriminalamt. Auf mehreren Geräten wurden ihm zufolge kinderpornografische Fotos und Videos entdeckt.

Fallzahlen steigen weiter rasant

2022 ermittelte die bayerische Polizei in 6.460 Fällen wegen Kinderpornografie. Ein Anstieg von 27 Prozent zum Vorjahr und sogar um mehr als 270 Prozent im Vergleich zu 2019. Bei der zentral zuständigen Generalstaatsanwaltschaft Bamberg sind dieses Jahr schon jetzt knapp 3.500 Verfahren eingeleitet worden, für 2023 droht deshalb wieder ein trauriger Rekord. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte die Entwicklung "erschreckend" und kündigte an, den Kampf gegen die Kinderpornografie weiter zu verstärken.

Herrmann übt Kritik an Bundesregierung

Innenminister Herrmann kritisierte in diesem Zusammenhang einmal mehr die Bundesregierung, namentlich den Widerstand von FDP und Grünen gegen eine Speicherung von IP-Adressen. Es sei "unerträglich", dass Strafverfolger entsprechende Hinweise nicht weiterverfolgen könnten. Damit spiele man den skrupellosen Tätern in die Hände. Der Europäische Gerichtshof habe die Sicherung von IP-Adressen in seinem Urteil vom 20. September 2022 ausdrücklich erlaubt.

Datenträgerspürhunde erfolgreich im Einsatz

Seit Ende 2021 werden auch in Bayern Datenträgerspürhunde ausgebildet, die versteckte Speichermedien wie USB-Sticks und Festplatten erschnüffeln können. Inzwischen gibt es bei den Präsidien und der Bereitschaftspolizei 13 Diensthunde, fünf von ihnen waren auch bei der gestrigen Durchsuchungsaktion im Einsatz. Seit Beginn des Ausbildungsprogramms konnten dank der Datenträgerspürhunde bereits 65 Beweismittel entdeckt werden, die ansonsten verborgen geblieben wären.

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