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Online-shoppen geht auch sozial und nachhaltig | BR24

© BR / Leonie Thim

Kann man sozial und nachhaltig online-shoppen?

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Online-shoppen geht auch sozial und nachhaltig

Obwohl die Läden wieder offen haben, shoppen viele Menschen mehr im Internet als vor der Corona-Pandemie. Online-Shopping geht auch sozial und nachhaltig. Außerdem kann man damit den Einzelhandel unterstützen, wenn man ein paar Dinge beachtet.

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Christine Reynartz hat Kundschaft in ihrem Laden "Auryn" im Münchner Glockenbachviertel. Nach wochenlanger Ausgangsbeschränkung und geschlossenem Laden genießt sie den Kundenkontakt. "In den ersten zwei Wochen waren fast nur Stammkunden da und das hat total Spaß gemacht", erinnert sie sich. "Jeder hat sich gefreut, ich hab' mich gefreut, die haben sich gefreut. Also, es war total schön."

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Online-Shop während Corona ausgebaut

Für das Auryn gibt es seit drei Jahren einen Online-Shop. In der Corona-Zeit hat ihn Christine Reynartz ausgebaut und mehr Produkte eingestellt. Wie im Laden findet man dort faire und nachhaltige Mode für Frauen und alles rund um das Thema Kind. "Als es hieß, dass es die Schließung gibt, habe ich vor allem Spielzeug verkauft", sagt sie, "denn die Eltern mussten ja schauen, wie sie ihre Kinder beschäftigen."

Corona-Pandemie – ein Motor für die Digitalisierung im Einzelhandel

Die Corona-Pandemie hat auch die Digitalisierung im Einzelhandel vorangetrieben, viele Läden haben Online-Shops auf- oder ausgebaut, sagt Delphine Bradt. Sie hat in ihrer Doktorarbeit an der LMU München untersucht, warum Verbraucher entweder im Internet oder im Geschäft einkaufen und sie kam zu dem Ergebnis, dass viele Online-Shopping als nicht nachhaltig empfinden.

Das liege unter anderem an Transportemissionen, Verpackungsmüll und den harten Arbeitsbedingungen von Paketboten, sagt Delphine Bradt: "Daher werden Online-Angebote positiv wahrgenommen, wenn sie glaubhaft nachhaltige Produkte anbieten, die idealerweise aus regionaler Produktion stammen.“

Regionale Alternativen zu Amazon

Solche Online-Händler gibt es, sagt Nachhaltigkeitsbloggerin Alexandra Achenbach. Die promovierte Biologin hat durch ihre beiden Kinder zum Thema Nachhaltigkeit gefunden und angefangen, ihr Familienleben umzustellen. Auf ihrem Blog "Live life green" teilt sie ihre Erfahrungen und Erkenntnisse. Zum Beispiel hat sie nach Alternativen zum Weltmarktführer Amazon gesucht und regionale Online-Händler gefunden. "Ich würde immer, wenn ich ein Produkt brauche, es als Erstes in die Suchmaschine eingeben mit der Kombination von meinem Wohnort", erklärt Alexandra Achenbach. Dann könne man schauen, welche Läden man angezeigt bekommt - und ob sie einen Online-Shop haben.

Hat der Lieblingsladen von nebenan keinen Online-Shop, kann man auch anrufen und sich am Telefon beraten lassen, schlägt Alexandra Achenbach vor. Nachhaltig und sozial im Internet einzukaufen, hat aber auch Grenzen, gibt Alexandra Achenbach zu. Bei Elektrogeräten zum Beispiel sei das schwer. Deshalb schlägt sie vor, Computer, Handy und Co secondhand zu kaufen.

"Da gibt’s Plattformen, die Rückläufer oder auch einfach gebrauchte Sachen herrichten. Da hast Du dann trotzdem deine zwei Jahre Garantie von dem Händler", sagt sie. Die Geräte gebe es günstiger und auch nachhaltiger, weil sie eben nicht neu, sondern gebraucht sind. Als Beispiele nennt die Münchnerin Backmarket oder Rebuy. Auf www.utopia.de oder auf dem Blog von Alexandra Achenbach gibt es zusätzlich Infos zu nachhaltigen Produkten.

Viele Verlierer, wenige Gewinner im Einzelhandel

Indem man online bei seinem Lieblingsladen einkauft, kann man ihn auch unterstützen, sagt Alexandra Achenbach. Zwar sind die Läden in den Innenstädten wieder geöffnet, trotzdem erlebt der Einzelhandel einen Absturz wie nie zuvor, erklärt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Voraussichtlich würden durch die Corona-Krise mindestens 6,4 Milliarden Euro an Umsätzen wegbrechen. Viele Unternehmen seien von der Pleite bedroht. "Im schlimmsten Fall rechnen wir mit mehr als 5.000 Geschäftsschließungen bis zum Jahresende", sagt Ohlmann.

Das belegen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Im April dieses Jahres ist der Umsatz des Einzelhandels um 6,5 Prozent niedriger ausgefallen als im April 2019. Besonders stark traf es Bekleidungs-, Textil-, Schuh- und Lederwaren-Geschäfte. Ihr Umsatz ging um 38 Prozent zurück. Allein die Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs, heißt Lebensmittel, ist nach wie vor ungebrochen. Supermärkte und Discounter verkaufen also trotz Corona-Krise gut.

Auch der Einzelhandel mit Fahrrädern, Sport- und Campingartikeln hat seinen Umsatz im April um 12,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat gesteigert und gehört damit zu den Branchen mit den höchsten Umsatzsteigerungen im Einzelhandel überhaupt, meldet das Statistische Bundesamt.

Innenstädte füllen sich langsam

Die bayerischen Innenstädte jedoch bleiben vergleichsweise leer. In München zum Beispiel merkten die Einzelhändler die Pfingstferien kaum. Denn es kamen deutlich weniger Menschen in die Einkaufsmeile. Am ersten Juni-Wochenende gingen fast 60 Prozent weniger Menschen (75.192) durch die Neuhauser Straße als im Vergleichswochenende 2019 (181.954). Das hat die Firma Hystreet gemessen, die mit einem Laser scannt, wie viele Menschen auf Einkaufsstraßen unterwegs sind.

Auch wenn langsam immer mehr Passanten in die Innenstädte kommen, ist die Branche noch "Lichtjahre vom Normalmodus entfernt", sagt Bernd Ohlmann.

Christine Reynartz hat während der Corona-Ausgangssperren online weniger Umsatz gemacht als zu normalen Zeiten, wenn ihr Laden geöffnet war. Aktuell merkt sie, dass Kinderprodukte weiter gut gekauft werden. In der Damen-Mode laufe es jedoch schleppend. "Was aber vor allem fehlt, ist die Laufkundschaft, die nach einem Kaffee noch bummeln geht", erklärt sie.

Zukunft des Einzelhandels ein Mix aus online und offline

In Zukunft werde es wohl einen Mix aus Online-Shops und Geschäften geben, denkt Delphine Bradt. Denn den meisten Kunden seien Beratung und Gespräch im Laden besonders wichtig, hat sie in ihrer Doktorarbeit herausgefunden.

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