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Online-Aufruf: Würzburger sammeln Müll am Würzburger Stein | BR24

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Da durch Corona viele Freizeitangebote wegfallen, treffen sich die Menschen vermehrt draußen, so auch in den Weinbergen bei Würzburg. Ein Anwohner startet nun eine Initiative, um den anfallenden Müll zu entsorgen.

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Online-Aufruf: Würzburger sammeln Müll am Würzburger Stein

Die Weinlage am Würzburger Stein ist gerade in Corona-Zeiten ein beliebter Freiluft-Treffpunkt. Unerwünschter Nebeneffekt: Im Weinberg liegt immer mehr Müll. Ein Würzburger hat deshalb zum Müllsammeln aufgerufen - und war von der Resonanz überrascht.

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Von
  • Jochen Wobser

Dienstagabend, am Fuß der berühmten Weinlage am Würzburger Stein. Serhat Divrik hat blaue Müllsäcke in der Hand und lächelt. Damit hätte er nicht gerechnet: Das Dutzend ist voll. Zwölf Würzburger sind dem Online-Aufruf des 49-Jährigen gefolgt und haben sich zum gemeinsamen Müllsammeln eingefunden - vom zwölfjährigen Mädchen bis zur Rentnerin. Vor der Gruppe liegen zwei Stunden im Weinberg, in denen sich rund 20 Müllsäcke füllen werden.

Anwohner: Müllmenge im Weinberg ist "explodiert"

Vor zwei Monaten, als Serhat Divrik zum ersten Mal in den Sozialen Netzwerken zum Müllsammeln im Stein aufgerufen hatte, waren sie noch zu dritt. Aber das Thema scheint einen Nerv zu treffen - insbesondere bei den Anwohnern. Einer der Müllsammler, er nennt sich "Ecki", wohnt in Nähe der Steinburg und hat die Nase schlicht voll vom Müll in den Weinbergen. "Seit die Corona-Ausgangssperre aufgehoben wurde, ist das hier explodiert mit dem Müll", erzählt er. "Ich verstehe das ja: Die Leute treffen sich hier, weil es so schön ist. Aber warum müllen sie diesen Platz voll, den sie so schön finden?"

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Die Weinlage am Würzburger Stein ist gerade in Corona-Zeiten ein beliebter Freiluft-Treffpunkt. Unerwünschter Nebeneffekt: Im Weinberg liegt immer mehr Müll. Ein Würzburger hat deshalb zum Müllsammeln aufgerufen - und war von der Resonanz überrascht.

Initiator: "Dreckspatzen gibt es in jeder Altersgruppe"

Weil die Gruppe so groß ist, teilt sie sich im Weinberg auf. "So können wir ein noch größeres Gebiet ablaufen, das ist super", freut sich Serhat Divrik. Der Initiator der Aktion liebt den Würzburger Stein, wie er sagt. Der Mediendesigner kommt oft zum Joggen oder auch zum Meditieren hierher. Und jedes Mal nimmt er Müll mit nach Hause - auch wenn er nicht in der Gruppe unterwegs ist. Dem 49-Jährigen ist es wichtig, dass seiner Einschätzung nach nicht nur junge Leute ihren Müll liegen lassen. "Dreckspatzen gibt es in jeder Altersgruppe." Wenn er solchen "Dreckspatzen" in den Weinbergen begegne, dann sei er am besten damit gefahren, "ohne erhobenen Zeigefinger" zu agieren. "Ich frage dann einfach höflich, ob ich den Müll wegschmeißen darf. Das wirkt am besten", so Divrik.

Appell an die Stadt: mehr Mülleimer im Würzburger Stein

Mit Einbruch der Dunkelheit beendet die Gruppe die Sammelaktion. Der Ertrag in den Müllsäcken ist beachtlich: Pizzakartons, Schnapsflaschen, Fast Food-Verpackungen. "Das regt mich richtig auf, was da alles im Weinberg rumliegt. Umso wichtiger, dass man was dagegen tut", sagt Yvonne Pechar, die in einem anderen Stadtteil wohnt, aber oft im Stein spazieren geht. Serhat Divrik lächelt wieder. "Genau darum geht es doch: In diesen seltsamen Corona-Zeiten senden wir ein Signal, dass wir durch kleine Aktionen zusammen was Positives in die Welt setzen können". Divrik hofft, dass auch die Stadt Würzburg die Signale hört und mehr Mülleimer an den Treffpunkten aufstellt. Aber er kommt ohnehin wieder, um Müll zu sammeln. Im September soll die Aktion wiederholt werden.

© BR/Jochen Wobser

Müllsammler im Würzburger Stein

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