Viele bunte E-Scooter verschiedener Anbieter stehen auf einer grauen Fläche.

E-Scooter dürfen während des Oktoberfestes in München nicht zu nah an der Theresienwiese gefahren oder geparkt werden.

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    Nach Wiesn-Besuch: Geschicklichkeits-Test vor E-Scooter-Leihe

    Nach Wiesn-Besuch: Geschicklichkeits-Test vor E-Scooter-Leihe

    Elektroroller sind in München an allen Ecken und Enden zu finden. Während des Oktoberfestes werden die E-Scooter aber aus den Straßen um die Theresienwiese verbannt. Mit einem zusätzlichen Trick sollen Alkohol-Fahrten verhindert werden.

    Raus aus dem Bierzelt und rauf auf den E-Scooter, um sich nicht mit der Masse von Oktoberfestbesuchern in die U-Bahn zu quetschen. Was sich für manchen Wiesn-Gänger nach ein paar Maß Bier im ersten Moment vielleicht nach einer guten Idee anhört, kann im Straßenverkehr ganz schön gefährlich werden. Die Stadt München, die Polizei und die E-Scooter-Anbieter in der Landeshauptstadt haben sich deshalb für die Zeit vom 17. September bis 3. Oktober 2022 auf ein paar Sonderregeln für die Nutzung der Elektroroller geeinigt.

    Fahr- und Parkverbot für E-Scooter rund um Theresienwiese

    E-Scooter dürfen laut Mobilitätsreferat der Stadt, genau wie Autos und andere Kraftfahrzeuge, während des Oktoberfestes nicht in den sogenannten "Äußeren Sperrring" rund um die Theresienwiese fahren. Dieser Ring zieht sich von der Lindwurmstraße zur Herzog-Heinrich-Straße, weiter bis zur Paul-Heyse-Straße, Schwanthalerstraße, Heimeranstraße, Ganghoferstraße, Hans-Fischer-Straße bis zur Poccistraße.

    Außerdem gilt zwischen 17 Uhr und 6 Uhr des jeweiligen Folgetages ein Ausleih- und Fahrverbot rund um die Wiesn. "Während des Oktoberfestes gibt es gewisse Punkte, an der die Polizei den Verkehr rausnimmt", sagt Oliver Barnert von der Pressestelle der Münchner Polizei. Anwohner dürften passieren, ebenso wie Fahrräder, die an der Kontrolle vorbeigeschoben werden.

    Oktoberfest-Besucher sollen nicht alkoholisiert E-Scooter fahren

    An diesen Stellen würden E-Scooter-Fahrer aufgefordert, die Roller an extra vorgesehen Sammelstellen zu parken. Damit wolle man "ausschließen, dass sich E-Scooter im Ring befinden und so entgegenwirken, dass Besucher vom Oktoberfest direkt mit den Scootern losfahren", so Barnert. Durch das Verbannen der E-Scooter aus der direkten Nähe des Festgeländes solle verhindert werden, dass Wiesn-Gänger alkoholisiert auf die Roller steigen. Denn für E-Scooter-Fahrer gelten die gleichen Promillewerte wie für Autofahrer.

    Näher an die Theresienwiese darf dieser E-Scooter an der Ecke Bavariastraße/Hans-Fischer-Straße während des Oktoberfestes nicht heran.

    Bildrechte: BR/ Sonja Hößl

    Mehr Sicherheit durch Sammelparkplätze

    Neben der Kontrolle durch Polizeibeamte entlang des Rings kontrollieren die Scooter-Firmen per GPS, wo ihre Fahrzeuge abgestellt werden. Die Miete der Roller könne laut den Herstellern nicht in Parkverbotszonen wie innerhalb des Sperrrings beendet werden.

    Die Sammelstellen sollen laut Mobilitätsreferat außerdem dazu beitragen, "Gehwege – in besonders mit Fußverkehr frequentierten Bereichen – frei von Stolperfallen" zu halten. Verirren sich doch ein E-Scooter in den Sperrring, würden diese laut der E-Scooter-Anbieter "Tier" und "Bolt" aus der Sperrzone entfernt. Parkverbotszonen und die festgelegten Parkzonen würden in der App angezeigt und laufend aktualisiert. Aus Sicht von "Tier" seien die Parkverbotszonen "absolut sinnvoll, um Vandalismus vorzubeugen und Fahrten unter Alkoholeinfluss möglichst zu verhindern".

    Schilder, wie hier an der Bavariastraße, weisen auf die E-Scooter-Sammelstellen hin.

    Bildrechte: BR/ Sonja Hößl

    Geschicklichkeitstest vor Fahrt

    Auch die E-Scooter-Firmen betonen in ihren Apps, dass es wichtig sei, ihre Fahrzeuge nicht alkoholisiert zu nutzen. Die Firma "Lime" weist zum Beispiel mit einer Anzeige darauf hin. Der Anbieter "Bird" verlangt von Nutzern, dass sie das Wort "sicher" richtig eintippen, um zu bestätigen, dass sie fahrtüchtig sind.

    Ein bisschen kniffliger wird es bei Elektrorollern von "Bolt". Mit einem kurzen Geschicklichkeitstest will "Bolt" dafür sensibilisieren, nicht unter Alkoholeinfluss zu fahren. Diesen Test gebe es in allen deutschen Städten bereits zu Nachtzeiten - während der Wiesn in München aber derzeit ganztags.

    Die Nutzer werden aufgefordert, ein kurzes Reaktionsspiel zu spielen: Sobald ein Gesicht auf dem Bildschirm einen Helm trägt, müssen die Nutzer schnell darauf tippen. Dabei würden "Reaktionszeit und damit ihre Fahrtüchtigkeit" getestet, so ein "Bolt"-Sprecher. Liege die Reaktionszeit über einem gewissen Schwellenwert, empfehle die "Bolt"-App den Nutzern, den E-Scooter stehen zu lassen und lieber auf ein Taxi umzusteigen.

    Sensibilisierung für Alkoholfahrten

    Freigeschaltet werden die E-Scooter aber auch, wenn Fahrer im Test schlecht abschneiden. Betrunkene können die Roller also trotzdem nutzen. Mit dem Test solle laut Betreiber lediglich das "Bewusstsein der Nutzer für ihren aktuellen Nüchternheits- oder Rauschzustand" geschärft werden. Oliver Barnert von der Münchner Polizei schätzt solche Tests als zusätzliche Hilfestellung ein. "Erst mal ist das eine gute Sache", sagt er. "Aber man muss sich die Frage stellen: Kann der Test einen Fahrer - je nach Alkoholpegel - wirklich davon überzeugen, den Scooter stehen zu lassen?"

    Als gute Idee bezeichnen Daniel Azari und Nick Battiste aus Kanada diese Tests. Die beiden Männer sind für das Oktoberfest nach München gekommen - und die letzten Meter zur Wiesn mit dem E-Scooter bis zum Roller-Parkplatz am Georg-Hirth-Platz angereist. Sie mussten bei der von ihnen gewählten E-Scooter-Firma kein Geschicklichkeitsspiel durchführen, finden das Prinzip aber gut.

    "Die Scooter sind super, um eine Stadt wie München zu erkunden", so Azari. Und auch als Fortbewegungsmittel hin zur Wiesn seien die Scooter praktisch. "Für uns Touristen ist so ein Test eine guter Weg, um daran erinnert zu werden 'Achtung, in Deutschland gelten auch für die Scooter gewissen Promillegrenzen'", sagt Battiste.

    Ausleihverbot von 17 bis 6 Uhr

    Um Oktoberfestbesucher gar nicht erst in Versuchung zu bringen, sich rund um die Theresienwiese einen E-Scooter für den Heimweg zu schnappen, haben die Firmen gemeinsam mit der städtischen Behörden ein Ausleihverbot der Scooter vereinbart, das von den Herstellern durchgesetzt wird. In einem Radius von bis zu einem Kilometer um den äußeren Sperrring sei das Aktivieren der Roller zwischen 17 Uhr und 6 Uhr des Folgetages technisch laut Mobilitätsreferat nicht möglich.

    Auch Scooter, die beispielsweise in Teilen des Westends und des Bahnhofsviertels oder an Sendlinger Tor und Stachus stehen, können in der Zeit nicht geliehen werden. Das Ausleihverbot "soll Trunkenheitsfahrten unterbinden", heißt es vom Mobilitätsreferat. Die Firma "Tier" will diese Parkverbotszonen auch nach dem Ende des Oktoberfestes beibehalten.

    Der gelbe Bereich der Karte markiert die Zone, in der von 17 Uhr bis 6 Uhr des Folgetages keine E-Scooter geparkt oder ausgeliehen werden können.

    Bildrechte: Mobilitätsreferat / Landeshauptstadt München

    Keine gezielten Alkohol-Kontrollen von Scooter-Fahrern

    Gezielt auf Alkoholkonsum kontrolliert würden E-Scooter-Fahrer während des Oktoberfestes laut Barnert von der Münchner Polizei nicht: "Es finden ganzheitliche Kontrollen statt, damit alle Verkehrsteilnehmer sicher nach Hause kommen." In den vergangenen Tagen wurde laut Polizeiangaben in der Schwanthalerstraße aber ein 15-Jähriger angehalten, der in Schlangenlinien mit einem Scooter gefahren ist. Bei ihm wurde ein Alkoholwert von zwei Promille festgestellt. Bis Dienstagabend sei die Situation mit alkoholisierten E-Scooter-Fahrern aber überschaubar gewesen.

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