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83 Jahre lang führte die Familie Heide die "Bräurosl" auf dem Münchner Oktoberfest. Nun hören die Gastronomen auf. Sie wollen sich nicht mehr um das Pschorr-Festzelt bewerben, wie die Familie am Montag in München mitteilte.

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Oktoberfest: Familie Heide gibt "Bräurosl"-Zelt auf

Das "Bräurosl"-Zelt auf dem Oktoberfest bekommt neue Wirte: Die Gastronomen-Familie Heide wird sich nicht mehr bewerben, wie sie mitgeteilt hat. 83 Jahre lang hatten die Planegger Wirte das große Hacker-Pschorr Festzelt auf der Wiesn.

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Von
  • Birgit Grundner
  • Matthias Lauer
  • Stefanie Wagner

Das "Bräurosl"-Zelt auf dem Oktoberfest bekommt neue Wirte: Die Planegger Gastronomen-Familie Heide werde sich nicht mehr bewerben, wie sie mitgeteilt hat.

Bräurosl-Wirtsfamilie: Nach 83 Jahren ist jetzt Schluss

Das Festzelt "Bräurosl" der Brauerei Hacker-Pschorr bietet knapp 6.500 Sitzplätze und eine Terrasse für weitere rund 1.700 Besucher. Seit 1901 gehört es zur Wiesn. Die Planegger Wirtsfamilie Heide bewirtschaftete das Zelt seit 1936, also über vier Generationen hinweg.

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Drag Queen Franka posiert am 17.09.2017 beim Gay-Sonntag auf dem Oktoberfest im Festzelt Bräurosl mit zwei Gästen.

Sichtlich bewegt verkündete Georg Heide, langjähriger Bräurosl-Wirt, heute seinen Abschied vom Münchner Oktoberfest. Der 67-Jährige und seine Frau gehen in den Ruhestand. Tochter Daniela und ihr Mann wollen sich künftig ganz auf den Familienbetrieb "Heide-Volm" in Planegg konzentrieren.

Eine Zäsur für die Wirts-Familie, die das beliebte Bräurosl-Zelt in vierter Generation geführt hat. Als Sechs- bis Siebenjähriger sei er schon mit dem Großvater "auf dem Fassl" gesessen. Die Entscheidung, jetzt das Bräurosl aufzugeben, sei allein der Corona-Krise geschuldet. Die Familie habe sich diesen Schritt nicht leicht gemacht, sagt Daniela Heide, sondern "zwei Monate nachgedacht" und "rauf und runter gerechnet".

Angst vor finanziellem Schaden

Keine Versicherung sei bereit, den Wirten Schadenersatz zu leisten, sollte das Oktoberfest im kommenden Jahr erneut wegen Corona abgesagt werden müssen, betont Heide. Viele Wirte und Gastronomen sind durch die Corona-bedingten Schließungen und Auflagen in finanzielle Schieflage geraten, weiß auch Clemens Baumgärtner, Wirtschaftsreferent der Stadt München: "Unsere Aufgabe als Stadt ist es ja, da gegenzusteuern und Perspektiven aufzeigen", so der Baumgärtner, doch das fällt offenbar zunehmend schwer.

Brauerei-Chef Steinfatt zeigt sich "geschockt"

Bekannt ist die "Bräurosl" unter anderem durch den Jodelgesang im Zelt und den besonders bei Schwulen beliebten "Gay Sunday". Da die "Bräurosl" ein brauereigebundenes Zelt ist, muss Hacker-Pschorr jetzt einen neuen Wirt auswählen und bei der Stadt München vorschlagen.

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Brauerei-Chef Andreas Steinfatt bedauert die Entscheidung der Wirtsleute sehr und zeigte sich in einer ersten Reaktion "geschockt".

"Ich bin ziemlich geschockt gewesen, weil mich mit der Familie Heide auch eine enge Freundschaft verbindet. Wir haben gemeinsam dann am letzten Sonntag die Wiesn zugesperrt mit dem Oberbürgermeister, und das sind Momente, Erlebnisse, die vergisst man in seinem Leben nicht mehr." Andreas Steinfatt, Brauereichef Hacker-Pschorr und Paulaner

Er kündigte an, die Brauerei werde sich um einen würdigen Nachfolger für die Bräurosl bemühen. Die Familie Heide hatte das traditionsreiche Zelt in vierter Generation geführt. Das Bräurosl-Zelt gehört seit 1901 zum Oktoberfest und bietet im Inneren rund 6.500 Sitzplätze.

Wirtshaus mit Biergarten wird neu ausgerichtet

Nun will sich die Familie darauf konzentrieren, ihr Wirtshaus "Heide-Volm", das es seit 1854 gibt, neu auszurichten. 1931 hatte die Familie Heide das Anwesen in Planegg von der Pschorrbräu gepachtet und 1940 gekauft. Die unsichere Lage infolge der Corona-Pandemie habe sie in dem Vorhaben noch bestärkt.

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