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Oktoberfest-Attentat - eine der dunkelsten Stunden Münchens | BR24

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Oktoberfest während der Trauerfeierlichkeiten 1980 für 24 Stunden unterbrochen

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    Oktoberfest-Attentat - eine der dunkelsten Stunden Münchens

    26. September 1980 - ein schwarzer Tag in der Geschichte Münchens: Bei einem Bombenanschlag auf der Wiesn werden 13 Menschen, unter ihnen der Täter, getötet, 211 verletzt. Die Ermittlungen sind inzwischen eingestellt, das Tatmotiv aber neu bewertet.

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    Von
    • Ernst Eisenbichler

    26. September 1980 - ein Tag mit vorbildlichem Wiesn-Wetter geht zu Ende, bald schließen die Zelte. Doch um 22.21 Uhr findet die bierselige Stimmung ein jähes Ende. Mit einem fürchterlichen Knall explodiert beim Haupteingang eine Bombe.

    Wo zuvor noch Hunderte Besucher die Theresienwiese verließen, liegen jetzt Tote und Verstümmelte, Verletzte schreien um Hilfe. In einem Umkreis von 30 Metern: 13 Tote und 211 zum Teil schwer Verletzte. Auch der Attentäter selbst kommt um: der 21-jährige Geologiestudent Gundolf Wilfried Köhler aus Donaueschingen, der gerade durch eine Prüfung gefallen und früher Anhänger der neonazistischen, kurz zuvor verbotenen "Wehrsportgruppe Hoffmann" gewesen war. Viele Opfer werden mehrfach operiert und bleiben doch für den Rest ihres Lebens gezeichnet.

    Die Bombe aus dem Papierkorb

    Die Bombe mit fast 1,5 Kilogramm TNT hatte Köhler in einem Abfalleimer platziert, der an einem Verkehrsschild beim Haupteingang befestigt war. Seither gibt es keine Papierkörbe mehr auf der Wiesn. Das Oktoberfest wurde unterbrochen - für einen Tag.

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    Feuerwehr und Festbesucher kümmern sich um einen Verletzten

    Verwirrter Einzeltäter oder vernetzter Rechtsterrorist?

    Wer ist verantwortlich für den schwersten Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte? Eine zeitweise 100 Beamte umfassende Sonderkommission zum Wiesn-Attentat befragte 1.800 Zeugen, kam aber zu keinem weiter reichenden Tatverdacht. Die Bundesanwaltschaft legte den Fall nach zwei Jahren zunächst zu den Akten. Köhler sei ein von einer Persönlichkeitskrise und Unzufriedenheit mit dem System getriebener Einzeltäter, lautete die Begründung.

    Offizielle Version war lange, dass Köhler als Einzeltäter die Bombe zündete. Bis heute gibt es jedoch Zweifel, ob er den Anschlag tatsächlich allein geplant und begangen hat. Opfer-Angehörige vermuten, dass Rechtsterroristen hinter dem Terrorakt standen.

    DDR-Spione beobachteten die rechte Szene in der BRD

    Einen bis dahin neuen Aspekt formulierte 2008 Tobias von Heymann in seinem Buch "Die Oktoberfest-Bombe". Der Autor hat Stasi-Akten gewälzt und herausgefunden, wie intensiv DDR-Spione die rechte Szene der Bundesrepublik observierten und sogar Geheimdienstaktivitäten beobachteten. Bezüge zwischen Neonazis und dem Wiesn-Attentat werden nahegelegt, Beweise fehlen allerdings. Der BR-Journalist Ulrich Chaussy, der auf neue Erkenntnisse durch heutige DNA-Analyse hoffte, erfuhr von der Bundesanwaltschaft, dass die gesammelten Asservate (Verwahrstücke, die als Beweismittel dienen können) vernichtet wurden.

    Ermittlungen endgültig eingestellt - Motiv: Rechtsextremismus

    2014 versuchten Ermittler dann doch aufs Neue, Licht ins Dunkel um den Bombenanschlag zu bringen - insbesondere, nachdem Recherchen von Chaussy neue Hinweise zutage gefördert hatten. Mehr als tausend Zeugen wurden in der Folge befragt, mehr als 800 neue Spuren verfolgt. Wohl an die 400.000 Seiten Akten wurden durchforstet. Doch die Suche nach möglichen Hintermännern Köhlers blieb erfolglos. Nach den Ergebnissen der neuen Ermittlungen handelte der Attentäter damals aus einer rechtsextremistischen Motivation heraus. Das ist eine Neubewertung der Tat. Hinweise auf mögliche Hintermänner oder Komplizen wurden aber nicht gefunden - und so stellte die Bundesanwaltschaft 2020 die Ermittlungen endgültig ein.

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    Mitglieder der "Wehrsportgruppe Hoffmann" 1978 auf dem Grundstück von Karl-Heinz Hoffmann in Ermreuth bei Nürnberg

    Ermittlungen zu früh abgeschlossen?

    Hinterbliebene und Überlebende erheben bis heute Vorwürfe: Ministerpräsident Franz Josef Strauß - in jenen Wochen Kanzlerkandidat der Union - hatte die Gefährlichkeit der rechtsextremen "Wehrsportgruppe Hoffmann" zuvor heruntergespielt und ihr Verbot durch Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) kritisiert. Jetzt brauchte die bayerische Polizei einen schnellen Erfolg. Wurden die Ermittlungen zu früh abgeschlossen? Der damalige Leiter der Mordkommission, Josef Ottowitz, sieht das anders: "Wo nichts ist, kann man auch nichts finden", meinte er und vertrat damit die These vom Einzeltäter.

    Der damalige Opferanwalt Werner Dietrich dagegen glaubt bis heute fest an Aussagen von Zeugen, die den Attentäter in Begleitung gesehen haben wollen. Dietrich meint, der Anschlag könne in einem größeren Zusammenhang gestanden haben: Köhler könnte ein rechtsradikales Attentat zwei Monate zuvor auf den Bahnhof von Bologna zum Vorbild genommen haben, bei dem 85 Menschen starben.

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    Mahnmal für die Opfer des Okoberfest-Attentats

    Mahnmal erinnert an die Opfer

    Seit dem ersten Jahrestag des Attentats erinnerte eine bronzene Stele des Laufener Bildhauers Friedrich Koller an die Opfer. Der Künstler hat 2008 das Denkmal neu gestaltet. Alle früheren Versuche, das Mahnmal im Wiesn-Getümmel zu schützen, waren fehlgeschlagen. Lieferwagen und Betrunkene hatten die Stele beschädigt. Ein Podest, eine Steinwand und ein eingezäuntes Blumenbeet sollten Sicherheitsabstand schaffen - ohne Erfolg. Das Beet wurde als Mülleimer benutzt.

    Um die Würde der Gedenkstätte am Haupteingang wieder herzustellen, wurde nach viel Hin und Her im Rathaus Koller mit der Überarbeitung beauftragt. Vom alten Ensemble ist nur die Stele übrig geblieben - und mit ihr die Inschrift zum Gedenken an die Opfer. Eine rostige, durchlöcherte Stahlwand um die Stele herum wirkt wie von einer Explosion zerfetzt. In den Boden sind 13 Stahlsplitter eingearbeitet, für jedes Todesopfer einer. "Dieser Mantel aus Stahl ist Metapher für Schutz, ja für Demokratie", erläuterte der Künstler, "dieser Mantel wurde verletzt, er zeigt die Wunden".

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