BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: picture-alliance/dpa

22. Juli 2016: Ein Attentäter erschießt am OEZ in München neun Menschen. Marcus da Gloria Martins erzählt, wie er den Tag als Polizeisprecher erlebt hat. Und er sagt, eine "Spirale der Selbstradikalisierung" spiele bei Tätern eine zunehmende Rolle.

26
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

OEZ-Attentat: Marcus da Gloria Martins schaut zurück

22. Juli 2016: Ein Attentäter erschießt am OEZ in München neun Menschen. Marcus da Gloria Martins erzählt, wie er den Tag als Polizeisprecher erlebt hat. Und er sagt, eine "Spirale der Selbstradikalisierung" spiele bei Tätern eine zunehmende Rolle.

26
Per Mail sharen
Von
  • Robert Scharold
  • Uwe Pagels

Genau fünf Jahre ist es her: Ein Attentäter erschießt am Olympia-Einkaufszentrum in München aus rassistischen Motiven neun Menschen. Fünf weitere werden verletzt, viele traumatisiert. Ein Abend, den viele Münchner nie mehr vergessen.

Weil die Situation unklar ist und in den sozialen Netzwerken Gerüchte die Runde machen, kam es damals an verschiedenen Stellen in der Stadt zu Panik. Die Polizei bekam 71 Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern, die auch andernorts Schüsse gehört haben wollen - Falschmeldungen, wie sich später herausgestellt hat. Viele verbinden den Abend auch mit dem Namen Marcus da Gloria Martins. Er hat damals als Sprecher der Polizei München die Menschen auf dem Laufenden gehalten.

Gesamtbild geben - eine große Herausforderung

Die Herausforderung für ihn sei gewesen, sich einen Überblick zu verschaffen, sagte Marcus da Gloria Martins im radioWelt-Interview auf Bayern 2. "Sich ein Gesamtbild zu schnitzen, das der Realität entspricht, das ist die große Kunst, nicht nur in der Kommunikation der Polizei, sondern in der Einsatzleitung der Polizei", so der damalige Sprecher der Polizei.

"Stellen Sie sich vor, Sie müssten auf Zeit ein Puzzle lösen. Sie wissen aber nicht, wie das Puzzle ausschaut und dann kommt noch einer von der Seite und kippt Ihnen Puzzlestücke eines anderen Puzzles da rein." Marcus da Gloria Martins

"Glauben verloren, dass sich das zum Guten wendet"

Als sich die Zahl der Toten und Verletzten "manifestiert" habe, sei es "richtig gruselig" geworden. "Das ist ein Moment, an den ich mich sehr gut erinnern kann. Spätestens dann hat man den Glauben daran verloren, dass sich das noch zum Guten wendet." Das Gefühl habe er noch in den Knochen", sagte Marcus da Gloria Martins im Bayern 2-Interview.

Gute Arbeit der Kollegen vor Ort

Marcus da Gloria Martins lobte die Arbeit seiner damaligen Polizeikollegen vor Ort am OEZ. Ihnen sei damals "ganz gut gelungen", die Gefahr zu beseitigen und die Bedrohung zu beenden. "Um 17.51 Uhr ist der erste Schuss gefallen, um 17.52 Uhr der erste Notruf eingetroffen, zwei Minuten später war die erste Streife vor Ort." Danach habe der Täter sein Handeln beendet und keine weiteren Menschen getötet oder verletzt.

Ein "Motivmix" beim Täter

Dass beim Täter rassistische Motive eine Rolle spielten, das sei heute unbestritten, so Marcus da Gloria Martins. "Aber dass wir auch in diesem Fall einen Motivmix haben, wo auch die Persönlichkeit des Täters eine große Rolle gespielt hat, auch das ist Teil der Wahrheit." Dieses Muster habe sich in den letzten fünf Jahren bei anderen Taten immer wieder wiederholt, so der frühere Sprecher der Polizei München.

Für die Sicherheitsbehörden weltweit bleibe es eine Herausforderung, dass sich Täter selbst radikalisieren. Die persönliche Motivlagen könnten dabei sehr unterschiedlich sein. In einer persönlichen Ausnahmesituation wie Frust oder Trauer "finden sie im Netz zu jeder irgendwie gearteten ideologischen Denkrichtung genau das, was sie brauchen, um sich zu identifizieren". Wenn es wirklich schlimm läuft, steigen sie dann in eine "Spirale der Selbstradikalisierung" ein, sagte Marcus da Gloria Martins.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!