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Blumenmeer am Olympia-Einkaufszentrum in München - wenige Tage nach dem Attentat

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    OEZ-Attentat in München: Als der Hass neun Menschen tötete

    Genau fünf Jahre ist es her: Ein Attentäter erschießt am Olympia-Einkaufszentrum in München aus rassistischen Motiven neun Menschen. Fünf weitere werden verletzt, viele traumatisiert. Ein Abend, den viele Münchner nie mehr vergessen.

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    Von
    • Birgit Grundner
    • Manuel Rauch

    Zum fünften Mal jährt sich an diesem Donnerstag der rassistisch motivierte Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum in München. Der 18-jährige Täter erschoss damals neun Menschen mit Migrationshintergrund, die meisten von ihnen Jugendliche. Fünf weitere wurden verletzt und viele traumatisiert. Der Abend des 22. Juli 2016 hat sich in Münchens kollektives Gedächtnis eingebrannt.

    "Ich habe in den Lauf geschaut und gedacht: Jetzt ist es so weit"

    Das Grauen beginnt um 17.51 Uhr. Zuerst schießt der Attentäter in einem Fast-Food-Lokal auf Menschen, dann sucht er weitere Opfer im Freien und im Olympia-Einkaufszentrum. Er tötet acht Jugendliche und eine erwachsene Frau. Augenzeuge Hüseyin Bayri versucht noch, dem schwerverletzten Guiliano zu helfen. Plötzlich steht der Täter eineinhalb Meter vor ihm: "Dann hab ich in den Lauf geschaut und gedacht, jetzt ist es mit dir so weit, Hüseyin", erinnert er sich: "Ich hab das 'Klick' gehört, zwei Mal, und dann war ich ohnmächtig." Der Attentäter nimmt sich später selbst das Leben.

    • Der Bayerische Rundfunk überträgt die zentrale Gedenkveranstaltung der Stadt München ab 12.45 Uhr live im BR Fernsehen und im Internet bei BR24live.

    München versinkt in Panik

    Weil die Situation unklar ist und in den sozialen Netzwerken Gerüchte die Runde machen, kommt es an verschiedenen Stellen in der Stadt zu Panik. Zahlreiche Menschen werden verletzt. Die Polizei bekommt 71 Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern, die auch andernorts Schüsse gehört haben wollen, etwa am Stachus, auf dem Gelände des Tollwood-Sommerfestivals und im Hofbräuhaus - Falschmeldungen, wie sich später herausstellt.

    Blumenmeer vor dem OEZ: "Wir trauern mit!"

    In den Tagen nach dem Attentat wird der Platz vor dem Einkaufszentrum zum Blumenmeer und Treffpunkt für fassungslose Menschen. Es sind Nachbarn und Freunde der Getöteten sowie Münchnerinnen und Münchner, die einfach ihr Mitgefühl ausdrücken wollen. "Es ist unsere Stadt, und es sind unsere Leute", sagt eine Frau: "Wir trauern mit!"

    Zunächst ist die Rede von einem unpolitischen Amoklauf

    Fast alle Opfer hatten Migrationshintergrund. Bald gibt es immer mehr Hinweise auf ein politisches Motiv: Das rassistische Gedankengut des Täters, seine Aktivitäten in einschlägigen Chat-Gruppen, der gezielt festgelegte Tatzeitpunkt genau fünf Jahre nach den Anschlägen des rechtsextremen Massenmörders Breivik in Norwegen.

    Und doch sprechen die Ermittlungsbehörden in München lange von einem unpolitischen Amoklauf. Der Täter habe sich wegen Mobbings gerächt. Das sei für die Angehörigen und Hinterbliebenen sehr verstörend gewesen, sagt Opfer-Anwalt Onur Özata. Man schiebe damit den Angehörigen und Communities die Schuld zu, weil das Mobbing und damit der Grundstein für die Tat in ihrem Verhalten liege. Dabei habe es da bereits viele Hinweise auf rassistische Hintergründe geben: "Das Ganze wird von Angehörigen als Ignoranz wahrgenommen, als Desinteresse - und die eigenen Rassismuserfahrungen werden übergangen", so Özata.

    LKA geht heute von rechtsextremistischem Anschlag aus

    Der Jurist vertritt eine Familie im Prozess gegen den Waffenhändler, bei dem der Attentäter die Tatwaffe gekauft hatte. Der Händler wird zu sieben Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Inzwischen stuft das Bayerische Landeskriminalamt die Tat als rechtsextremistischen Anschlag ein. Es seien immer mehr Mosaiksteine hinzugekommen, die die Tat in ein anderes Licht gerückt hätten, so das LKA. Die Inschrift am Denkmal vor dem Einkaufszentrum wurde entsprechend geändert. Seit rund einem Jahr steht dort: "In Erinnerung an alle Opfer des rassistischen Attentats"

    Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag

    Am Donnerstagmittag findet am OEZ-Denkmal ein Gedenkakt und am Abend – zum Tatzeitpunkt – eine weitere Veranstaltung statt. Ein schwerer Tag auch für Hasan Leyla, der um seinen Sohn Can trauert. Der Schmerz werde immer der gleiche bleiben, sagt er, "aber wir müssen aber irgendwie versuchen, mit dem Schmerz leben zu können."

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