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ÖPNV Nürnberg: Noch immer fehlt fast die Hälfte der Fahrgäste | BR24

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Fast die Hälfte der Nürnberger meiden aus Angst vor einer Corona-Infektion Fahrten in Bussen und Bahn. Was bedeutet dieser Fahrgast-Schwund für das geplante 365 Euro Jahresticket der VAG?

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ÖPNV Nürnberg: Noch immer fehlt fast die Hälfte der Fahrgäste

Trotz vieler Corona-Lockerungen fehlen in U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen in Nürnberg immer noch fast die Hälfte aller Fahrgäste. Das reißt ein millionenschweres Loch in die Stadtkasse.

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Biergarten und Restaurants haben wieder geöffnet – doch im Öffentlichen Nahverkehr fehlen in Nürnberg immer noch fast die Hälfte aller Fahrgäste. "Aktuell haben wir ca. 55 Prozent unserer Fahrgäste wieder", so Elisabeth Seitzinger von der Nürnberger Verkehrsaktiengesellschaft (VAG). Während des Lockdowns war die Zahl der Fahrgäste im ÖPNV in Nürnberg auf 20 Prozent des Normalaufkommens gesunken. Mit dem Ende der Osterferien habe die VAG ihr Angebot wieder hochgefahren, so Seitzinger.

ÖPNV fährt (fast) wieder im Normal-Takt

Seit dem 11. Mai verkehren die Busse, Straßen- und U-Bahnen wieder in der normalen Taktung. Lediglich die Nachtbusse der "Nightliner" seien noch nicht wieder im Angebot, da das Nachtleben mit weiterhin geschlossenen Kinos, Bars und Diskotheken weiterhin brach liegt.

Dass bislang nur gut die Hälfte aller Fahrgäste wieder den ÖPNV nutzen, liegt laut VAG an mehreren Gründen. Zwar gebe es sicher auch Kunden, die aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus auf Auto oder Fahrrad umsteigen – es seien allerdings auch noch viele Pendler im Homeoffice. "Die haben im Moment keinen Grund, mit dem ÖPNV zu fahren", so die VAG-Sprecherin.

Leere Busse und Bahnen verursachen hohe Zusatzkosten

Im Nürnberger Rathaus rechnet Bürgermeister Christian Vogel (SPD) damit, dass sich das jährliche Defizit des ÖPNV kräftig erhöhen wird. Zur üblichen jährlichen Lücke von etwa 80 Millionen Euro kämen heuer wegen der Coronakrise wohl weitere 20 bis 25 Millionen Euro dazu. Vogel nimmt zudem nicht an, dass sich die Fahrgastzahlen zeitnah normalisieren. "Wir gehen davon aus, dass frühestens in 2023 der Stand aus dem Jahr 2019 erreicht werden kann". Wegen der zu erwartenden Ausfälle "wünschen wir, erwarten wir, hoffen wir" auf Hilfszahlungen von Bund und Freistaat, so Vogel.

365-Euro-Ticket kann trotzdem kommen, aber …

Auf das ohnehin schwer finanzierbare 365-Euro-Ticket hat die Coronakrise in Nürnberg zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen. Hier komme es zunächst auf das Votum des anstehenden Bürgerentscheids an. Sprechen sich die Nürnberger für das 365-Euro-Ticket aus, müsse die Stadt es einführen und dafür an anderer Stelle kürzen, so Vogel. Denkbar sei, dass zur Finanzierung des 365-Euro-Tickets z.B. Verbindungen gestrichen werden müssen. Das sei dann das Gegenteil von dem, was man eigentlich wolle, so Vogel.

Nahverkehrsabgabe als Finanzierungsmodell

Eine Alternative wäre eine Nahverkehrsabgabe, wie sie die Stadt Wien eingeführt hat. Hier müssen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wöchentlich zwei Euro für den ÖPNV bezahlen – unabhängig davon, ob sie den ÖPNV nutzen oder nicht. Vogel plädiert dafür, ähnlich wie in Wien den ÖPNV zunächst attraktiver zu machen, und dann über den konkreten Preis für ein solches Ticket zu sprechen.

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