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Wo der bayerische Nahverkehr stockt | BR24

© dpa/pa/Felix Hörhager

Der Bahnsteig des U-Bahnhofs Hauptbahnhof der Linien U1 und U2 ist mit vielen Fahrgästen überfüllt.

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Wo der bayerische Nahverkehr stockt

Verspätungen bei Zug oder S-Bahn, Landstriche, die kaum mit öffentlichem Nahverkehr versorgt werden - dies alles sind Probleme, die Ministerpräsident Söder nun angehen will. Hier drei Beispiele, wo es derzeit hakt.

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Die Politiker sollten mal nach Mering kommen, meint Hans-Günter Hackspiel. Hier, in der Kleinstadt im Landkreis Aichach-Friedberg, würden sie sehen, was München-Pendlern wie ihm zugemutet wird. Zum Beispiel in den Wochen vor Ostern. Rund 900 Pendler transportiert ein voller Zug normalerweise. Doch weil teilweise zwei von vier Zugteilen fehlten, blieb für die 900 Menschen nur halb so viel Zug wie sonst. Viele mussten daher auf dem Bahnsteig zurückbleiben.

Oft fehlende Zugteile im Pendlerverkehr

Das ist Vertragsbruch seitens der Deutschen Bahn, kritisiert Jörg Lange von Pro Bahn. Zwischen der DB Regio und der Staatsregierung gebe es eine klare Vereinbarung, mit welchen Zugkapazitäten die Züge fahren müssten. Und bei dem meistgenutzten in der Früh seien es eben vier Zugteile, so Lange. Als Gründe für die fehlenden Zugteile nennt die Bahn Personenunfälle, Infrastrukturstörungen, Streckensperrungen und Seriendefekte.

Chronisch überfüllte S-Bahnen

Soweit zur Bahn. Wenn Pendler wie Hans-Günter Hackspiel in München ankommen, wartet aber bereits das nächste Problem: Die S-Bahn. Zur Rushhour ist sie chronisch überfüllt. Dazu gibt es immer wieder technische Störungen und Baustellen. Das Ziel - ein 20 Minuten-Takt und zwar durchgängig und flächendeckend – ist noch immer nicht erreicht. Und der Ballungsraum soll rasant weiterwachsen. Alle Hoffnungen ruhen auf der zweiten Stammstrecke.

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Der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) in Bayern ist für viele Menschen nicht attraktiv. Das soll nach dem Willen von Staatsregierung, Kommunen und Verbänden ändern.

Schlechte Anbindungen auf dem Land

Der Nahverkehr – nur ein Problem der Großstädter? Ein klares Nein. Auch auf dem Land stockt der öffentliche Personennahverkehr. Beispielsweise im Landkreis Ansbach. In kleine Orte jenseits der Bahnstrecken fährt der Bus nur vier bis sechs Mal pro Tag. Wer nach 18.30 Uhr in nahe liegende Ortschaften will, ist auf das Auto angewiesen. Gerd Weibelzahl vom Verkehrsclub Deutschland fordert für große Ort Direktverbindungen in die Stadt alle halbe Stunde, für kleinere Verbindungen jede Stunde. "Und für die ganz kleinen Orte, wo der Bus vom Einsatz her nicht hinfahren kann, brauchen wir Ruftaxis – als Ergänzung, aber nicht als Ersatz."

Besserer Nahverkehr per Gesetz?

Johann Keller vom Bayerischen Landkreistag lehnt dies aus finanziellen Gründen ab: "In der Kürze der Taktung, die nötig wäre, um die individuellen Bedürfnisse zu erfüllen, wäre das ein finanzielles Risiko und ein Aufwand, der nicht darstellbar ist." Auch die Staatsregierung will weder Mindeststandards vorgeben, noch den öffentlichen Personennahverkehr zur "Pflichtaufgabe" erklären. Die Grünen fordern dagegen, die Staatsregierung müsse die Landkreise per Gesetz zu einem besseren Nahverkehr zwingen.

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Viele bayerische Städte ersticken im Verkehr. Attraktive Angebote, mit Bus und Bahn zu fahren, fehlen oft.