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Bildrechte: picture alliance / dpa | Andreas Gebert

Der 3. Ökumenische Kirchentag findet von Mittwoch bis Sonntag in Frankfurt am Main statt.

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Ökumenischer Kirchentag: Vom Skandal zum digitalen Abendmahl

Protestanten und Katholiken laden sich gegenseitig zum Abendmahl und zur Eucharistie ein. Selbst Verbote konnten die Gottesdienste beim 1. Ökumenischen Kirchentag nicht verhindern. Was 2003 als Skandal begann, wird nun zur digitalen gelebten Praxis.

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Von
  • Matthias Morgenroth
  • BR24 Redaktion

Der 3. Ökumenische Kirchentag findet dieses Jahr in Frankfurt am Main statt, auch wenn viele Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie nur digital möglich sind. Genauso wie bei den ersten beiden Ökumenischen Kirchentagen 2003 und 2010 sorgte im Vorfeld die Einladung zum Abendmahl für Diskussionen.

Gegenseitige Einladung zum Abendmahl sollte Zeichen setzen

Die Organisatoren des ersten Ökumenischen Kirchentags 2003 in Berlin wollten ein ökumenisches Zeichen setzen. Die Idee: ein gemeinsames Abendmahl beziehungsweise die gegenseitige Einladung zum Abendmahl und zur Eucharistie-Feier. Obwohl das auf Katholiken- und Kirchentagen, abhängig von der Einstellung des Pfarrers, schon praktiziert wurde, sollte ein Schreiben aus Rom das nun unterbinden.

Trotzdem zelebriert der katholische Priester und Professor Gotthold Hasenhüttl aus Saarbrücken beim 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 in der Getsemane-Kirche in Berlin eine katholische Eucharistie, lud aber auch Protestanten dazu ein: "Alle sind eingeladen zum Empfang des Abendmahls". Ein Politikum und ein kirchenpolitischer ökumenischer Meilenstein.

Katholiken durften nicht an Abendmahl teilnehmen

Denn in der neuen Enzyklika von Papst Johannes Paul II. zum katholischen Abendmahlsverständnis stand, dass in seelsorgerlichen Ausnahmefällen evangelische Christen an der katholischen Eucharistie teilnehmen könnten, den Katholiken die Teilnahme am evangelischen Abendmahl aber verboten sei. Der spätere Papst Benedikt XVI., damals Cheftheologe Joseph Ratzinger sagte, er wolle keine Anerkennung der evangelischen Kirche als echte, gleichwertige Kirche, auch nicht durch die Hintertür einer gemeinsamen Abendmahlsfeier.

Am Tag darauf fand der zweite Gottesdienst statt, die Gegeneinladung zur evangelischen Abendmahlsfeier. Der junge katholische Pfarrer Bernhard Kroll aus dem Bistum Eichstätt nahm damals die Gegeneinladung an, empfing das Abendmahl und war später in Zeitungen und Fernsehsendungen zu sehen. Die katholischen Bischöfe spielten daraufhin die Machtkarte: Bernhard Kroll wurde von seinem damaligen Bischof Walter Mixa für einige Jahre aus dem pastoralen Dienst entfernt. Gotthold Hasenhüttl wurde vom damaligen Trierer Bischof Reinhard Marx vom Priesteramt suspendiert und verlor drei Jahre später auf Anordnung aus Rom die Lehrerlaubnis.

"Meilenstein der ökumenischen Entwicklung"

"Mit dieser Härte hatten wir nicht gerechnet, das ist dann damals sehr schnell gekommen, aber trotzdem sind die Gottesdienste Meilensteine der ökumenischen Entwicklung", sagt Christian Weisner von "Wir sind Kirche" im Rückblick. Weisner war damals einer der Mit-Organisatoren des katholischen Gottesdienstes in der Berliner Getsemanekirche.

Kardinal Reinhard Marx verteidigte sich kürzlich in einem Interview, er würde heute wohl nicht mehr so handeln. Christian Weisner ist das zu wenig: "Es fehlt immer noch das Bekenntnis von Reinhard Marx: 'Ich habe mich damals geirrt, ich bitte Gotthold Hasenhüttl um Entschuldigung und setze mich dafür ein, dass sein Lehrbefugnis-Entzug zurückgenommen wird.'"

Orthodoxe Artoklasia statt gemeinsamem Abendmahl

2010 fand dann der 2. Ökumenische Kirchentag in München statt. Reinhard Marx, inzwischen Erzbischof von München und Freising, war Gastgeberbischof. Ein gemeinsames Abendmahl war Tabuthema. Gotthold Hasenhüttl und der evangelische Pfarrer Eberhard Braun planten trotzdem eine Feier, obwohl ihnen keine Gemeinde einen Raum zur Verfügung stellen wollte. Schließlich feierten sie mit 300 Gläubigen in einem Lehrsaal der Technischen Universität in München. "Ob das erlaubt ist oder nicht: Es ist ein Zeugnis des christlichen Glaubens und wie schon Jesus sagte, nicht der Mensch ist für das Gesetz da, das Gesetz ist für den Menschen da", sagte Gotthold Hasenhüttl damals.

Weil beim 2. Ökumenischen Kirchentag ohnehin der Schwerpunkt auf der Miteinbeziehung der orthodoxen Kirchen lag, griff man auf die orthodoxe Artoklasia zurück, das gemeinsame Brotbrechen. "Wir können in der Nachfolge dessen, was Jesus mit Zöllnern und Sündern gemacht hat, miteinander Brot brechen, miteinander reden, miteinander Bibel lesen, ich glaube, dass es eine wunderbare Sache wird", sagte der damalige evangelische Landesbischof Johannes Friedrich.

Bischof Georg Bätzing: "Jede und jeder ist eingeladen"

Bis Sonntag findet nun der 3. Ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main statt. Gebe es keine Corona-Pandemie, hätte man sich beim gemeinsamen Abendmahl begegnen können, hätte man teilnehmen dürfen. Christian Weisner meint, dass jede Veränderung in der kirchlichen Lehre immer eine lange und hartnäckige Praxis vor Ort vorausging.

"Es ist bezeichnend, dass mittlerweile auch zu diesem Ökumenischen Kirchentag Bischof Bätzing als Vorsitzender der Bischofskonferenz und als Bischof des Bistums, in dem der Kirchentag in Frankfurt jetzt online stattfindet, das Gleiche empfiehlt: Er sagt, wir können zwar noch keine offizielle Einladung aussprechen, aber jede und jeder ist eingeladen, auch am Abendmahl, der Eucharistie der jeweils andere Konfession mitzufeiern, teilzunehmen, wenn er oder sie es mit dem Gewissen vereinbaren kann", sagt Christian Weisner von "Wir sind Kirche". Bätzing mache das, was vor 18 Jahren beim Ökumenischen Kirchentag erstmals praktiziert worden war.

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Mit einem Gottesdienst hat in Frankfurt der dritte Ökumenische Kirchentag begonnen. Wegen Corona konnte der Eröffnungs-Gottesdienst nur mit wenigen Teilnehmern vor Ort gefeiert werden. Das Meiste findet digital statt.

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