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Ökobauern sehen 30-Prozent-Ziel bei Biolandwirtschaft bedroht | BR24

© BR / Arne Wilsdorff

Biolandwirte in Bayern befürchten durch Veränderungen bei der Förderung Nachteile gegenüber der konventionellen Landwirtschaft. Deswegen haben sie sich jetzt in einem Brief an die Ministerin gewandt. Sie sehen auch staatliche Ziele gefährdet.

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Ökobauern sehen 30-Prozent-Ziel bei Biolandwirtschaft bedroht

Biolandwirte in Bayern befürchten durch Veränderungen bei der Förderung Nachteile gegenüber der konventionellen Landwirtschaft. Deswegen haben sie sich jetzt in einem Brief an die Ministerin gewandt. Sie sehen auch staatliche Ziele gefährdet.

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Zwischen dem Landwirtschaftsministerium und den bayerischen Biobauern droht Streit. Durch die geplanten neuen Förderrichtlinien für weniger Düngen oder mehr Blühflächen fühlen sich die 10.000 Ökobauern im Freistaat benachteiligt.

Zudem sehen sie das Ziel in Gefahr, dass bis zum Jahr 2030 knapp ein Drittel der Landwirtschaft ökologisch ist. Ökobauern und Bauernverband haben deshalb gemeinsamen einen Protestbrief an Ministerin Michaela Kaniber geschickt.

Seltene Kooperation von zwei Ökoverbänden

Im Kampf um mehr Öko-Förderungen ziehen die Biobauern aus zwei sonst eher konkurrierenden Verbänden an einem Strang: Hubert Heigl, Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau LVÖ, und Anton Kreitmair, mächtiger oberbayerischer Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes und im BBV Sprecher der Biobauern. Sie kritisieren die neuen Förderrichtlinien im bayerischen Kulturlandschaftsprogramm, kurz Kulap.

Heigl kritisiert, das Signal in die Landwirtshaft sei das völlig falsche. An dieser Stelle, wo es das erste Mal um Zeichensetzung gehe und um Förderung, würden die Signale in die falsche Richtung gesendet. Sein Kollege Kreitmair ergänzt: man höre, dass gewisse Kombinationen nicht mehr möglich sein sollen und das sei ein deutlicher Rückschritt.

Auch herkömmliche Landwirtschaft soll hohe Förderung erhalten

Nach dem Volksbegehren Artenvielfalt und den neuen bayerischen Naturschutzgesetzen soll, nach den Plänen des Landwirtschaftsministeriums, jetzt auch extensives Wirtschaften besonders gefördert werden. Hält etwa ein konventioneller Bauer weniger Tiere und verzichtet auf Spritzmittel, dann kann er künftig jährlich 220 Euro Kulap-Mittel pro Hektar für seine Wiesen bekommen.

Ökobauern fürchten verzerrten Wettbewerb

Ärger gibt es, weil ein zertifizierter Biobauer für seine viel aufwändigere Wirtschaftsweise mit 273 Euro nur unwesentlich mehr Geld bekommen soll. Die Angst der Bauern: Bequeme Biobauern hören womöglich auf und neue fangen gar nicht erst an. Statt 53 Euro Unterschied pro Hektar sollten es für Biobauern-Chef Heigl durch Kombination eher 100 Euro sein.

"Fakt ist, wir wollen nicht mehr Geld wie die Konventionellen, sondern wir bringen eine Leistung, die einfach mehr wert ist in dieser Kombination. Das ist der Knackpunkt. Und das ist komplett im Sinne der Gesellschaft, weil es ja heißt: staatliches Geld für Gemeinwohlleistungen." Hubert Heigl, Vorsitzender der LVO

Auch der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete und aktuelle oberbayerische Bauernpräsident Anton Kreitmair warnt, so sei das Staatziel 30 Prozent Biolandbau nicht zu schaffen.

"Die Gefahr ist sehr groß, dass anerkannte Biobetriebe, wenn sie im Bereich der Extensivierung auch relativ einfach Geld bekommen, sogar mit dem Gedanken spielen, aus dem Biologischen Landbau wieder auszusteigen." Anton Kreitmair, Sprecher Ökolandwirtschaft im BBV

Ministerium will Anliegen der Ökolandwirte prüfen

Das Landwirtschaftsministerium erklärt auf Anfrage des BR: Der Brief der Biobauern werde jetzt geprüft. Man sei zum Wohl der Natur "bestrebt, ein ausgewogenes Paket an Maßnahmen für alle Bewirtschaftungsformen anzubieten". Außerdem gebe es "neben den Zielen zum Ausbau des Ökolandbaus" etwa beim "Artenschutz, dem Wasser- und Bodenschutz und dem Tierwohl" weitere Ziele, für alle gelten "haushaltsrechtliche Begrenzungen".