© BR / Leonie Thim

Bio-Bauer Stephan Kreppold auf seinem Traktor

Bisher profitieren bayerische Bauern - auch Öko-Bauern - stark von der Unterstützung der EU. Laut Bund Naturschutz aber plant die EU-Kommission ab dem Jahr 2021 Kürzungen im Agrarbereich, die vor allem die Biolandwirtschaft betreffen. Der Vorschlag liegt EU-Rat und EU-Parlament vor, im März soll darüber entschieden werden.

Besuch bei einem Biobauern

"Von da haben wir jetzt einen wunderbaren Blick über die gesamte Gewanne, die vor 26 Jahren noch einseitig und ganz als Acker genutzt worden ist." Stephan Kreppold, Biobauer

Stephan Kreppold steht auf einem Acker in der Nähe von Sielenbach in Schwaben und schaut über die weite, in Streifen aufgeteilte Flur - die Gewanne eben. Seit 1982 ist er Biobauer und betreibt seinen Hof Wilpersberg zusammen mit seiner Familie. Auf der Weide steht eine Herde von Deutsch-Angus Rindern, über den Hof laufen vereinzelte Hühner. Hauptsächlich widmet sich Kreppold aber dem Getreideanbau – darunter auch Dinkel.

Den baut er gerade beispielsweise auf einem Feld an, das früher deutlich größer war. Da es aber nach mehrere Seiten geneigt war, wurde bei Starkregen sehr viel Mutter-Boden davongeschwemmt, so Kreppold. Der musste dann mit dem LKW zurückgebracht werden.

EU half den Acker neu aufzuteilen

Also wurde die Fläche Anfang der 90er Jahre umgestaltet – damals schon mit Fördergeldern aus der EU. Aus einem großen Feld wurden viele kleine Flächen mit Obst-Bäumen, Blumenwiesen, Äckern, die sich bergab und bergauf abwechseln – dazwischen wurden Hecken gepflanzt. Die wirken, sagt Kreppold, zum einen als Erosionsschutz, zum anderen auch als Lebensraum für die Tiere und Insekten und als Nahrungsquelle für Singvögel.

Konzept bringt weniger Ertrag

Ein Modell-Konzept, das, landwirtschaftlich gesehen, weniger Ertrag bringt. Denn die Felder werden extensiv genutzt.

Das heißt zum Beispiel, dass die Blumenwiesen nur zweimal im Jahr gemäht werden, anstatt fünf- bis zehnmal. Der Bauer erntet seltener – und verdient damit weniger Geld. Auch das hat bisher die Europäische Union ausgeglichen, mit Geldern aus der Gemeinsamen Agrarpolitik – kurz GAP. Die besteht – sehr vereinfacht - aus zwei Säulen.

Förderung steht auf zwei Säulen

In der ersten Säule gibt es Direktzahlungen an Bauern, egal ob bio oder nicht. Das heißt, pro Hektar bewirtschaftetes Land erhalten sie Geld, wenn sie sich dabei an die Auflagen der EU halten. Es ist eine Art Einkommenssicherung für Landwirte. Bisher erhält Bayern pro Jahr ca. eine Milliarde Euro aus Brüssel, die an die Bauern ausgezahlt werden.

Sorgen machen sich Landwirte wie Stephan Kreppold um die zweite Säule der EU-Agrarpolitik. Da gibt es Förderungen für besonders umweltbewusste Bauern, Kommunen und Verbände, wenn sie zum Beispiel auf Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel verzichten. Die Gelder kommen zum Teil aus der EU, zum Teil werden sie von den Mitgliedsstaaten getragen. Bisher hatte Bayern immer knapp 500 Millionen Euro, die für besonders ökologische Projekte ausgegeben werden konnten.

Kürzungen ab 2021

Genau hier plant die EU-Kommission aber, ab 2021 Gelder zu kürzen. Denn der EU-Haushalt ist angespannt, unter anderem wegen des Brexits. Konkrete Summen sind noch nicht bekannt, aber schon jetzt formiert sich Widerstand von Naturschützern und Bauern.

"Insofern bin ich der Meinung, dass diese Art der Förderung nicht eingekürzt werden darf. Das würde im Gegensatz stehen zu dem, was die EU verkündet, die Kommission nun sagt, wir müssen in Zukunft mehr Mittel bereitstellen, aus diesem gesamten Topf für Klimaschutz, für Artenschutz und für intakte Landschaften. Und das hier ist, meine ich, einfach eine intakte Landschaft." Stephan Kreppold

Auch der Bayerische Bauernverband sieht die drohenden Kürzungen ab 2021 kritisch. Zwar geht der Verband nicht davon aus, dass gleich Milliarden eingespart werden. Trotzdem sei es ein Einschnitt für die Bio-Landwirtschaft, so Markus Peters vom Bayerischen Bauernverband. "Wir wünschen uns natürlich, dass dieses starke Finanzierungskonzept auch in die Zukunft geführt wird und dass das, was weniger Geld aus Brüssel kommt, tatsächlich aus dem bayerischen Haushalt zur Verfügung steht."

Verständnis bei den Bürgern

Heißt: Bayern sollte die Lücke stopfen, die den Bauern entsteht. Stephan Kreppold glaubt, dass die bayerischen Bürger dafür Verständnis hätten. Das sei eine ganz normale Vorgehensweise, dass die Gesellschaft, wenn sie etwas Schönes wolle auch bereit sei, dafür Geld auszugeben.

Erst im März entscheidet die EU-Kommission darüber, ob es wirklich weniger Geld gibt. Wenn ja, wird es eine lebhafte Diskussion darüber geben, ob der Freistaat einspringen soll, für Streu-Obstwiesen, Blühstreifen oder extensive Weidennutzung.

#fragBR24💡 Wie grün wird Bayerns neue Regierung?

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