BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Simon Berninger
Bildrechte: BR/Alexander Krauß

Immer noch fehlen Leitlinien zur Landwirtschaft auf Kirchengrund, denn die Kirchenstelle in Regensburg hält Daten zurück - obwohl die dafür eingerichteten Arbeitsgemeinschaften und ihre Experten von den Bischöfen selbst beauftragt wurden.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Öko-Landbau auf Kirchengrund: Wann gibt es Richtlinien?

Landwirtschaftsflächen in Kirchenbesitz sollen nachhaltiger bewirtschaftet werden - entsprechende Leitlinien hatten die katholischen Bischöfe nach dem Artenschutz-Volksbegehren angekündigt. Doch das Vorhaben droht an internem Widerstand zu scheitern.

Per Mail sharen
Von
  • Simon Berninger
  • Markus Kaiser

Nach dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" vor zwei Jahren wollten die katholischen Bischöfe in Bayern für mehr Nachhaltigkeit bei der Verpachtung und Bewirtschaftung des kirchlichen Ackerlandes sorgen. Im vergangenen August wurden dafür Arbeitsgruppen eingerichtet. In einer sitzt Christine Margraf vom Bund Naturschutz. "Wir haben uns gleich Gedanken gemacht, was die Kirche alles auf ihren eigenen Flächen für die biologische Vielfalt machen könnte", erinnert sich Markgraf.

Doch dann kam die Ernüchterung. "Uns wurde eröffnet, dass die Stelle, die diese Liegenschaften verwaltet, ihre Daten nicht rausgibt." Also Informationen darüber, welche Flächen der Kirche gehören und wie sie bewirtschaftet werden. "Ohne so einen Überblick ist es natürlich schwer, konkrete Empfehlungen zu geben."

Kirchenstelle hält Daten zurück

Acker sei schließlich nicht gleich Acker, sagt Christine Margraf. Und Kirche ist offenbar nicht gleich Kirche. Die zuständige Kirchenstelle in Regensburg, die im Auftrag der Bischöfe die Ländereien zentral verpachtet, hält entscheidende Daten zurück, obwohl auch die Arbeitsgemeinschaften und ihre Experten von den Bischöfen selbst beauftragt wurden.

Auf BR-Anfrage verweist die zuständige Stelle in Regensburg nur auf einen Muster-Pachtvertrag, "der im Wesentlichen für alle von uns verpachteten landwirtschaftlichen Grundstücke gilt", heißt es. Darin werden Pächtern lediglich Verklappung von Klärschlamm und Gen-Anbau verboten. Auch kirchliche Umwelt-Beauftragte wissen kaum mehr.

"Ansonsten wird auf die gute fachliche Praxis verwiesen", sagt Mattias Kiefer, Sprecher der Umweltbeauftragten aller sieben bayerischen Bistümer. "Darunter lässt sich viel packen. Es gibt ein Kriterien-Set für die Verpachtung, das haben mir die Kollegen in Regensburg immer wieder bestätigt. Teil desselben ist auch die ökologische Nachhaltigkeit, aber die Kriterien-Matrix ist nicht öffentlich."

Kirchliche Einnahmen nicht einsehbar

Genauso wenig ist öffentlich, wie viel die Bistümer durch die Verpachtungen einnehmen. Die Pachteinnahmen fließen in die jeweiligen Bistumshaushalte. Und den Finanzdirektoren der Bistümer ist die Regensburger Stelle auch einzig auskunftspflichtig. Laut einer internen Mail an die AG-Mitglieder, die dem BR vorliegt, sind diese Finanzdirektoren nicht daran interessiert, dass die Regensburger Stelle die Daten zu Pacht und Grundstücken vorlegt.

Das Katholische Büro, Koordinierungsstelle der bayerischen Bischöfe, verweist auf datenschutzrechtliche Fragen, die für die Veröffentlichung des Flächenstandes noch zu klären seien. Für die Preisgabe der bisherigen Vergabekriterien brauche es den expliziten Auftrag der Bischöfe - jener obersten Kirchenherren also, die auch Christine Margraf berufen haben und die eigentlich mehr Nachhaltigkeit für die Bewirtschaftung kirchlicher Flächen anstoßen wollen.

Bremsen Bischöfe eigenes Nachhaltigkeitsprojekt aus?

"Es ist frustrierend und für mich absolut nicht nachvollziehbar", sagt Christine Margraf vom Bund Naturschutz. "Wenn die zuständige Stelle die Daten nicht auf den Tisch legt, müssen wir die Frage stellen, ob das Projekt als solches so überhaupt Sinn hat." Wenn die Kirche es nicht schafft, die Biodiversität auf ihren eigenen Flächen zu verbessern, würde das ein desaströses Bild abgeben.

Nach der Frühjahrsvollversammlung der Freisinger Bischofskonferenz am 10. März 2021 haben sich die Bayerischen Bischöfe zum Thema "Ökolandbau und Artenschutz" geäußert. "Angesichts einer Vielzahl unterschiedlicher kirchlicher Träger mit unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen ist die Datenerhebung für ein zielgenaues Nachhalten einer ökologischen Ausrichtung erschwert", heißt es in ihrer Erklärung.

Drei Beauftragte sollen zusammen mit der Arbeitsgruppe erörtern, "wie datenschutz- und eigentumsrechtliche Belange mit dem Ziel einer nachhaltigen ökologischen Bewirtschaftung in Einklang gebracht werden können." Bei der nächsten Vollversammlung im Herbst wollen die Bischöfe das Thema dann weiter besprechen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!