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Ob am Eibsee oder woanders im Freistaat. Ab dem 21. Mai können Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze bei einer Inzidenz unter 100 öffnen.

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    Öffnungsperspektive: Bayerns Tourismusorte werden "überrannt"

    Kaum hat die Staatsregierung die Möglichkeit für Pfingsturlaub in Bayern angekündigt, stehen die Telefone in Tourismusregionen kaum noch still. Gerade bei Ferienwohnungen kann die Suche nach freien Betten im Freistaat aber schwierig werden.

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    Von
    • Caroline von Eichhorn
    • Ludwig Knoll
    • Susanne Pfaller

    "Deutlich mehr Anrufe und Anfragen" hat die Allgäu GmbH in beliebten Ferienorten wie Füssen und Oberstdorf registriert. Bad Hindelang im Landkreis Oberallgäu ist gestern nach eigener Aussage von Nachfragen "überrannt" worden. Auch der Tourismusverband Ostbayern berichtet von gestiegenem Interesse. Nachdem Ministerpräsident Söder am Dienstag Urlaub in Bayern als demnächst möglich erklärt hat, versuchen offenbar viele Menschen sich schnell einen Platz in den beliebten Urlaubsregionen zu sichern.

    Ab dem 21. Mai, rechtzeitig zu den Pfingstferien, sollen in Regionen mit niedrigen Corona-Zahlen Übernachtungen in Hotels, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen wieder möglich sein.

    Ausgebuchte Ferienwohnungen

    Gerade bei Ferienwohnungen kann die Suche nach freien Betten in Bayern aber schwierig werden. Die seien in der Regel schon ausgebucht, sagt der Präsident des Verbands der Eigentümer von Ferienwohnungen und Ferienhäusern, Daniel Rousta. Oft sei schon im vergangenen Jahr fürs Folgejahr reserviert worden. Bisher habe man das stornieren müssen. Dementsprechend groß sei jetzt die Freude über die Öffnungsperspektive. Auch die Sprecherin der Allgäu GmbH, Simone Zehnpfennig, sprach von einer "richtig gelösten Stimmung" bei touristischen Betrieben.

    Bei Robert Stolze, Hotelier des Bayerischen Hofs in Lindau, überwiegen die positiven Gefühle ebenfalls. "Was mich freut, ist, dass wir endlich Normalität zurückbekommen". Allerdings kritisiert er die weiterhin strengen Auflagen als schwer umsetzbar. "Mich ärgert, dass die Regelungen zum Teil lebensfern und unrealistisch sind."

    Oberbayern: Verhaltene Reaktionen auf geplante Öffnungen

    Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen fallen die Reaktionen auf Öffnungen für den Fremdenverkehr dagegen verhalten aus. Einen Boom auf Hotels oder Ferienwohnungen gebe es nicht, sagt die Sprecherin der GaPa-Tourismus - jedoch stiegen die Voranfragen. Der Ortsvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Garmisch-Partenkirchen, Daniel Schimmer, sagte dem BR, die Öffnungen wären längst überfällig, allerdings seien die Rahmenbedingungen inakzeptabel.

    Sie würden erst in der kommenden Woche die Kriterien und die Details der behördlichen Vorgaben erfahren. Das sei viel zu spät, sagt der Geschäftsführer eines Hotels. Bei einigen tausend Touristen weltweit, die er an Pfingsten erwartet, gäbe es nicht genügend Testkapazitäten, sollte das regelmäßige Testen vor Ort eine Bedingung sein.

    Für die Hotellerie bleibt weiterhin die Unsicherheit, wann sie mit dem Einkauf für einen regulären Betrieb beginnen könnten. Die Inzidenzzahl von 100 sei für ausländische Gäste nicht umsetzbar, sollte sich die Zahl während ihres Aufenthaltes erhöhen. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegt seit einigen Tagen knapp unter 100.

    Ebenso verzeichnet man in Murnau eine steigende Nachfrage nach Prospektmaterial für Hotels und Ferienwohnungen. Auch hier erwarten die Gästebetriebe einen Run an Pfingsten, allerdings stehe hier ebenso das Thema Impfen für die Mitarbeiter nicht im Vordergrund. Was sich niemand vorstellen kann, wäre eine Impfpflicht für das Personal im Tourismus.

    Viele Detailfragen noch offen

    Auch im Naturpark Altmühltal im Norden Oberbayerns und im Süden Frankens steigen die Anfragen. Allerdings konnte Geschäftsführer Christoph Würflein am Mittwochvormittag gegenüber dem BR noch keine konkreten Zahlen nennen. Es werde "stetig mehr", steige aber "nicht exponentiell".

    Prinzipiell freue man sich im Naturpark über die Erleichterungen, aber viele Detailfragen seien noch offen, gibt Geschäftsführer Würflein zu bedenken: "Wir haben aber nur die Ankündigung der bayerischen Staatsregierung, aber eben noch keine Ausführungsbestimmungen, das heißt die konkrete Umsetzung ist noch unklar."

    Sorgen bereitet auch der Blick auf die Testpflicht bei Inzidenzen zwischen 50 und 100. Laut Würflein haben viele Hotels mit Gastronomie zudem Fragen zur Außengastronomie: "Was sollen sie tun bei Regen? Da sehen die Gastro-Besucher, dass die Übernachtungsgäste in den Innenräumen sitzen dürfen, aber sie wohl eben nicht."

    Forderung nach weiteren Lockerungen

    Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) fordert indes eine Perspektive für weitere Lockerungen. "Wichtig ist für uns, dass das immer wieder nachkontrolliert wird. Können wir nicht weiter lockern?", sagte Präsidentin Angela Inselkammer im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

    Über die angekündigten Lockerungen habe sie sich sehr gefreut. "Das war wirklich wie eine Befreiung, dass es wieder eine Perspektive gibt." Der derzeitige Stand dürfe aber nicht das Ende sein, so Inselkammer. Mit einem Personalmangel in Gaststätten und Hotels rechne sie nicht. "Die meisten Mitarbeiter warten darauf, dass endlich wieder was geht, die freuen sich auch darauf. Es sind erst einmal nur die Außenbereiche geöffnet, wir brauchen ja noch nicht alle."

    Keine Sorge um die Buchungslage

    Inselkammer rechnet insbesondere in den Pfingstferien mit einer guten Auslastung der bayerischen Hotels und Gaststätten. "Ich glaube, dass es eine solche Freude ist, endlich mal wieder rauszukommen, dass ich mir keine großen Sorgen um die Buchungslage mache."

    In Bayern dürfen Hotels und Campingplätze mit Beginn der Pfingstferien am 21. Mail wieder öffnen. Ebenso die Außengastronomie. Voraussetzung dafür ist aber, dass die 7-Tage-Inzidenz in der Region über einen Zeitraum von einer Woche unter 100 liegt.

    Ministerien erarbeiten Details

    Die konkreten Auflagen für inzidenzabhängige Öffnungen wie Testpflichten und Hygienekonzepte sollen bis zur kommenden Woche von den Ministerien erarbeitet werden.

    Öffnungsmöglichkeiten soll es unter diesen Bedingungen auch für "spezielle touristische Infrastrukturen" geben. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nannte am Dienstag als denkbare Beispiele "Freizeiteinrichtungen von der Seilbahn bis zum Reisebus".

    Knackpunkt sind die Corona-Zahlen

    Ein Kernpunkt ist aber auch: Sollten die Corona-Zahlen regional steigen, müssten die Öffnungen wieder zurückgenommen werden. Um eine stabile Inzidenz von unter 100 zu erreichen, kündigte die Allgäu GmbH daher noch am selben Tag eine Kampagne unter dem Titel "Unter 100 geht es nur gemeinsam" an. Dafür wolle man Kommunen, Betriebe und Zulieferer mit ins Boot holen, sagte Sprecherin Zehnpfennig.

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