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Öffnung nach dem Lockdown: Aufatmen in der grünen Branche | BR24

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Die Durststrecke hat ein Ende: Ab 1. März dürfen Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden in Bayern wieder öffnen! Auch Anna-Lena Wiedow aus Gößweinstein atmet auf.

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Öffnung nach dem Lockdown: Aufatmen in der grünen Branche

Ende einer Durststrecke: Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden dürfen in Bayern wieder öffnen. Auch die Betriebe in Franken atmen auf – mussten sie doch schon im ersten Lockdown viele Frühjahrsblüher wegwerfen.

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Von
  • Christina Haas

Die Durststrecke hat ein Ende. Rund 2.500 bayerische Gärtnereien und etwa 1.200 Blumenläden haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Sie bereiten sich auf die Wiedereröffnung nach dem Lockdown vor. Am Montag, den 1. März, ist es endlich soweit: Die Kunden dürfen wiederkommen.

Mit Abstand bester Wochenstart

Gärtner-und Floristmeisterin Anna-Lena Wiedow aus Gößweinstein im Landkreis Bayreuth sind die Vorfreude aber auch der Dauerstress anzusehen. Um bis Montag alle Frühlingsblüher in den Verkauf zu bringen, arbeitet die 30-Jährige gefühlt doppelt so schnell als sonst. "Wir freuen uns natürlich, dass die Kunden wieder in die Gärtnereien reindürfen und wir richtig loslegen dürfen", sagt Anna-Lena Wiedow.

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Rosenprimeln.

Seit Januar war der Verkauf nur über das Click & Collect-Verfahren möglich. Gerade in Trauerfällen fehlte dadurch der persönliche und oft tröstende Kontakt zu den Kunden. Eine bepflanzte Schale oder einen Kranz zu bestellen, sei über das Telefon viel schwieriger als sonst. Anna-Lena Wiedow und viele andere Gärtnerinnen und Gärtner freuen sich, dass die Kunden bald wieder vor Ort, mit allen Sinnen, aus der Blumenvielfalt wählen dürfen. Ältere Kunden bestellten sowieso selten online.

Schwierige Zeiten für die Familiengärtnerei

1946 gründete Anna-Lenas Wiedows Urgroßvater die Gärtnerei in Gößweinstein. Seit Januar herrschte dort Kurzarbeit und 80 Prozent weniger Umsatz als sonst wurde generiert. Wiedows Großmutter kann sich nicht erinnern, dass die Geschäfte in der Geschichte der Familiengärtnerei schon mal so schwierig gingen. Auch der Vater packt tagtäglich mit an, dazu neun Angestellte und vier Auszubildende. Zuvor starteten Anna-Lena Wiedow und der ortsansässige Kollege David Schrüfer einen Hilferuf. 13 Gärtnereien und Blumenläden aus der Fränkischen Schweiz beteiligten sich.

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Gärtner-und Floristmeisterin Anna-Lena Wiedow bei der Arbeit.

"Irgendwann kam auch ein bisschen Wut auf. In den Discountern werden Blumen verkauft und wir stehen da mit unseren selbstproduzierten Pflanzen und dürfen sie nicht verkaufen. Und das macht einen natürlich sehr traurig!" Anna-Lena Wiedow, Gärtner- und Floristmeisterin
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Vergissmeinnicht.

Beliebt: kleinblütige Stiefmütterchen

Gartenbautechniker Hans Hartmann aus dem unterfränkischen Düllstadt verkauft mittlerweile die kleinblütigen Stiefmütterchen besser als die mit der großen Blüte. An den Standorten Düllstadt und Rain am Lech produziert die Firma Hartmann jährlich rund zehn Millionen Topfpflanzen für den Blumengroßhandel in Deutschland und den benachbarten Ländern.

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Neu angeschaffte Maschine in der Gärtnerei.

Geschäftsführer Hans Hartmann investierte 2018 acht Millionen Euro in den neuen Betrieb. Im vergangenen Jahr hat der Lockdown die Firma schwer getroffen. Hartmann musste tausende Pflanzen wegwerfen und machte enorme Verluste. Er hofft, dass es mit den dreiviertel Millionen Stiefmütterchen in diesem Jahr besser läuft. "Sie sehen, die Pflanzen sind soweit, die warten auch darauf losgelassen zu werden", sagt Hartmann.

Ein Pokerspiel mit Blumen

Schwierig sei es im Lockdown gewesen, nicht zu wissen, wann es endlich wieder losgehe in der grünen Branche. Bis dahin war es für Hartmann und viele andere Kollegen ein Pokerspiel. Lange Zeit hat der Gartenbautechniker versucht, das Wachstum der Pflanzen zurückzuhalten. Jetzt spielt ihm das sonnige Wetter in die Karten. Größe, Form und Farbe entsprechen den Lieferbedingungen. Für die ersten 50 Tausend Stiefmütterchen geht es auf den Weg ins Gartencenter.

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Hans Hartmann, Gartenbautechniker

"Gärtner sind denke ich optimistische Menschen, die leben mit der Natur, da geht es immer irgendwie weiter und heuer hoffen wir, dass wir das gut handeln können." Hans Hartmann, Gartenbautechniker

Nach einer Befragung des Bayerischen Gärtnerei-Verbands leiden circa ein Drittel der Unternehmen momentan unter extremen Liquiditätsproblemen, circa ein weiteres Drittel sieht sich aktuell von Insolvenz bedroht.

Anna-Lena Wiedow aus Oberfranken und Hans Hartmann aus Unterfranken freuen sich auf den mit Abstand wohl besten Wochenstart seit Langem.

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Rosenprimel

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