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Oberstaufen feiert traditionellen Fasnatziestag trotz Corona | BR24

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Ein Bild aus den vergangenen Jahren: Streng ritualisiertes Brauchtumsfest in Oberstaufen, das angeführt vom Butz im alemannischen Narrenkostüm, jung und alt gemeinsam begehen.

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Oberstaufen feiert traditionellen Fasnatziestag trotz Corona

In Oberstaufen wird am Faschingsdienstag der traditionelle Fasnatziestag gefeiert. Wegen der Corona-Pandemie allerdings feiert der Ort nur in sehr abgespeckter Form. Trotzdem wollen die Staufner an der Tradition aus der Pestzeit festhalten.

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Von
  • Katharina Reichart

Es wird diesmal ein eher stiller und schlichter Fasnatziestag in Oberstaufen im Oberallgäu. Die Mitwirkenden werden lediglich die Fahne schwingen und den Prolog verlesen. "Das gehört einfach dazu und wurde sogar in den Kriegszeiten gemacht", sagte Fähnrich Kilian Kuhn Kink dem Bayerischen Rundfunk.

Auch die Corona-Pandemie sei kein Hinderungsgrund. Mit der Pest, die Grund für den Fasnatziestag ist und allein im Markt Staufen 700 Tote gefordert hat, möchte er Corona allerdings nicht vergleichen und auch nicht in Verbindung bringen. "Unser Antrieb ist das Brauchtum", erklärt Kilian Kuhn Kink.

Der Umzug ist gestrichen

Fest und Umzug fallen aufgrund der Corona-Pandemie aber aus. Es werden sich nur der Fähnrich, der Vizefähnrich sowie der Butz am Kirchplatz einfinden. Kink bittet auch darum, dass keine Schaulustigen zum Kirchplatz kommen, damit die Coronaregeln eingehalten werden können. Aus diesem Grund wird auch die genaue Uhrzeit des Gedenkaktes nicht publik gemacht. Es soll ab 10 Uhr auf der Facebook-Seite der Fahnensektion Oberstaufen allerdings einen Videostream zum Staufner Fasnatziestag geben.

Gedenken an die Pesttoten vor fast 400 Jahren

Beim Fasnatziestag wird der Pesttoten im Jahr 1635 gedacht. Eingeschleppt durch kaiserliche Soldaten starben in jenem Jahr allein 350 Kinder und 356 Erwachsene an der Seuche. Um der Trostlosigkeit und Trauer ein Ende zu bereiten, zogen damals ledige Burschen auf Geheiß von Graf Hugo von Königsegg, Regent der Herrschaft Staufen, mit ihrer Bürgerfahne und begleitet von Trommlern durch die Straßen.

Butz reinigt symbolisch die Ortsbewohner von der Pest

Der Graf ordnete zudem an, dass die Fahne auch künftig immer am Faschingsdienstag durch den Markt getragen werden solle und der Tag in froher Gemeinschaft zu feiern sei. Neben dem Fähnrich ist der "Butz" im bunten Gewand die historische Figur des Tages. Besenschwingend eilt er den Festteilnehmern entgegen und "kehrt" sie, um sie symbolisch von der Pest zu reinigen. Beim Gebetläuten fällt er dann wie tot um und erinnert so an das große Sterben von 1635.

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