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Oberpfälzer Mode-Unternehmer sponsert Schiff für Seenotrettung | BR24

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2018 hat der Landsberger Kapitän Claus-Peter Reisch für Aufsehen gesorgt: Er hatte 230 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet und war später dafür verurteilt. Jetzt ist der Kapitän wieder unterwegs - gesponsert von einem Oberpfälzer Jungunternehmer.

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Oberpfälzer Mode-Unternehmer sponsert Schiff für Seenotrettung

2018 hat der Landsberger Kapitän Claus-Peter Reisch für Aufsehen gesorgt: Er hatte 230 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet und wurde später dafür verurteilt. Jetzt ist der Kapitän wieder unterwegs - gesponsert von einem Oberpfälzer Jungunternehmer.

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Die Mission von Benjamin Hartmann war bis zuletzt streng geheim: Der 31-Jährige hat der Dresdner NGO "Mission Lifeline" ein neues Rettungsschiff besorgt. Aus Angst, dass etwa spanische oder italienischen Behörden das Schiff nicht zum Tanken anlegen lassen könnten oder es gar konfiszieren, durfte kaum jemand davon erfahren. Jetzt konnte der Bayerische Rundfunk mit Benjamin Hartmann sprechen.

Hartmann ist 31 Jahre alt und Gründer des Modelabels "Human Blood". Der Oberpfälzer Jungunternehmer stammt aus Freudenberg bei Amberg und wohnt inzwischen in Barcelona. Von dort aus ist das neue Rettungsschiff mit dem Namen "Eleonore" jetzt auch in See gestochen. Die "Eleonore" ist eigentlich ein altes Fischerboot, Baujahr 1968. Gekauft hatte Hartmann das zwanzig Meter lange Boot schon im Mai, um es dann für die Seenotrettung umbauen zu lassen.

"Es muss eine Satellitenanlage rein, es muss ein Bordkrankenhaus rein. Es muss umgerüstet werden, damit man mehr Menschen transportieren kann. Die Kojen für die Crew müssen hergerichtet werden. Also da war schon noch einiges an Arbeit zu machen." Benjamin Hartmann, Gründer Modelabel "Human Blood"

Wieviel Anschaffung und Umbau gekostet haben, will Hartmann nicht sagen. Er spricht von einem sechsstelligen Betrag, der sich aus Spendengeldern der NGO "Mission Lifeline" und Geldern von Hartmanns Modelabel zusammensetzt. Die "Eleonore" soll im Ernstfall bis zu 100 Menschen aus Seenot aufnehmen können.

Inzwischen ist die "Eleonore" mit dem Landsberger Kapitän Claus-Peter Reisch an Bord vor der Küste Lybiens angekommen und bereit zur Seenotrettung. Reisch war nach einer Rettungsaktion im Juni letzten Jahres zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden, das alte Rettungsschiff seiner NGO "Mission Lifeline" liegt seitdem beschlagnahmt in einem Hafen auf Malta. Gestern twitterte Reisch, dass sie ein kaputtes Schlauchboot auf offener See entdeckt hätten. "Wer weiß, was hier passiert ist, womöglich ein Drama. Es sind auch ohne Anwesenheit von NGOs Menschen auf dem Meer und Boote unterwegs."

Sponsor glaubt nicht an "Pull-Faktor"

Das glaubt auch Benjamin Hartmann. Von der Theorie des "Pull-Faktors", also der Annahme, dass Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer Flüchtlinge erst animieren würden, die gefährliche Überfahrt zu wagen, hält er nichts.

"Das ist so nicht richtig. Wenn man jetzt sagt, ok, wenn man keine Seenotretter mehr hat, dann fahren die Menschen nicht auf die See, um nach Europa zu kommen, das ist das gleiche, wie wenn man sagt, wir brauchen auch keine Feuerwehr mehr, dann brennt es auch nicht mehr. Man kann die Menschen nicht einfach im Meer ertrinken lassen, das geht nicht." Benjamin Hartmann, Gründer Modelabel "Human Blood"

Kommt Mission "Sophia" zurück?

Jetzt hofft Benjamin Hartmann, dass die "Eleonore" auf ihren Seenot-Einsätzen nicht von europäischen Ländern wie Italien oder Malta blockiert wird. Die Regierungskrise in Italien könnte dazu beitragen, dass wieder mehr Boote in italienischen Häfen anlegen dürfen, glaubt er. Hartmann würde es begrüßen, wenn Europa seine Seenot-Rettungsmission "Sophia" wieder aufnimmt, so, wie es Bundeskanzlerin Merkel zuletzt angeregt hatte. Solange das nicht der Fall ist, schwingt bei den privaten Rettern die Angst mit.

"Man muss natürlich damit leben, dass das Boot beschlagnahmt werden könnte. Deshalb wird es langsam Zeit, dass Europa seine Werte vertritt und einfach selber was macht. Aber die Gefahr ist natürlich da." Benjamin Hartmann, Gründer Modelabel "Human Blood"