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Oberfränkischer Bürgermeisterkandidat kopiert Rede eines Anderen | BR24

© picture alliance/imageBROKER/Christian Ohde

Oberfränkischer Bürgermeisterkandidat kopiert Rede eines Anderen

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    Oberfränkischer Bürgermeisterkandidat kopiert Rede eines Anderen

    Ein Bürgermeisterkandidat aus Rugendorf (Lkr. Kulmbach) hat die Bewerbungsrede eines Bürgermeisters aus Nordrhein-Westfalen abgekupfert und als seine eigene ausgegeben. Nun steht Matthias Keller bei Bürgern und Medien in der Kritik.

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    Aufreger im oberfränkischen Landkreis Kulmbach: Matthias Keller ist Bürgermeisterkandidat der Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜWG). Weil er Teile einer Rede eines anderen Bürgermeisters aus Nordrhein-Westfalen abgekupfert hat, kommt Kritik auf.

    Keller begründet das Plagiieren

    Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk äußerte sich Matthias Keller jetzt zu den Plagiatsvorwürfen. "Ja, ich habe Abschnitte der Rede in meine eigene Bewerbungsrede um das Amt des Bürgermeisters eingebaut und auf Rugendorf umgemünzt", so der 45-Jährige. Es sei üblich, sich von vorhandenen Reden inspirieren zu lassen und sich etwas herauszusuchen, was zum eigenen Anliegen passe. Im Fall seiner Rede, die er Ende Dezember 2019 auf der Nominierungsversammlung der Überparteilichen Wählergemeinschaft gehalten hatte, war das zum Beispiel eine Passage über einen modernen Dirigenten.

    "Der Vergleich hat mir gut gefallen"

    Darin heißt es unter anderem, der Bürgermeister solle ein Dirigent sein, der moderiere und motiviere und gemeinsam mit den Menschen die Stadt gestalte. "Dieser Vergleich hat mir sehr gut gefallen", sagte Keller dem BR. Aus wessen Feder die Worte ursprünglich stammten, habe er nicht gewusst. Der Verfasser der Rede war der Bürgermeister der Stadt Dorsten in Nordrhein-Westfalen, Tobias Stockhoff (CDU). Er hatte sie im Jahr 2014 gehalten, als sich der CDU-Politiker - erfolgreich - um das Amt des Bürgermeisters bewarb.

    Rede zu kopieren sei "dreist"

    Dass ein Politiker aus Bayern sich aus seiner Rede bedient habe, bezeichnete Stockhoff als "dreist", er fühle sich aber auch geschmeichelt, ließ er über den Pressesprecher der Stadt Dorsten mitteilen. Dieser bestätigte zudem, dass Stockhoff ein passionierter Redenschreiber sei, der alle seine Reden selbst verfasse. Die Kulmbacher Zeitung "Frankenpost" hatte als erste über die auffälligen Ähnlichkeiten der Rede Matthias Kellers mit der von Tobias Stockhoff geschrieben. Letztere steht im kompletten Wortlaut auf der Internetseite der Zeitung "Stadtspiegel" aus Dorsten.

    Kasten Bier als Entschuldigung

    Der Rugendorfer Bürgermeisterkandidat Matthias Keller von der ÜWG hofft, dass sich die Wogen um seine Bewerbungsrede bald glätten. "Ich möchte mich auf Rugendorf konzentrieren", betonte er am BR-Telefon und versprach, als Dankeschön für die Redevorlage und ein wenig als Entschuldigung einen Kasten Kulmbacher Bier ins Rathaus nach Dorsten zu schicken. Die 1.000-Einwohner-Gemeinde Rugendorf im Landkreis Kulmbach sucht am 15. März einen Nachfolger für Bürgermeister Ralf Holzmann (Pro Rugendorf). Matthias Keller tritt gegen Gerhard Theuer von der Liste Pro Rugendorf an.