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Oberbürgermeisterwahl 2020: Wer macht das Rennen in Würzburg? | BR24

© Montage: BR

Die sechs Kandidaten bei der Würzburger Oberbürgermeisterwahl 2020

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    Oberbürgermeisterwahl 2020: Wer macht das Rennen in Würzburg?

    Zwei Frauen, vier Männer - und ein OB-Posten. In Würzburg wollen sechs Kandidaten auf den Chefsessel im Rathaus. So unterschiedlich ihre politische Herkunft und Erfahrung ist, die vordringlichen Themen sind für alle gleich: Klima, Wohnen und Verkehr.

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    Bekommt Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) das Mandat für eine zweite Amtszeit? Oder schafft es einer der fünf Herausforderer, in der Stadt mit knapp 130.000 Einwohnern einen Wechsel herbeizuführen? Das ist die Würzburger Ausgangslage bei der Kommunalwahl am 15. März 2020. Rund 100.000 Wahlberechtigte sind aufgerufen, neben dem Posten des Oberbürgermeisters auch die Verteilung der 50 Sitze im Stadtrat für die nächsten sechs Jahre zu bestimmen.

    Sechs OB-Kandidaten stehen für breites Spektrum

    Über eine mangelnde Auswahl bei der OB-Wahl kann sich das Würzburger Wahlvolk nicht beklagen. Das politische Spektrum der sechs Kandidaten reicht von links bis konservativ. Und auch was die Erfahrung und den Würzburger "Stallgeruch" betrifft, ist die Bandbreite groß: vom Seiteneinsteiger ohne politische Erfahrung bis zum erfahrenen Kommunalpolitiker ist alles dabei. Manche Kandidaten sind seit langem bekannte Gesichter in der Stadt. Andere stehen eher dafür, Erfahrungen und einen Blick "von außen" ins Würzburger Rathaus einbringen zu wollen.

    Klima, Wohnen und Verkehr als Kernthemen

    Was sind die Themen, die Würzburg beschäftigen und den Ausgang der Kommunalwahl besonders beeinflussen könnten? Auch im bisherigen Wahlkampf der Kandidaten, mit einer Vielzahl an Auftritten und öffentlichen Diskussionsrunden, hat sich gezeigt: Die Herausforderungen und großen Fragen in Würzburg betreffen vor allem die Bereiche Klima, Wohnen und Verkehr - drei Themen also, die eng miteinander verbunden sind.

    Würzburg - ein "Hot-Spot" des Klimawandels

    Da ist zum einen das Klima. Wissenschaftler weisen nicht erst seit den vergangenen Sommern darauf hin, dass Würzburg ein "Hot-Spot" des Klimawandels ist. Wegen der Kessellage ächzt die Innenstadt im Sommer unter Hitze und stehender Luft. Außerhalb des Ringparks, der die Innenstadt als Grüngürtel umschließt, hat Würzburg nur wenige öffentliche Frei- und Grünflächen. Die Kessellage beeinflusst auch die Stadtentwicklung im Hinblick auf Wohnraum. Freiflächen für neue Baugebiete sind begrenzt und dienen oft als wichtige Frischluftschneisen für die Innenstadt.

    Wohnungsnot und Verkehrsstaus

    Zugleich ist der Wohnungsmarkt in Würzburg angespannt, die Mietpreise steigen stetig. Studenten, Geringverdiener oder Rentner können sich Wohnen in der Stadt oft nicht mehr leisten. Viele weichen deshalb aufs Würzburger Umland aus - und so pendeln jeden Tag etwa 60.000 Menschen vom Landkreis Würzburg zu ihren Arbeitsplätzen in die Stadt. Mit entsprechenden Folgen: Verkehrsstaus und Parkplatzfrust sowie steigenden Lärm- und Schadstoffbelastungen.

    Jede Menge Aufgaben also für den künftigen Würzburger Oberbürgermeister. Und das sind die sechs Kandidaten, die sich am 15. März 2020 zur Wahl stellen:

    Christian Schuchardt (CDU)

    © Katrin Heyer/privat

    Würzburgs amtierender Oberbürgermeister Christian Schuchardt

    Amtsinhaber Christian Schuchardt ist der Kandidat von CSU, FDP und Bürgerforum. Der 51-jährige Hesse mit CDU-Parteibuch kam 2007 zunächst als Kämmerer zur Stadt Würzburg. 2014 setzte sich der Finanzfachmann dann in der Stichwahl mit 55,7 Prozent gegen Muchtar Al Ghusain durch, den damaligen OB-Kandidaten von SPD und Grünen. Seinen Wahlkampf 2020 hat Schuchardt unter das Motto "Einfach machen" gestellt und verweist darauf, in seiner Amtszeit "den Stillstand" beendet zu haben. So seien in den vergangenen Jahren bereits "viele tolle Angebote" etwa im Bereich der Mobilität entwickelt worden, die es nun auszubauen gelte. Als Herausforderungen sieht er auch Themen wie Altersarmut oder die Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung.

    Die Würzburger OB-Kandidaten im BR-Videoverhör „kurz gesagt“: Das Video mit Christian Schuchardt sehen Sie hier.

    Kerstin Westphal (SPD)

    © Kathrin Königl/SPD Würzburg

    Kerstin Westphal, Würzburger OB-Kandidatin der SPD

    Die 1962 in Hamburg geborene SPD-Kandidatin Kerstin Westphal ist in der Würzburger Lokalpolitik bisher kaum in Erscheinung getreten. Die gelernte Erzieherin wohnte in den 1980er und 90er Jahren in der Nähe von Würzburg, bevor sie 1996 nach Schweinfurt ging und dort bis 2008 SPD-Stadträtin war. Von 2009 bis 2019 saß sie für die SPD im Europäischen Parlament mit Schwerpunkten wie Demografie und regionale Förderpolitik. Als mögliche Oberbürgermeisterin will Westphal Erfahrungen aus ihrer bisherigen politischen Arbeit in die Kommunalpolitik einbringen. Als Ziele gibt die 57-Jährige unter anderem an, Würzburg bis 2040 klimaneutral zu machen und bis dahin 5.000 neue Wohnungen zu bauen, auch durch Nachverdichtung.

    Die Würzburger OB-Kandidaten im BR-Videoverhör „kurz gesagt“: Das Video mit Kerstin Westphal sehen Sie hier.

    Dagmar Dewald (ÖDP)

    © Hans von Besser/Dagmar Dewald

    Dagmar Dewald, Würzburger OB-Kandidatin der ÖDP

    Die gebürtige Schweinfurterin Dagmar Dewald hat sich bisher vor allem als Sprecherin von Bürgerinitiativen in Würzburg einen Namen gemacht. Die ÖDP-Kandidatin versuchte beispielsweise, den Neubau der Fachhochschule am Würzburger Alandsgrund zu verhindern und sie war maßgeblich an einem Bürgerentscheid beteiligt, der 2017 die dauerhafte Begrünung des Kardinal-Faulhaber-Platzes gegenüber des Theaters erbrachte. Die 54-Jährige findet Amtsinhaber Christian Schuchardt zwar "freundlich", zugleich aber auch "viel zu zögerlich", etwa bei Maßnahmen für eine Verkehrswende oder mehr Klimaschutz. Um den ÖPNV voranzubringen, will sie die Straßenbahn ausbauen und enger takten sowie Fahrradfahrern und Fußgängern mehr Platz einräumen.

    Die Würzburger OB-Kandidaten im BR-Videoverhör „kurz gesagt“: Das Video mit Dagmar Dewald sehen Sie hier.

    Martin Heilig (Bündnis 90/Die Grünen)

    © Thomas Berberich

    Martin Heilig, Würzburger OB-Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen

    Der 1975 in Würzburg geborene Grünen-Kandidat Martin Heilig gilt vielen als schärfster Konkurrent von Amtsinhaber Christian Schuchardt. Der Vater von fünf Söhnen hat zwar keine Erfahrung als Würzburger Stadtrat vorzuweisen, ist aber seit mehr als 25 Jahren für die Grünen aktiv. Und er hat Wahlkampf-Erfahrung: 2008 bewarb er sich für die Grünen im Landkreis Würzburg um einen Sitz im Landtag, 2013 und 2017 kandidierte er als Direktkandidat für den Bundestag. 2017 kam er dabei in Würzburg auf 18,3 Prozent der Stimmen. Heilig wohnt in Höchberg und arbeitet als Handelslehrer an der Fach- und Berufsoberschule Marktheidenfeld. Zu seinen Wahlkampfthemen zählen eine Verkehrswende, mehr Begrünung der Innenstadt und eine energetische Sanierung der städtischen Gebäude.

    Die Würzburger OB-Kandidaten im BR-Videoverhör „kurz gesagt“: Das Video mit Martin Heilig sehen Sie hier.

    Volker Omert (FWG)

    © Marius Spanka/Volker Omert

    Volker Omert, Würzburger OB-Kandidat der FWG

    Die Freien Wähler Würzburg setzen auf den Lokaljournalisten Volker Omert als Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 15. März 2020. Volker Omert arbeitete als Chefredakteur und Programmchef des Würzburger Radiosenders Charivari. Ende 2010 verließ er den Sender und moderiert seitdem im lokalen Fernsehprogramm "TV Mainfranken" die Gesprächssendung "Der Talk". Die politische Bühne kennt der Quereinsteiger bisher nur als Berichterstatter. In seinem Wahlkampf setzt Omert vor allem auf seine lokalen Kenntnisse und regionale Themen wie die Förderung von Handwerk und Einzelhandel, Videoüberwachung in Teilen der Stadt oder den raschen Bau der Multifunktionsarena. Der Klimawandel ist für Omert ein "problematisches Thema", das "die Stadt Würzburg aber nicht alleine" lösen könne.

    Die Würzburger OB-Kandidaten im BR-Videoverhör „kurz gesagt“: Das Video mit Volker Omert sehen Sie hier.

    Sebastian Roth (Die Linke)

    © Privat/Die Linke Würzburg

    Sebastian Roth, Würzburger OB-Kandidat Die Linke

    Pferdeschwanz, Bart, Ohrringe und ein streitbarer Geist - das sind die Markenzeichen von Sebastian Roth, dem OB-Kandidaten der Partei Die Linke. Der 39-Jährige aus dem Stadtteil Versbach arbeitet als Realschullehrer und sitzt seit 2014 als einziger Vertreter der Linken im Würzburger Stadtrat. Als möglicher Oberbürgermeister will er - passend zu seinem Wahlkampfmotto - "Rot(h)e Akzente" setzen. Ein Akzent soll beispielsweise ein kostenfreier ÖPNV sein, finanziert "in Absprache mit dem Land Bayern und dem Bund". Roth fordert mehr sozial geförderten Wohnraum in der Stadt und spricht sich dagegen aus, dass sich die Stadt Würzburg finanziell am Bau eines neuen Kickers-Stadions und der Multifunktionsarena beteiligt.

    Die Würzburger OB-Kandidaten im BR-Videoverhör „kurz gesagt“: Das Video mit Sebastian Roth sehen Sie hier.