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Oberbayerischer Hof bewirbt Freilandeier mit falscher Herkunft | BR24

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Ein Eier-Hof aus dem Landkreis Erding verkauft in Rewe-Märkten Freilandeier mit der Bezeichnung "aus dem Erdinger Land". Stichproben des BR aber zeigen: In den Kartons stecken Eier von fremden Höfen. Das ist unzulässig, sagt die Verbraucherzentrale.

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Oberbayerischer Hof bewirbt Freilandeier mit falscher Herkunft

Ein Eier-Hof aus dem Landkreis Erding verkauft in Rewe-Märkten Freilandeier mit der Bezeichnung "aus dem Erdinger Land". Stichproben des BR aber zeigen: In den Kartons stecken Eier von fremden Höfen. Das ist unzulässig, sagt die Verbraucherzentrale.

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"Futter aus der eigenen Herstellung", für die Hühner, "Umweltfreundlich durch kurze Lieferwege": Der oberbayerische Eier-Produzent "Sonnendorfer" bewirbt auf den grünen Eier-Kartons intensiv seine Freilandeier. Die Eier werden zudem auf den Packungen gleich zweifach mit dem Hinweis "aus dem Erdinger Land" gekennzeichnet.

In den Kartons stecken fremde Eier

Doch Recherchen des Bayerischen Rundfunks zeigen ein ganz anderes Bild. Bei 15 Testkäufen in Rewe-Märkten unter anderem in München, Murnau, Dachau, Olching und Pähl fanden sich kein einziges Mal Freilandeier vom Betrieb "Sonnendorfer" in den Schachteln. Stattdessen stammten die Eier von drei niederbayerischen Höfen sowie zwei weiteren Betrieben in der Oberpfalz. Diese liegen bis zu 130 Kilometer entfernt vom groß beworbenen Produktionsort. Ersichtlich war die Herkunft anhand der auf den Eiern gedruckten Codes, die man im Internet überprüfen kann.

Verbraucherzentrale kritisiert den Eier-Hof

Die Verbraucherzentrale Bayern erklärt das als unzulässig, denn es gebe einen klaren Grundsatz: "Auf Lebensmitteln darf nur die Wahrheit draufstehen. Und wenn ganz klar explizit dargestellt ist, dass sie aus dem Erdinger Land kommen, dann müssen sie es auch", erklärt Daniela Krehl, Fachberaterin für Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Das habe im vergangenen Jahr auch ein Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart bestätigt: In einem ähnlichen Fall hatte das OLG ein Urteil gegen einen Hof aus Baden-Württemberg gesprochen und eine Unterlassung verfügt. Der Betrieb hatte auf dem Eier-Karton mit der Herkunft von seinem Hof geworben, die Eier stammten aber aus 100 Kilometern Entfernung.

Sonnendorfer verweist auf die Corona-Krise

Die Sonnendorfer GmbH, nach eigenen Angaben ein Familienbetrieb, begründet den Verkauf der falsch deklarierten Eier mit der großen Nachfrage in der Corona-Krise. Gleichzeitig hätten Höfe, die zuvor die Gastronomie beliefert haben, keine Absatzmöglichkeiten für ihre Eier mehr gehabt. Diesen Familienbetrieben habe man helfen wollen.

Eier-Hof entschuldigt sich

Neue Eierverpackungen seien zudem so schnell nicht lieferbar gewesen. Mit dem Verkauf der fremden Freilandeier sei "Sonnendorfer" kein finanzieller Vorteil entstanden, man habe die qualitativ hochwertigen Eier zu einem fairen Preis eingekauft. Als Familie wolle man sich dafür entschuldigen, die Kunden in diesen "turbulenten Zeiten" nicht informiert zu haben.

© BR/ Tobias Chmura

Die Eier werden mit "aus dem Erdinger Land" beworben, stammen aber von Höfen aus der Oberpfalz und Niederbayern.

Rewe kündigt Konsequenzen an

Rewe spricht gegenüber dem BR von "schwerwiegenden Vertragsverletzungen" des Hofes. Ein Pressesprecher teilte mit, dass "Sonnendorfer" seit dem 06. April 2020 Freilandeier von anderen, weiter entfernten Höfen dazugekauft und in ihren Gebinden mit regionaler Herkunftsbezeichnung vermarktet habe. Als erste Konsequenz habe sich "Sonnendorfer" ab sofort dazu verpflichtet, nur noch Eier vom eigenen und von einem nahe gelegenen Partnerbetrieb zu liefern. Weitere Schritte gegen den Produzenten behalte man sich vor.

Regionale Produkte sind den Kunden wichtig

In Umfragen zeigt sich immer wieder, dass den Verbrauchern regionale Produkte wichtig sind. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2017 hat außerdem gezeigt, dass das Vertrauen der Verbraucher in Produkte aus der eigenen Region (61 Prozent) noch größer ist als in Produkte aus Bayern (56 Prozent). 82 Prozent der Befragten informierten sich zudem über die Herkunft des Produkts mit einem Blick auf die Verpackung.

Image-Schaden für regionale Lebensmittel?

Die Verbraucherzentrale Bayern befürchtet in Fällen wie bei Sonnendorfer einen Image-Schaden für regional beworbene Produkte. "Ich sehe das nicht als Kavaliersdelikt. Denn ich bin ja auch bereit, deutlich mehr zu bezahlen. Und hier nutzt ein Hersteller meine Bereitschaft aus, indem er mit Regionalität wirbt", sagt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale. Tatsächlich kosten die "Sonnendorfer"-Eier im Supermarkt rund 50 Prozent mehr als andere Freilandeier.

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