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Obdachlose in Zeiten von Corona: Thema bei "Corona. Und jetzt?" | BR24

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Das Coronavirus und seine Folgen stellen unseren Alltag auf den Kopf. Was bleibt, sind offene Fragen. Im neuen Instagram-Format "Corona. Und jetzt?" werden genau diese Fragen beantwortet. In der ersten Folge geht es um Obdachlose.

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Obdachlose in Zeiten von Corona: Thema bei "Corona. Und jetzt?"

Wegen der Coronakrise sind Anlaufstellen für Obdachlose stark eingeschränkt. In sozialen Einrichtungen herrscht nur noch Notbetrieb. Was bedeutet das für Obdachlose? Darum geht es in der ersten Folge des neuen Instagram-Formats "Corona. Und jetzt?".

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Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus in Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken finden Sie hier.

Die 56-jährige Carmen aus dem Spessart ist obdachlos. Keiner wird sie ins Homeoffice schicken, keiner wird ihr häusliche Quarantäne verordnen. Die sozialen Einrichtungen, die ihr mit einer warmen Mahlzeit durch die Obdachlosigkeit halfen, mit einer Dusche und einer Möglichkeit sich die Hände zu waschen, sind aufgrund der Corona-Krise stark eingeschränkt worden. In der ersten Folge des neuen BR Franken-Instagram-Formates "Corona. Und jetzt?" geht es um die Folgen des Coronavirus für Obdachlose.

Hier geht es zur Instagram-Seite von BR-Franken.

Fehlende Plätze für obdachlose Menschen

Immer wieder sei sie in den letzten Wochen weggeschickt worden, sagt Carmen. Der Grund: Fehlende Kapazitäten. "Dann muss man halt suchen und laufen, um etwas zu finden", sagt die Wohnungslose. Dass sie auch im Katastrophenfall noch einen Schlafplatz findet, dafür sorgt in Würzburg unter anderem die Christophorus Gesellschaft. Sie betreut zum Beispiel die Bahnhofsmission und eine Wärmestube.

Coronakrise: Systeme von Obdachlosen brechen zusammen

"Es ist zurzeit eine Gratwanderung", sagt Nadine Fiedler. Sie ist die stellvertretende Geschäftsführerin der Christophorus Gesellschaft. "Sie müssen sich vorstellen, dass obdachlose Menschen auch ohne Corona in einer permanenten Krisensituation sind", sagt sie. Viele stellten sich existentielle Fragen: Wo kann ich mit Dach über dem Kopf übernachten, wo kann ich mich waschen, wo die Zähne putzen? "Viele haben sich im Laufe der Jahre ein System erarbeitet, wo sie zuverlässige Anlaufstellen haben. Das bricht mit voller Wucht zusammen."

Notbetrieb trotz Corona-Krise

Trotz allem versucht die Christophorus Gesellschaft in Würzburg, einen Notbetrieb aufrecht zu erhalten. Drei Stunden am Vormittag und drei Stunden am Nachmittag gibt es in der Bahnhofsmission etwas zu essen. Auch dort jedoch nur zum Mitnehmen. Die soziale Komponente, also die Möglichkeit, über die Bahnhofsmission in den Kontakt mit anderen zu treten, breche trotzdem weg. "Der Aufenthalt dient ja auch dazu, jemanden zum Reden zu haben oder einfach nur zusammenzusitzen", sagt Fiedler.

Stadt Würzburg will Versorgung Obdachloser verbessern

Für die Betreuung der Wohnungs- und Obdachlosen seien in erster Linie die Kommunen zuständig, schreibt das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales auf Anfrage des BR. "Wir müssen die Versorgung der Menschen optimaler gestalten", sagt Hülya Düber, Sozialreferentin der Stadt Würzburg. Für die Stadt sei es wichtig, "ein engmaschiges System an Hilfen zu haben". Das besteht allerdings zu großen Teilen aus ehrenamtlichen Trägern und Vereinen. Diese wolle die Stadt unterstützen – gerade im Notbetrieb. Über Systeme wie Transferleistungen, Hartz IV und Sozialhilfen äußert Hülya Düber die Hoffnung, dass nicht noch mehr Menschen durch die Krise in die Obdachlosigkeit rutschen.

Straßenzeitung geht wegen des Coronavirus online

Viele Verkäuferinnen und Verkäufer der Nürnberger Straßenzeitung "Straßenkreuzer" haben ihren Weg aus der Obdachlosigkeit geschafft. Chefredakteurin Ilse Weiß sagt, dass keiner von ihnen auf der Straße leben müsse. Damit das so bleibt, war der "Straßenkreuzer" eine der ersten Straßenzeitungen, die in der Corona-Krise drastische Mittel ergriffen hat. Den "Straßenkreuzer" gibt es nicht mehr auf der Straße zu kaufen, sondern ausschließlich online. Gegen eine freiwillige Spende kann man das aktuelle Heft auf der Website herunterladen.

Hier geht es zum Online-Angebot des "Straßenkreuzers"

Die Verkäuferinnen und Verkäufer erzählen in einem "Corona-Tagebuch" über die Social-Media-Accounts des Straßenkreuzers von ihrem Alltag. "Der Verkauf einer Straßenzeitung ist immer auch das Angebot, miteinander ins Gespräch zu kommen", sagt Weiß. Das gehe in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen auch über die sozialen Netzwerke. Die ersten Rückmeldungen seien sehr positiv.

Ins Gespräch kommen hilft – auch mit Abstand

Nadia Fiedler von Christophorus in Würzburg betont, dass aus ihrer Sicht für jeden von uns eine Verantwortung bestehe, für Menschen in Not da zu sein. "Sie können auch mit 1,5-Meter-Abstand fragen: Kann ich Ihnen helfen? Brauchen Sie irgendwas? Ich könnte sie zur Bahnhofsmission oder zur Wärmestube begleiten. Hilft Ihnen das weiter?", schlägt Fiedler vor. Auch ein Gespräch aus etwas mehr Entfernung als üblich könne helfen, sagt sie.

💡 Über das neue Instagram-Format "Corona. Und jetzt?“

Kann ich noch zum Zahnarzt gehen? Wann wird es einen Impfstoff geben? Ist ein Umzug erlaubt? Das sind einige der Fragen, die uns die Nutzer unserer BR Franken-Instagram-Seite gestellt haben. Unser Social Media-Team recherchiert, sucht Experten und gibt Antworten. Jeden Freitag auf IGTV.