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Obdachlose in der Pandemie: Wohin im Winter? | BR24

© BR/Birgit Grundner
Bildrechte: picture-alliance/dpa

Wie kommen Obdachlose in Corona-Zeiten über den Winter?

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Obdachlose in der Pandemie: Wohin im Winter?

Obdachlose haben es in der kalten Jahreszeit besonders schwer. Erst recht gilt das in der Corona-Pandemie und im Teil-Lockdown. In München gibt es aber viele Anlaufstellen für Menschen, die auf der Straße leben. Sie werden dringend gebraucht.

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Von
  • Birgit Grundner

Der Winter ist besonders hart für Menschen, die auf der Straße leben. Pandemie und Teil-Lockdown machen es überdies schwer. In München bemühen sich Anlaufstellen um Obdachlose, schließlich soll in den nächsten Monaten niemand erfrieren.

Etwas zu essen bekommen und sich waschen können ...

Der junge Mann hat die vergangene Nacht im Freien verbracht – wieder einmal. Seit fünf Jahren lebt er auf der Straße, erzählt er, während er am Hauptbahnhof in der Warteschlange vor der Korbinian-Küche steht, für ein kostenloses Essen.

Eigenes Geld hat der 24-Jährige schon lange nicht mehr verdient. "Erst mal bräuchte ich was, wo ich schlafen oder mich im Alltag pflegen könnte", sagt er: "Als Koch muss ich regelmäßig duschen."

Die Nachfrage steigt in diesem Corona-Herbst

Bis zu 500 Mahlzeiten gibt die Korbinian-Küche mittlerweile jeden Tag an ihrem knallroten Foodtruck aus – an Obdachlose und andere Bedürftige. Und die Nachfrage steigt weiter. Wer mag, kann sich zum Essen oder auch noch zum Zeitunglesen seit kurzem auch in einen Raum setzen – an Einzeltischen in coronagerechten Abständen, erklärt Projektleiterin Marlies Brunner von der Caritas.

Sonst gehen die Leute zum Beispiel auch mal in die Bücherei "zum Lesen oder zum Aufwärmen", sagt sie: "Das sind alles Sachen, die momentan nicht gehen."

Leiharbeiter in München gestrandet

Nach Schätzungen sind rund 1.000 Menschen in München obdachlos, darunter auch viele, die aus dem EU-Ausland zum Arbeiten nach Deutschland gekommen und dann wegen Corona gestrandet sind. "Die sind eigentlich hier gefangen", stellt Marlies Brunner fest. Der Arbeitsmarkt ist für sie zusammengebrochen, mit dem Job ist oft auch die Unterkunft weg, "und zurück geht auch grad nicht".

"Es ist sehr schwer", bestätigt ein älterer Mann in der Korbinian-Küche: "Quarantäne überall." Ostern, so hofft er, werde er wieder mit der Familie zusammen sein. Der Elektriker aus Rumänien hatte als Leiharbeiter in München gearbeitet, als die Pandemie ausbrach. "Alle Baustellen zu", sagt er und zuckt resigniert mit den Schultern: "Kann man nichts machen."

Keine Tagelöhner-Jobs mehr, aber wenigstens Anlaufstellen sind noch offen

Die Möglichkeit für Obdachlose, als Tagelöhner oder auch in der Gastronomie wenigstens ein bisschen was zu verdienen, fallen wegen Corona weitgehend weg. Und weil im Teil-Lockdown weniger Menschen unterwegs sind, bringt auch das Betteln oder Pfandflaschen-Sammeln weniger ein. Wenigstens sind die Anlaufstellen für Obdachlose nach wie vor geöffnet: zum Beispiel Tagestreffs, Beratungsstellen, Begegnungszentren, die Bahnhofsmission.

Auch das Übernachtungsschutzprogramm der Stadt in der ehemaligen Bayernkaserne gibt es weiter. Derzeit können die Obdachlosen dort auch tagsüber bleiben, es gibt ein Quarantänestockwerk und sonst hat man auf Corona reagiert, erklärt Hedwig Thomalla vom Sozialreferat. So werde häufiger desinfiziert, und die Zimmer würden auch nicht wie sonst mit bis zu zwölf Personen, sondern nur mit fünf oder sechs Personen belegt.

Trotzdem sei weiter genug Platz für alle da: "Wir haben im Übernachtungsschutz 330 bis 350 Personen, es sind also noch ausreichend Kapazitäten vorhanden", versichert die Referatssprecherin. Niemand werde abgewiesen, "in München muss keiner auf der Straße schlafen."

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