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Nutztiere vor dem Wolf schützen – aber wie? | BR24

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Immer wieder reißen Wölfe auch Schafe - die Schäfer suchen nach Wegen, ihre Herde zu schützen

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    Nutztiere vor dem Wolf schützen – aber wie?

    Seit es wieder Wölfe in Bayern gibt, fürchten die Schafhalter im Freistaat um ihre Tiere. Schäfer Bonaventura Lohner in Gars am Inn hat sich Herdenschutzhunde gekauft, doch die verursachen Probleme.

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    Prinz, Mädi, Bärli und Buddy heißen die Pyrenäen-Berghunde, die die 53 Milchschafe von Bonaventura Lohner bewachen. Die Weide ist direkt am Hof, denn die Schafe müssen jeden Tag gemolken werden. Die Herdenschutzhunde leben innerhalb der Schafherde, dazu zählen sie auch den Landwirt, seine Frau und Kinder. Gegenüber der Familie sind die großen Hunde völlig harmlos und ungefährlich, es besteht eine enge Bindung.

    Probleme mit den Nachbarn

    Doch einige Nachbarn, zum Teil selbst Landwirte, sind alles andere als begeistert von den Hunden. Petra Riemerschmid aus Reichertsheim berichtet, dass ihre Tochter schon beim Ausreiten von den Hunden verfolgt wurde. Seitdem traut sie sich selbst nicht mehr, in der Gegend spazieren zu gehen. Und Nachbarin Karin Eibl kritisiert: "Die Hunde büxen regelmäßig aus. Dann stehen die hier im Garten oder im Hof."

    Manchmal entwischen die Hunde

    Bonaventura Lohner weiß, dass seine Hunde immer wieder entwischen. Er sichert Hof und Weiden mit immer höheren Zäunen. Aber Bärli überspringt locker einen Zaun von 1,10 Metern Höhe und Mädi zwängt sich unter den Zäunen durch. Rund um den Hof hat er mittlerweile Warntafeln angebracht, denn Prinz hat sogar schon jemanden gebissen.

    Doch sein Hund habe richtig reagiert, nämlich die Schafe vor dem Angreifer beschützt - egal ob Mensch oder Wolf, sagt Lohner: "Ein Radfahrer hat das Weidetor geöffnet, das hat der Hund als Angriff empfunden. Er hat aber nicht schlimm gebissen, sondern nur gezeigt: Du bist nicht mein Freund."

    Sind bellende Hunde eine Lärmbelästigung?

    Doch die Nachbarn haben noch ein weiteres Problem: Die Herdenschutzhunde bellen oft die ganze Nacht. Besitzerin Annemarie Lohner findet das richtig: "Wenn die Hunde unterschiedlich anschlagen, sagt mein Mann: 'Jetzt muss ich raus, jetzt ist was los.' Denn wenn die Hunde laut werden, fehlt etwas." Nach offiziellen Angaben gibt es bisher bei Gars am Inn allerdings noch keine Spuren eines Wolfes.

    Welche Rassen sind geeignet als Herdenschutzhunde?

    Nach Einschätzung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), das für das Wildtiermanagement in Bayern zuständig ist, sind folgende Rassen für den Herdenschutz geeignet: der Mastin Espagnol, der Kangal, der Maremmen-Abruzzen-Schäferhund und Mischlinge dieser Rassen.

    Doch ebenso wichtig wie die Rasse sei die gute Ausbildung der Hunde, sagt Irina Horrix, Wildtiermanagerin am LfU. Und die Seriosität der Hundezüchter, von denen man die Hunde kauft.

    Freistaat Bayern bezuschusst Hunde und Zäune

    Herdenschutzhunde allein können Schafe, Rinder oder Ziegen nicht schützen. Unverzichtbar ist auch der sogenannte technische Herdenschutz, also ein Zaun. Am besten ein Elektrozaun, empfiehlt Irina Horrix.

    Seit heuer wird die Anschaffung von Herdenschutzzäunen vom Freistaat finanziell gefördert, ab nächsten Jahr auch die Anschaffung von Hunden bis zu 3.000 Euro pro Tier. Ob auch Unterhaltskosten übernommen werden können, wird derzeit noch geprüft.

    Andere Herdenschutzmaßnahmen sind zwecklos

    Manche Weidetierhalter versuchen statt mit Hunden mit anderen Maßnahmen, den Wolf abzuwehren, etwa indem sie entlang der Zäune Duftstoffe ausbringen. Der Geruch von Löwen oder Pumas soll die Wölfe fernhalten. Andere wiederum befestigen Blinklichter am Zaun.

    Irina Horrix hält davon wenig: "Die Wölfe sind nicht dumm und gewöhnen sich daran." Eine dritte Möglichkeit klingt makaber und ist auch in Deutschland verboten: den Schafen Halsbänder umzulegen, die Gift enthalten.

    Herdenschutz ist nötig: Zahl der Wölfe in Bayern steigt

    Bis vor ein paar Jahren wurde noch darüber diskutiert, ob Herdenschutzmaßnahmen überhaupt nötig sind. Mittlerweile lautet die Antwort eindeutig ja, denn die Zahl der Wölfe steigt kontinuierlich.

    Nach Angaben des Landesamts für Umwelt gibt es in Bayern standorttreue Tiere im Oberallgäu, in der Rhön, am Truppenübungsplatz Grafenwöhr, im Veldensteiner Forst in Franken und im Nationalpark Bayerischer Wald. Ein Wolf gilt als standorttreu, wenn er über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nachgewiesen wird.

    Wolf in Freising

    Seit 2006 werden in Bayern allerdings auch immer mehr einzelne, nicht standorttreue Wölfe nachgewiesen. Der Wolf, der vor kurzem bei Freising ein Damwild gerissen hat, war offenbar ein sogenannter Durchzügler. Meist sind es junge Tiere, die durch- oder zuwandern. Man untersucht nun anhand der Genetik, woher der Wolf im Landkreis Freising kommt.

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