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Nur sechs neue Windräder in Bayern im Jahr 2019 | BR24

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Windräder

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Nur sechs neue Windräder in Bayern im Jahr 2019

Die Ausbaukrise der Windkraft in Bayern hat sich verschärft: 2019 gingen im Freistaat nur noch sechs neue Windräder in Betrieb. Weil eine Anlage abgeschaltet wurde, kamen tatsächlich nur fünf hinzu. Die SPD fordert eine energiepolitische Kehrtwende.

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So wenig neu gebaute Windräder gab es noch nie seit Verschärfung der Bauvorschriften in Bayern im Jahr 2014. Das geht aus einer vorläufigen Auswertung der Fachagentur Windenergie an Land hervor: Nur sechs neue Anlagen mit insgesamt rund 18 Megawatt Leistung gingen in Betrieb. In Bayern gilt bundesweit die schärfste Regelung für den Abstand von Windrädern zur Wohnbebauung, seit im Jahr 2014 die Staatsregierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) die Abstandsregelungen drastisch verschärft hatte - als Reaktion auf Bürgerproteste.

Die sogenannte 10-H-Regelung besagt, dass der Abstand eines Windrads zur nächsten Siedlung das Zehnfache der Bauhöhe betragen muss. Bei 200 Meter Rotorhöhe sind das zwei Kilometer. 2014 war auch das bisherige Rekordjahr, damals waren in Bayern noch Windräder mit 430 Megawatt Leistung in Betrieb gegangen.

Bayern-SPD fordert Kehrtwende in Sachen Energiewende

Angesichts der Zahl von nur sechs neuen Windrädern fordert die bayerische SPD-Landtagsfraktion von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) eine Kehrtwende in Sachen Energiewende. Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion, Annette Karl, sagte: "Das ist eine energiepolitische Katastrophe mit Ansage, hervorgerufen durch die unsinnige Abstandsregelung der CSU, die der Wirtschaftsminister immer noch nicht eingestampft hat. Klar ist: Alle Hindernisse zum Windkraftausbau müssen weg, und zwar schnellstens. Darüber hinaus müssen Anwohner ins Boot geholt werden: Durch Genossenschaftsmodelle oder eine Abgabe auf den Gewinn der Windkraftbetreiber zugunsten der Anwohner muss die Akzeptanz gestärkt werden. Das Windkraftverhinderungsgesetz 10 H hat nur das Gegenteil erreicht."

Der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Florian von Brunn, kritisiert scharf, dass der Wirtschaftsminister konventionelle Gaskraftwerke wolle, anstatt auf Windkraft zu setzen: "Einfach nur Erdgas zu verbrennen, ist fossile Steinzeitpolitik und rückwärtsgewandt. Das hat nichts mit sauberer Energie oder Klimaschutz zu tun. Aiwanger knickt vor der CSU und ihrer absurden Windkraftverhinderungsregelung ein", so von Brunn.

Einbruch deutschlandweit

Allerdings hat es die Windbranche deutschlandweit schwer. Laut Fachagentur ist der Zubau an Land im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren eingebrochen. Demnach wurden nur 276 neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen, mit einer Gesamtleistung von 940 Megawatt. Gemessen an der Leistung ist das ein Rückgang von mehr als 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg kamen gerade einmal fünf neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 17 Megawatt dazu, im schwarz-grün regierten Hessen vier mit einer Gesamtleistung von rund 14 Megawatt.

Windräder in Staatsforsten?

Bayern war das erste Bundesland, das Beschränkungen für die Windkraft einführte, nachdem sich Bürgerinitiativen formierten. Die Staatsregierung hält zwar an der 10-H-Regelung fest, will aber Windräder in den Bayerischen Staatsforsten bauen lassen. Mittlerweile hat die restriktive bayerische Linie im restlichen Deutschland Schule gemacht.

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In Bayern sind 2019 nur noch sechs neue Windräder in Betrieb gegangen. Das geht aus einer vorläufigen Auswertung der Branche hervor. Das flächenmäßig mit Abstand größte deutsche Bundesland steuerte nur zwei Prozent der neuen Windenergie-Anlagen bei.