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Nürnberger Studie: Corona bringt Mütter zurück an den Herd | BR24

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Mütter haben zu Corona-Zeiten deutlich öfter vom Homeoffice aus gearbeitet als Väter. Gleichzeitig kümmerten sie sich mehr um Haushalt und Kinder, ergab eine Studie der Nürnberger Arbeitsmarkt-Experten vom IAB.

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Nürnberger Studie: Corona bringt Mütter zurück an den Herd

Mütter haben zu Corona-Zeiten deutlich öfter vom Homeoffice aus gearbeitet als Väter. Gleichzeitig kümmerten sie sich mehr um Haushalt und Kinder, ergab eine Studie der Nürnberger Arbeitsmarkt-Experten vom IAB.

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Mütter betreuungsbedürftiger Kinder haben sich während der Corona-Zeit deutlich mehr um Haushalt und Kinder gekümmert als ihre Männer. 78 Prozent der Mütter zog es während Corona ins Homeoffice, ergab eine Befragung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB. Bei den Vätern waren es 70 Prozent. Für die Studie wurden 1.200 Beschäftigte befragt, die ihre Arbeit überwiegend am Computer erledigen. Beschäftigte ohne Kinder arbeiteten deutlich seltener von zu Hause aus, hier liegt die Zahl bei durchschnittlich 50 Prozent.

Mütter arbeiteten mehr zu ungewöhnlichen Zeiten

Dabei haben Mütter offenbar mehr Aufgaben bei Haushalt und Kinderbetreuung übernommen. 53 Prozent der befragten Mütter gab an, die Arbeit im Homeoffice zu ungewöhnlichen Zeiten zu erledigen. Bei den Vätern lag diese Zahl bei 38 Prozent. Wenn die Kinder im Bett waren oder an Wochenenden holten mehr Frauen als Männer demnach nach, was wegen des Homeschoolings und der Versorgung der Familie nicht erledigt werden konnte.

Traditionelles Rollenverständnis in Deutschland

Es zeige sich im Vergleich zu skandinavischen Ländern eine traditionelle Rollenverteilung in Deutschland, erklärt Corinna Frodermann, Forscherin beim Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Investitionen der Bundesregierung in Kinderbetreuung und Elterngeld hätten schon etwas gebracht, so Frodermann. Allerdings würden immer noch nur die Hälfte der Väter die Elternzeit in Anspruch nehmen und die meisten davon die Zahl der möglichen Monate nicht ausschöpfen.

Video-Besprechung mit Kindern

Die Herausforderung von Homeoffice-Arbeit mit Kleinkind kennt die Führungskraft in der Personalabteilung der Nürnberger Versicherung, Kathrin Schaffner. Sie engagiert sich im Verein "Working Moms", der sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzt. Konzentriertes Arbeiten sei neben der Betreuung eines Zweijährigen kaum möglich, weil sich dieser kaum länger als zehn Minuten alleine beschäftigen kann. Allerdings habe sie neben der Kinderbetreuung durchaus Telefonate oder Videobesprechungen führen können.

Ihren zweijährigen Sohn habe sie manchmal dabei auf den Schoß genommen. "Die Akzeptanz dafür ist definitiv gestiegen. Den anderen ging es ja genauso. Wir haben auf diese Weise alle unsere Kinder kennengelernt." Die Möglichkeit virtueller Besprechungen werden sie auf jeden Fall auch künftig beibehalten. Das kommt Müttern mit Teilzeit-Arbeitszeit zugute.

Die Hälfte der Arbeitsstellen haben Frauen

Inzwischen sind Frauen deutlich öfter als vor einigen Jahrzehnten berufstätig, auch wenn sie Familie haben. Die Hälfte aller Erwerbs-Arbeitsstellen haben Frauen inne. Allerdings arbeiten sie deutlich öfter in Teilzeit. "Da Frauen schon vor der Krise mehr Betreuungs-und Hausarbeit übernommen haben und häufig weniger verdienen durch Teilzeit und Berufe mit geringer Entlohnung ist es leider naheliegend, dass sie auch während der Corona-Krise weiterhin die Hauptlast tragen.", so Frodermann.

Gesellschaftliche Anerkennung fehlt

Um mehr Väter für Kinderbetreuung und Elternzeit zu gewinnen, bräuchte es mehr gesellschaftliche Anerkennung. Immer noch bekommen Männer abwertende Kommentare, wenn sie Elternzeit nehmen wollen. Die Arbeitsmarkt-Expertin erklärt: „Vor allem in den Betrieben ist es nötig, dass es anerkannter wird, dass sich auch Väter mehr engagieren.“ Corona hat, so scheint es, die alte Rollenverteilung eher bestätigt.

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