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Nürnberger Saal 600 offiziell an IANP übergeben | BR24

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Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe ist der geschichtsträchtige Saal 600 im Nürnberger Justizpalast an die Internationale Akademie der Nürnberger Prinzipien übergeben worden.

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Nürnberger Saal 600 offiziell an IANP übergeben

Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe ist im Nürnberger Justizpalast der Saal 600 offiziell an die Internationale Akademie der Nürnberger Prinzipien (IANP) übergeben worden. Der Saal soll ein Ort des Austauschs und der Erinnerung werden.

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In einem symbolischen Akt überreichte der Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg, Thomas Dickert, einen mit den Initialen der Akademie verzierten Schlüssel an IANP-Leiter Klaus Rackwitz. Der Saal 600 könne damit nun genutzt werden, um den Gedanken des Völkerstrafrechts nach vorne zu bringen, um die Nürnberger Prinzipien hoch zu halten und um Aus- und Fortbildung zu betreiben – und zwar ohne wie zuvor auf Strafverhandlungen Rücksicht nehmen zu müssen, sagte Rackwitz dem Bayerischen Rundfunk.

Völkerrecht wird plastisch erlebbar

Der Saal 600 habe eine unglaubliche Wirkung – nicht nur auf Opfer der Nationalsozialisten und deren Nachkommen, sondern eben auch auf ganz junge Menschen. Der Raum mache auch heute noch erlebbar, was hier stattgefunden habe. Daher sei die Internationale Akademie der Nürnberger Prinzipien (IANP) froh und dankbar, den Ort, an dem das Internationale Völkerstrafrecht seinen Anfang nahm, nun nutzen zu können, erklärte Rackwitz.

"Man wird sich nur in diesem Saal bewusst, was hier stattgefunden hat. Man sieht die Bilder von Göring und anderen auf der Anklagebank. Aber wenn man dann in dem Saal sitzt, die Holzvertäfelung sieht, den Aufzug sieht, die Türornamente sieht – es wird plastisch erlebbar. Und man sagt sich 'Aha. Hier hat das also begonnen. Hier sind sie nicht davon gekommen, die Täter. Hier wurden sie verurteilt.' Das hat eine unglaubliche Wirkung." Klaus Rackwitz, Leiter der Internationalen Akademie der Nürnberger Prinzipien (IANP)

Ort des Austauschs über aktuelles Völkerstrafrecht

Der Saal 600 habe außerdem eine unglaubliche Wirkung auf Juristinnen und Juristen aus aller Welt, führte Rackwitz weiter aus. Indem der Saal 600 künftig auch Völkerrrechts-Praktikerinnen und -Praktikern zum Austausch über das aktuelle Völkerstrafrecht zur Verfügung stehe, könnten die Nürnberger Prinzipien weiter getragen und gestärkt werden.

"Straflosigkeit ist keine Alternative. Es gibt keinen gerechten Krieg ohne Kriegsverbrechen. Und überall da, wo die Grenzen des humanitären Völkerrechts überschritten werden, da muss eingegriffen werden. Da muss justiziell gehandelt werden. Keine Straflosigkeit." Klaus Rackwitz, Leiter der Internationalen Akademie der Nürnberger Prinzipien (IANP)

Der Saal 600 war jahrelang für große Prozesse im Nürnberger Justizpalast genutzt worden. Erst am 20. Februar 2020 war dort das letzte Urteil gesprochen worden. Zwar bleibe bei den Richtern daher etwas Wehmut – doch auch künftig würden in dem Saal Justizveranstaltungen stattfinden, sagte OLG-Präsident Dickert. Man werde also immer wieder in den Saal 600 zurückkommen.

Ort der Begegnung und Erinnerung

Inzwischen finden die Verhandlungen zu den großen Strafprozessen in Nürnbergs Justiz-Neubau statt. In seiner Ansprache zur Schlüsselübergabe bezeichnete der OLG-Präsident den Saal 600 als "Nukleus des Memoriums Nürnberger Prozesse". Er betonte, der Saal sei dennoch "nicht nur Museum": Er sei ein Ort der Begegnung und Erinnerung – künftig würden Akademie, Justiz und Stadt den Saal nutzen, hier Veranstaltungen abhalten und die Bedeutung des Saals so weiter würdigen.

Saal 600 als Symbol: "Niemand steht über dem Gesetz"

Für den Völkerrechtsberater der Bundesregierung, Christophe Eick, steht fest, dass die Akademie Nürnbergs Vermächtnis, dass niemand über dem Gesetz steht, weitertragen wird. Jeder könne zur Verantwortung gezogen werden, dafür stehe der Saal 600 mit seiner Geschichte.

"Das Schlagwort Nürnberg steht für eine historische Leistung. Nämlich Kriegsverbrechen und den Holocaust vor Gericht zu bringen, Täter ihrer Strafe zuzuführen. Dafür steht Nürnberg nach wie vor. Es hat immer noch diesen Klang. Und wenn man hier in diesem Raum ist, und dann auch nebenan sich anschaut, was im Memorium dargestellt ist, dann versteht man auch, dass hier eben noch diese Atmosphäre vorhanden ist." Ministerialdirektor Christophe Eick, Völkerrechtsberater der Bundesregierung und IANP-Stiftungsratsvorsitzender

Der Saal stehe für die Nürnberger Prinzipien und somit für ein Vermächtnis für uns alle, auch für die Außenpolitik: einzustehen für die Herrschaft des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren.

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