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Nürnberger S-Bahn-Schubser: So wichtig war das Video fürs Urteil | BR24

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Der Fall im Januar schockte ganz Deutschland: Zwei 17-Jährige schubsen drei Jugendliche ins Gleisbett. Sekunden danach fährt ein Zug ein. Einer kann sich retten, zwei sterben am S-Bahnhof Nürnberg Frankenstadion. Heute ist das Urteil gefallen.

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Nürnberger S-Bahn-Schubser: So wichtig war das Video fürs Urteil

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat im sogenannten S-Bahn-Schubser-Prozess die beiden Täter zu Haft verurteilt - sie hatten drei 16-Jährige ins Gleisbett gestoßen, zwei starben. Das Überwachungsvideo spielte bei der Urteilsfindung eine zentrale Rolle.

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Die Jugendkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth hat im S-Bahn-Schubser-Prozess die beiden zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alten Täter zu mehrjährigen Jugendhaftstrafen verurteilt. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge sind sie zu dreieinhalb Jahren beziehungsweise drei Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt worden.

"Die Angeklagten haben völlig ruhig reagiert. Man kann sagen: 'Ohne jegliche Reaktion'." Justizpressesprecher Friedrich Weitner

Sie hatten sich allerdings im Verlauf des Prozesses bei den Hinterbliebenen entschuldigt.

Überwachungsvideo wichtig für Urteilsfindung

Bei der Klärung des Sachverhalts war das Überwachungsvideo laut Gericht von zentraler Bedeutung gewesen. Aus diesem habe sich ergeben, dass von den beiden getöteten Jugendlichen keinerlei Aggression ausgegangen sei. Sie hätten sich beschwichtigend und ruhig verhalten, obwohl einer der Angeklagten sich vorher am nicht geöffneten Rucksack eines der getöteten Jugendlichen zu schaffen gemacht hatte. Darauf angesprochen hätte der Angeklagte aggressiv und provokativ reagiert, so das Gericht weiter in der Urteilsbegründung.

Gewalt ging von der Gruppe der Angeklagten aus

Danach sei es zu einer Eskalation der Auseinandersetzung gekommen, wobei die Gewalt von der Gruppe ausging, zu der die beiden Angeklagten gehörten. Dabei hätten diese die beiden Opfer ins Gleisbett geschubst, wo diese unmittelbar von einem durchfahrenden Zug erfasst wurden. Die beiden Angeklagten hatten bestritten, dass sie die beiden bewusst vor den Zug gestoßen haben.

Jugendhaftstrafe soll auch Perspektive bieten

Die Kammer konnte sich trotz Überwachungsvideo und Zeugenaussagen nicht einwandfrei davon überzeugen, dass die beiden Angeklagten den Zug im Gerangel wahrgenommen hatten. Beim verhängten Strafmaß habe sich die Kammer am Gebot des Erziehungsgedankens orientiert und eine Sanktion verhängt, die den Angeklagten eine Perspektive bieten soll, ihr künftiges Leben straffrei zu führen.

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Die damals 17-jährigen Täter, die im Januar drei Jugendliche in Nürnberg in ein S-Bahn-Gleis gestoßen haben, müssen ins Gefängnis. Sie wurden wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu Haftstrafen von mehr als drei Jahren verurteilt.