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Nürnberger Rostbratwürste mit Fleisch aus Dänemark? | BR24

© Florian Kienast / BR

Ein Herkunftssiegel gibt an, wo Ware produziert wurde. Allerdings müssen nicht alle Produktionsschritte vor Ort stattfinden. So dürfen in Nürnberger Rostbratwürsten dänische Schweine verarbeitet werden. Dagegen protestieren fränkische Landwirte.

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Nürnberger Rostbratwürste mit Fleisch aus Dänemark?

Ein Herkunftssiegel gibt an, wo Ware produziert wurde. Allerdings müssen nicht alle Produktionsschritte vor Ort stattfinden. So dürfen in Nürnberger Rostbratwürsten dänische Schweine verarbeitet werden. Dagegen protestieren fränkische Landwirte.

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Die Nürnberger Firma HoWe Wurtswaren KG verwendet für ihre Original Nürnberger Rostbratwürste rund 20 Prozent Schweinefleisch aus dem 800 Kilometer entfernten Dänemark. Rechtlich erlaubt ist das zwar - den fränkischen Bauern Andreas Forster von "Land schafft Verbindung" bringt diese Tatsache dennoch in Rage. Er findet, das geht gar nicht.

Ist das Siegel g.g.A. hier Verbrauchertäuschung?

Würstl-kundige Historiker werden jetzt vielleicht einwenden, dass schon im Mittelalter ganze Schweineherden von Ungarn bis nach Nürnberg getrieben worden sind, um dort im Weckla zu landen. Aber erstens: Ungarn ist immerhin 200 Kilometer näher als Dänemark. Und zweitens: Damals trugen die Nürnberger Würstl auch noch nicht das Europäische Regional-Gütesiegel g.g.A. (geschützte geographische Angabe).

In der Tat legt die Bezeichnung nahe, dass im Nürnberger Würschtl nur heimisches Fleisch verarbeitet sei. Versteckt sich heute im Weckla also Verbrauchertäuschung?

Verbraucherschützer fordern klarere Kennzeichnung

Der "Schutzverband Nürnberger Bratwürste" sieht hier kein Problem. Der Grund: Das europäische Siegel g.g.A. bedeutet nur, dass die Würste nach einem festgelegten Rezept hergestellt werden müssen, und dass mindestens ein Verarbeitungsschritt auch wirklich in Nürnberg erfolgen muss.

Verbraucherschützer wie Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern fordern deshalb, dass auf den Produkten nachvollziehbar vermerkt ist, welche Produktionsschritte regional stattgefunden haben und welche außerhalb der Region.

Fleischfabrikant weist Vorwürfe zurück

Das sei aber schon längst der Fall, sagt Florian Hoeneß, Geschäftsführer der HoWe Wurstwaren: Auf seinen Verpackungen klebe bereits ein QR-Code, der die Herkunft der Schweine ausweist. Außerdem: Wenn Schweine aus Dänemark im Nürnberger Weckla landen, heiße das doch nicht, dass die Qualität schlecht sei.

Aber die fränkischen Bauern haben mit ihrem Protest ein Thema aufgegriffen, das für alle Verbraucher von Interesse ist: Wie muss Fleisch und Wurst gekennzeichnet werden? Das europäische g.g.A.-Siegel scheint da nicht vollumfänglich der Verbraucheraufklärung zu dienen.

© Gisela Staiger / BR

Bauern der Organisation "Land schafft Verbindung" haben am Morgen vor dem Werksgelände der Fleischwarenfirma HoWe protestiert. Etwa 30 Landwirte fuhren mit ihren Schleppern vor das Werkstor. Ihr Protest gilt der Herkunft des verarbeiteten Fleisches.

GU-Siegel bestätigt Herkunft in allen Schritten

Anders ist das mit dem ganz in Rot gefärbten europäischen g.U.-Siegel (geschützte Ursprungsbezeichnung). Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern streicht heraus, dass hier alle Verarbeitungsschritte in der Region stattfinden müssen - und so erwarte der Verbraucher das auch.

In Bayern gibt es sechs mit g.U.-Siegel geschützte Produkte. Vier davon sind Allgäuer Käsespezialitäten: Emmentaler, Bergkäse, Sennalpkäse und Weißlacker. Auch Fränkischer Grünkern trägt das rote Siegel sowie der Spalter Hopfen.

Wer also zum Beispiel einen Allgäuer Bergkäse mit dem roten g.U.-Siegel kauft, der bekommt garantiert, dass eine Kuh im Allgäu steht, die die Milch gegeben hat, aus der dann eine Allgäuer Käserei den Käse gemacht hat.

Forderung der fränkischen Bauern

Ist im Vergleich dazu das europäische g.g.A.-Gütesiegel letztlich nur ein Marketinginstrument für bestimmte regionale Produkte? Von beidem etwas, zeigt ein Beispiel: Auch der Nürnberger Lebkuchen trägt dieses Zeichen. Nur in Nürnberg darf er hergestellt werden, aber niemand wird erwarten, dass Mandel, Orangeat und Zitronat aus Bayern stammen.

Trotzdem bleibt die Forderung der fränkischen Bauern auch im Interesse der Verbraucher: Wo tierische Produkte wie Milch, Eier und Fleisch herstammen, sollte auf den Produkten klar gekennzeichnet werden – wurscht, welches Siegel drauf pappt.

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