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Nürnberger Reichswald: Angriffe auf Waldarbeiter | BR24

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Nürnberger Waldarbeiter klagen derzeit über massive Anfeindungen. Spaziergänger beschweren sich über Staubwolken und ihrer Ansicht nach zu viele gefällte Bäume.

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Nürnberger Reichswald: Angriffe auf Waldarbeiter

Nürnberger Waldarbeiter klagen derzeit über massive Anfeindungen. Ein Förster sagte dem BR, er müsse einmal pro Woche mit der Polizei drohen. Spaziergänger beschweren sich über Staubwolken und ihrer Ansicht nach zu viele gefällte Bäume.

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Die Mitarbeiter der Nürnberger Forstbetriebe sind derzeit massiven Anfeindungen ausgesetzt. Im Gespräch mit renitenten Spaziergängern im Nürnberger Reichswald müsse er rund einmal pro Woche mit einem Anruf bei der Polizei drohen, sagte Revierförster Hans-Joachim Ulrich dem Bayerischen Rundfunk. Wegen Corona sind seit dem Frühjahr so viele Menschen wie nie zuvor im Wald rund um die Großstadt mit 535.000 Einwohner unterwegs.

Spaziergänger sehen gefällte Bäume

Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer sähen nun mit eigenen Augen, wie schlecht es dem Reichswald geht, so der Leiter der Forstbetriebe Johannes Wurm. Waldarbeiter arbeiten derzeit unter Hochdruck daran, vertrocknete und vom Borkenkäfer befallene Bäume aus dem Wald zu schaffen. "Die Schäden sind von Laien nicht so eindeutig zu erkennen", so Wurm. Für viele Bürger sieht es so aus, als passiere willkürlicher Kahlschlag.

Rekordverdächtig viele Beschwerden

Im Posteingang des Forstbetriebs laufen so viele Beschwerde-Mails auf wie noch nie. Bürgerinnen und Bürger werfen den Forstbetrieben vor, zu viele Bäume zu fällen. "Sie machen den Wald kaputt", sind vergleichsweise freundliche Formulierungen. Forstbetriebsleiter Johannes Wurm versucht, geduldig zu erklären. "Wir entnehmen dem Wald derzeit nur, was wir absolut müssen, um weitere Schäden zu vermeiden". Gewinn machen könne man mit dem Holz derzeit nicht. "Der Markt ist überschwemmt mit Schadholz", so Wurm.

Ärger über Staubwolken

Auf den ausgetrockneten Forststraßen ziehen die Fahrzeuge der Waldarbeiter lange Staubwolken hinter sich her. "Das ärgert die Spaziergänger, manchmal schlagen sie sogar aufs Autodach", so Revierförster Hans-Joachim Ulrich. Er versuche, ruhig zu bleiben. Es gelinge ihm aber nicht immer. "Die Leute verstehen nicht, dass ich hier arbeiten muss".

Klimawandel schlimmer als befürchtet

Mit dem Klimawandel beschäftigen sich die Forstspezialisten schon länger. Sogenannte Klima-Risiko-Karten aus dem Jahr 2000 beschreiben, auf welchen Flächen Kiefern und Fichten nicht mehr überleben werden. Doch die Realität hat die Annahmen von vor 20 Jahren längst überholt. "Würden wir eine Karte vom derzeitigen Stand des Schadens malen, würde die so aussehen wie die für das Jahr 2050 vorausgesagte", sagt der Forstbetriebsleiter. "Wir sind jetzt da, wo es wehtut."

Mehr Laubbäume als Nadelbäume

Seit den 1980er Jahren wurden im Nürnberger Reichswald bereits Laubbäume gepflanzt, die den Klimawandel besser vertragen. Im Schatten der alten Bäume werden jedes Jahr 200.000 junge Buchen, Eichen und Tannen gepflanzt. In guten Jahren wachsen 80 Prozent der Setzlinge gut an. Wegen der seit drei Jahren anhaltenden Trockenheit überlebt gerade nur jeder zweite. Im Wald kann eben nichts begossen werden.

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