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Nürnberger Pop-Up-Radweg – ein umstrittenes Experiment | BR24

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Das Nürnberger Radwegenetz ist ziemlich löchrig. Abhilfe sollen nun so genannte "Pop-Up-Radwege" schaffen. Doch beim ersten Radweg dieser Art zeigt sich: Mit der temporären Regelung kommen viele Verkehrsteilnehmer nicht zurecht.

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Nürnberger Pop-Up-Radweg – ein umstrittenes Experiment

Das Nürnberger Radwegenetz ist ziemlich löchrig. Abhilfe sollen nun so genannte "Pop-Up-Radwege" schaffen. Doch beim ersten Radweg dieser Art zeigt sich: Mit der temporären Regelung kommen viele Verkehrsteilnehmer nicht zurecht.

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Nürnberg soll fahrradfreundlicher werden. Die Parteien im Nürnberger Rathaus wollen dafür den jährlichen Etat für Radwege schrittweise auf zehn Millionen Euro erhöhen. Damit sollen alte Radwege ausgebessert und neue gebaut werden. Einer ist in der Rothenburger Straße entstanden, allerdings nur als so genannter Pop-Up-Radweg. Pop-Up deshalb, weil der Radweg innerhalb weniger Tage eingerichtet wird und nur für eine bestimmte Zeit besteht.

Pop-Up-Radweg in der Rothenburger Straße: Etwa einen Kilometer lang und 3,50 Meter breit

Ein dicker, gelber Doppelstrich auf der Fahrbahn, dazwischen stehen im Abstand von jeweils einem Meter rot-weiß-gestreifte, kniehohe Warnschilder. So ist der Pop-Up-Radweg in der Rothenburger Straße markiert – übrigens der erste in der Stadt. Er ist etwa einen Kilometer lang, 3,50 Meter breit und vor gut einer Woche genau dort entstanden, wo sonst Autos fahren.

Autofahrer genervt: Sie müssen Fahrspuren abgeben

Die Autofahrer müssen von den insgesamt vier Spuren auf der Rothenburger Straße jeweils eine pro Fahrtrichtung abgeben. Das nervt viele. Sie stöhnen über zusätzliche Staus, weil eine Fahrspur fehlt. Eine ganze Spur für Radler zu opfern, das sehen nicht alle ein. Und überhaupt seien auch gar nicht so viele Radfahrer auf der Strecke unterwegs, sagt ein Autofahrer.

Pop-Up-Radweg Teil des geplanten Radschnellwegs

Die Rothenburger Straße habe sich für einen Versuch angeboten, sagt Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich. Die Verkehrsplaner im Rathaus haben mit dieser Strecke noch mehr vor. Sie ist als Teil eines Fahrradschnellwegs vorgesehen, auf dem Pendler aus dem Landkreis Fürth schnell nach Nürnberg kommen sollen.

"Wir machen es eben nicht mit dem Ziel, mal acht Wochen einen Radweg zu haben und dann wieder weg. Sondern wir wollen daraus etwas lernen und dann eine langfristige Lösung bauen." Daniel Ulrich, Baureferent Nürnberg

Etwa 1.000 Radfahrer pro Tag wurden auf der Rothenburger Straße zuletzt gezählt. Nicht gerade viel bei mehr als 20.000 Autos, die hier täglich fahren. Die Hoffnung der Verkehrsplaner ist, dass künftig mehr Radfahrer auf der sicheren und komfortablen Strecke unterwegs sind.

Viele Radfahrer in Nürnberg freuen sich über den zusätzlichen Platz

Radfahrer, die hier schon vorher gefahren sind, schätzen den Abstand, den sie nun zu Lastwagen haben. Vor allem, wenn sie ihre Kinder im Anhänger dabeihaben. Pendler freuen sich, dass sie schneller fahren können. Allerdings sagen auch einige Radfahrer, dass sie keinen extrabreiten Weg brauchen. Die Pop-Up-Strecke sei zu groß dimensioniert.

Kreuzungen sind weiterhin gefährlich

Trotz aller Markierungen: An Ampeln und Kreuzungen wird es gefährlich. Denn an diesen heiklen Stellen halten sich längst noch nicht alle an die Regeln. Autofahrer wechseln beim Abbiegen auf die Radspur. Es wird eng, die Radfahrer müssen sich zwischen den Autos durchschlängeln. Der Allgemeine Deutschen Fahrradclub (ADFC) begrüßt das Projekt. Der Verband fordert solche Pop-Up-Strecken schon lange. "Da kann man sicher noch was verbessern", sagt Nicola Mögel vom ADFC.

"Im Prinzip ist das schon ein guter Einstieg. Aber es langt natürlich noch lange nicht." Nicola Mögel, ADFC

Bis Ende Oktober 2020 dauert der Versuch. Danach wird entschieden, was umgebaut werden muss, wie der Radweg letztendlich aussehen wird und ob es weitere Pop-Up-Radwege in Nürnberg geben wird.

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