Nürnberger Oper in Nazi-Bau: Bühne soll in den Innenhof

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Nürnberger Oper in Nazi-Bau: Bühne soll in den Innenhof

Nürnberger Oper in Nazi-Bau: Bühne soll in den Innenhof

Seit Monaten herrscht in Nürnberg Streit über die Ausweichspielstätte der Oper. Nun hat eine Jury eine konkrete Empfehlung für den Standort der Bühne abgegeben. Sie soll im Innenhof der ehemaligen NS-Kongresshalle platziert werden.

Das Fachgremium war sich mehrheitlich einig: Die Opernbühne samt Zuschauerraum soll im Innenhof an der nordwestlichen Seite entstehen. Büros, Garderoben und Proberäume der Nürnberger Oper sollen direkt angrenzend im alten Nazi-Bau Platz finden. Der Flächenbedarf sei so gering und damit wirtschaftlich. Einen Ergänzungsbau entlang der Außenfassade der Kongresshalle lehnte das Fachgremium hingegen ab.

Wirkung des Innenhofs nicht beeinträchtigt

Denkmalschützer und Historiker hatten im Vorfeld die Variante im Innenhof kritisiert. Die Leere des Hofes und der schlechte, verwitterte Zustand stehe im Gegensatz zur polierten Außenfassade der Kongresshalle und symbolisiere das Scheitern der Nazis. Dieser Eindruck würde verloren gehen, so die Sorge. Das sah das Fachgremium anders: Der Ergänzungsbau werde die Gesamtwirkung nur unwesentlich beeinträchtigen.

Ergänzungsbau zerstöre nicht die Bildungsarbeit vor Ort

"Der empfohlene Standort erlaubt die minimalste Invasion in den Gesamtkomplex. Und er zerstört nicht die erinnerungspädagogische und geschichtsdidaktische Arbeit", ist sich Jörg Skriebeleit, Mitglied der Jury und Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, sicher. Der Ergänzungsbau im Innenhof sei zudem auch ökologischer – es müssten etwa keine Bäume gefällt werden.

Standort-Empfehlung nach langer Diskussion

Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) ist mit der Arbeit der Jury zufrieden. "Es war eine sehr intensive Diskussion", sagte König, der die Jurysitzung verfolgte. "Ich finde den Standort passend. Er ist nicht dominierend. Er ist praktikabel." Die Jury, die zusammengesetzt war aus Vertretern der Kultur, Politik, Architektur, Geschichtswissenschaft und Gesellschaft, hatte acht Vorschläge von nationalen und internationalen Architekturbüros gesichtet.

Architektur des Ergänzungsbaus steht noch nicht fest

Die Empfehlung der Jury wird nun in der Opernhauskommission nochmals diskutiert, so König. Am 20. Juli wird der Stadtrat über den Standort final entscheiden. "Nach dem Beschluss können wir uns dann um die Architektur kümmern", sagt Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich. Ein offener Architektenwettbewerb werde starten.

Enger Zeitplan für das Opern-Interim

Die Zeit drängt. Das Opernhaus am Richard-Wagner-Platz muss saniert werden. 2025 läuft die Betriebserlaubnis aus und die Oper muss ausziehen. Bis dahin sollte die Ausweichspielstätte bei der Kongresshalle fertig sein – ein mehr als sportlicher Zeitplan, weiß auch Ulrich. Er ist aber zuversichtlich. Billig wird das Ganze nicht: Die Gesamtkosten für das Opern-Interim werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Die Sanierung des Opernhauses selbst wird zusätzliche 500 Millionen Euro kosten.

Kongresshalle in Nürnberg: Entlang der Fassade wird das Opern-Interim nicht entstehen.

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