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Nürnberger Präventionsnetzwerk setzt sich gegen antimuslimischen Rassismus ein

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Nürnberger Netzwerk kämpft gegen antimuslimischen Rassismus

Das Nürnberger Präventionsnetzwerk gegen religiös begründete Radikalisierung setzt sich gegen antimuslimischen Rassismus ein. Dieser sei in Deutschland weit verbreitet. Auch radikale Prediger nutzen gezielt Ressentiments, um Jugendliche anzulocken.

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Von
  • Tina Wenzel
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Was macht antimuslimischer Rassismus mit Jugendlichen? Und wie damit umgehen? Diesen Fragen ist das Nürnberger Netzwerk gegen Radikalisierung nachgegangen. Auch einige Mitglieder haben selbst Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren.

Bei einem Treffen des Nürnberger Präventionsnetzwerkes gegen religiös begründete Radikalisierung bei Jugendlichen stand am Montagabend das Thema antimuslimischer Rassismus im Mittelpunkt. Antimuslimischer Rassismus sei in Deutschland weit verbreitet, sagt Martina Mittenhuber, die Leiterin des Nürnberger Menschenrechtsbüros, bei dem das Präventionsnetzwerk angesiedelt ist.

Ausgrenzungen und Übergriffe

Antimuslimischer Rassismus ist eine Form des Kulturrassismus. Muslime werden als homogene Gruppe wahrgenommen, abgewertet und ausgegrenzt. Es kommt zu Übergriffen, Anfeindungen und Anschlägen wie in Hanau im Februar. In Mittelfranken haben im November mehrere Moschee-Gemeinden von Unbekannten Drohbriefe erhalten. Ihnen wurde mit Völkermord gedroht.

Hohe Dunkelziffer bei antimuslimischen Übergriffen

Nach Angaben der Bundesregierung wurden 2019 in Deutschland 871 Übergriffe auf Muslime und Moscheen gezählt. Das sind im Schnitt zwei bis drei Straftaten pro Tag. Die Zahl der Übergriffe sei seit 2017 etwa konstant geblieben. Die Dunkelziffer antimuslimischer Hassverbrechen wird jedoch um ein Vielfaches höher geschätzt. In keiner Statistik enthalten sind Beleidigungen und Diskriminierungen gegenüber Muslimen, die viele Tag für Tag erleben.

Radikale Prediger nutzen antimuslimischen Rassismus

Besonders an Jugendlichen gehen Diskriminierungen und Ausgrenzungen nicht spurlos vorbei, betont Mustafa Ayanoğlu von Ufuq, einem zivilgesellschaftlichen Verein der freien Jugendhilfe, der das Nürnberger Präventionsnetzwerk unterstützt. Zudem nutzen radikale Gruppierungen gezielt die Diskriminierungserfahrungen der Jugendlichen, um sie für ihre eigenen Ideologien zu gewinnen, so Ayanoğlu. Mit den Worten: "Ihr werden nie ein Teil dieser Gesellschaft sein, die euch ausgrenzt", versuchen radikale Prediger, die Jugendlichen an sich zu binden, berichtet Rainer Neußer, der Projektkoordinator des Nürnberger Präventionsnetzwerks. "Kommt zu uns, wir akzeptieren euch, wie ihr seid." So argumentieren radikale Gruppen häufig, fügt Ayanoğlu hinzu.

Präventionsarbeit an Schulen

Diskriminierung und Ausgrenzung führen nicht automatisch zu Radikalisierung von Jugendlichen, aber es können Effekte hervorgerufen werden, die eine nicht zu unterschätzende Wirkung entfalten, sagt Martina Mittenhuber, die Leiterin des Menschenrechtsbüros. Das Präventionsnetzwerk und der Verein Ufuq wollen mit Workshops an Schulen dagegenhalten. Die Schüler sprechen in den Workshops über Religion, Identität und Zugehörigkeit und wie sie mit Diskriminierung umgehen können.

Das Nürnberger Präventionsnetzwerk gegen religiös begründet Radikalisierung besteht seit 2016. Das Netzwerk will Ansprechpartner sein für Akteure der Kinder- und Jugendhilfe, Polizei und Justiz sowie religiöse Gruppen, die mit Jugendlichen konfrontiert sind, die Radikalisierungstendenzen zeigen.

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