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FFP2-Maskenpflicht: zu teuer für Bedürftige und falsches Timing | BR24

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Auch das Sozialmagazin "Straßenkreuzer" stellt die FFP2-Pflicht vor Herausforderungen. Kurz nach der Bekanntgabe durch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) musste Chefredakteurin Ilse Weiß viele besorgte Anrufe entgegennehmen.

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FFP2-Maskenpflicht: zu teuer für Bedürftige und falsches Timing

FFP2-Masken sollen kostenlos an Bedürftige ausgegeben werden, das fordert die Linke im Nürnberger Stadtrat. Das Sozialmagazin "Straßenkreuzer" bemängelt vor allem fehlende Absprachen – auch das Timing sei ein Problem.

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Von
  • Julia Demel
  • Simone Schülein
  • Nicolas Eberlein

Wer ab kommenden Montag mit Bus und Bahn fahren oder einkaufen will, braucht verpflichtend eine FFP2-Maske. Das hat die Staatsregierung beschlossen. Die Linke im Nürnberger Stadtrat fordert nun in einem Schreiben an den Nürnberger Oberbürgermeister die Stadt zum schnellen Handeln auf.

"Das Sozialamt, das Jobcenter und die Tafeln müssen umgehend kostenfrei FFP2-Masken abgeben, um die Möglichkeit des Einkaufens und der Nutzung der Öffis für alle Menschen zu gewährleisten." Titus Schüller, Stadtrat in Nürnberg, Die Linke

FFP2-Maskenpflicht verschärfe soziale Ungleichheit

In einer Mitteilung des Nürnberger Stadtrates Titus Schüller (Die Linke) heißt es, die FFP2-Maskenpflicht sei überstürzt eingeführt worden. Die Staatsregierung habe bei ihrem Beschluss Menschen mit geringem Einkommen offensichtlich nicht im Blick gehabt.

Eine FFP2-Maske koste in der Apotheke knapp 5 Euro, das verschärfe die soziale Ungleichheit. "In den nächsten vier Tagen müssen sich mehrere hunderttausend Menschen in Nürnberg mit FFP-2 Masken eindecken, um einkaufen zu können und mit Bussen und Bahnen fahren zu dürfen", so Schüller. Die Linke fordert deshalb den Nürnberger Oberbürgermeister auf, schnell zu handeln: Die Masken müssten an Bedürftige kostenfrei ausgegeben werden - etwa vom Sozialamt, den Jobcentern und den Tafeln. Jeder müsse die Möglichkeit haben, Einkaufen zu gehen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Große Sorge bei Straßenkreuzer-Verkäufern

Auch gemeinnützige Einrichtungen wie das Sozialmagazin "Straßenkreuzer" stellt die neue Pflicht vor Herausforderungen. Kurz nach der Bekanntgabe durch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) musste Chefredakteurin Ilse Weiß viele besorgte Anrufe entgegennehmen. Die Fragen: Wie geht es jetzt weiter? Die Verunsicherung der Straßenkreuzer-Verkäuferinnen und Verkäufer ist groß. "Wir müssen natürlich sofort handeln", sagt Ilse Weiß. Bereits am Abend hätten sie für ihre Verkäufer 200 FFP2-Masken bestellt.

Kurzfristige Anordnung sorgt für Schwierigkeiten

Das Timing der Anordnung sei ein Problem, so Weiß weiter. Absprachen mit Sozialverbänden und Einrichtungen hätten vorab erfolgen müssen, damit diese sich darauf einstellen hätten können. Aber auch laut Ilse Weiß ist für ihre Verkäufer – aber auch viele andere Menschen – der finanzielle Aspekt das größte Problem.

"Wir haben es mit Menschen zu tun, die sehr wenig Geld haben, die absolut prekär leben. Die Leute können die FFP2 Masken nicht kaufen, das ist einfach zu viel Geld. Wir übernehmen das jetzt. Ich denke das werden alle machen, es hat auch keine Nachricht gegeben, dass es irgendwelche Zuschüsse gibt wie für Vereine und Basisorganisationen wie uns." Ilse Weiß, Chefredakteurin Straßenkreuzer

Klar ist: FFP2-Masken sind um ein Vielfaches teurer als herkömmliche Masken. Finanziell schwache Menschen benötigen dabei Unterstützung.

Apothekerverband: Genug Masken verfügbar

Der Bayerische Apothekerverband sieht sich indes für einen Ansturm auf die FFP2-Masken gut aufgestellt. Nach Angaben des Pressesprechers, Thomas Metz, seien die Apotheken in Bayern bereits gut bevorratet und könnten auch die Logistik für weiteren Nachschub sicherstellen. Denn auch der Großhandel habe inzwischen Vorräte aufgebaut. Im Dezember habe man die Ausgabe der kostenlosen Masken an ältere Bürger noch sehr viel kurzfristiger bewerkstelligen müssen. Zu der neuen Verordnung habe man aber von Seiten der Staatsregierung noch keine genauen Angaben, wie sie ausgestaltet ist.

Ab kommenden Montag soll in Bayern eine FFP2-Maskenpflicht auch für den Einkauf im Supermarkt und im öffentlichen Nahverkehr gelten. Parallel erhalten die ersten Anspruchsberechtigten (Menschen über 60 Jahren und Risikogruppen) ihre Bescheinigungen von den Krankenkassen für die Ausgabe von sechs kostenlosen FFP2-Masken. Dementsprechend wird in dieser Woche die Nachfrage von Millionen Bürgern in den bayerischen Apotheken erwartet.

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Die Bayerische Staatsregierung hat eine FFP2-Maskenpflicht für den öffentlichen Nahverkehr und den Einzelhandel beschlossen. Doch nicht jeder kann sich die Schutzmasken leisten.

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