BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Nürnberger Klinikleiter: Zweite Corona-Welle schon da | BR24

© BR/Karin Goeckel

Ministerpräsident Markus Söder informiert sich im Klinikum Nürnberg-Süd über die Behandlung von Corona-Patienten

12
Per Mail sharen

    Nürnberger Klinikleiter: Zweite Corona-Welle schon da

    Die zweite Corona-Welle ist nach Einschätzung des Nürnberger Klinikleiters Jockwig schon längst da. In vielen Ländern Europas steige die Zahl der Infizierten deutlich. Bayerns Ministerpräsident Söder warnt deshalb vor einer Verharmlosung von Corona.

    12
    Per Mail sharen

    In Ländern wie Frankreich und Spanien infizieren sich im Moment jeden Tag 10.000 Menschen mit dem Corona-Virus. "Klar wird mehr getestet, aber trotzdem sind das dramatische Zahlen", sagt Achim Jockwig, der Leiter des Klinikums Nürnberg. Seiner Einschätzung nach droht die zweite Corona-Welle in Europa nicht nur – sie ist schon da. Deshalb sehe er mit Sorge eine Tendenz zur Verharmlosung der aktuelle Situation. Je kälter es werde, desto stärker nähmen Aktivitäten in geschlossenen Räumen zu und desto stärker könne sich das Corona-Virus verbreiten, so Jockwig.

    Söder: Für Corona brauchen wir langen Atem

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) teilt Jockwigs Sorge. Er nannte es "blauäugig", wenn manche Menschen glaubten, dass die steigenden Zahlen in Europa nichts mit der Situation in Deutschland zu tun hätten. Bei einem Besuch am Klinikum Nürnberg-Süd, wo sich Söder über die vergangenen Monate informierte, beklagte er zu viel Unvernunft in der Bevölkerung. Zwar sei der medizinische Sektor besser gewappnet als vor Beginn der Pandemie, dafür aber nehme die Sorglosigkeit zu. "Es gibt keine Entwarnung. Zur Bekämpfung von Corona brauchen wir einen langen Atem", so Söder.

    Söder ruft Bevölkerung zur Grippe-Impfung auf

    Ziel der Politik sei es, einen erneuten Lockdown zu verhindern. Dies könne aber nur gelingen, wenn die Vernünftigen in der Bevölkerung in der Überzahl seien. Nur weil es immer mehr Lockerungen im Alltag gebe, bedeute das nicht, dass keine Gefahr mehr da sei.

    "Die Rückgabe von Freiheit bedeutet nichts anderes als ein Mehr an Eigenverantwortung." Ministerpräsident Markus Söder

    Corona bleibe beherrschbar, solange das Infektionsgeschehen auf dem bisherigen Niveau bleibe und lokal eingedämmt werden könne. Frühes und schnelles Testen bleibe deshalb eine Chance, die Verbreitung der Infektion zu verhindern. Um die Krankenhäuser bei einer zweiten Welle zu entlasten, rief Söder die Bevölkerung dazu auf, sich gegen Grippe impfen zu lassen.

    Klinikum Nürnberg versorgte 415 Corona-Patienten

    Während der ersten Corona-Welle versorgte das Klinikum Nürnberg nach Angaben von Klinikleiter Jockwig an seinen vier Standorten in Nürnberg, Lauf und Altdorf insgesamt 415 Corona-Patienten. Ein Drittel der Corona-Infizierten musste auf der Intensivstation behandelt werden, ein Großteil wurde beatmet. Es hätten zwar viele Patienten als geheilt entlassen werden können, aber eine ganze Reihe von ihnen hätten auch Folgeschäden, so Jockwig.

    Folgeschäden von Covid-19 müssen noch erforscht werden

    Welche Folgeschäden Corona-Patienten erleiden können, müsse erst wissenschaftlich untersucht werden, ergänzte Stefan John, Abteilungsleiter auf der Internistischen Intensivstation. Auch Langzeitschäden wie Asthma oder andere Lungenerkrankungen seien denkbar, „aber das wissen wir noch nicht“. Im Gegensatz zu einer normalen Lungenentzündung seien bei Covid-19 nicht die Lungenbläschen entzündet. Vielmehr komme es zu einer Schädigung der Lungengefäße, und diese Schädigung störe die Durchblutung der Lunge.

    62 Corona-Patienten am Klinikum Nürnberg gestorben

    Nach Angaben des Klinikums Nürnberg sind 62 Corona-Patienten an ihrer Infektion gestorben. Aktuell werden 15 Corona-Patienten behandelt, fünf davon auf der Intensivstation. Für einen weiteren Anstieg der Infiziertenzahlen sieht sich das Klinikum gut gewappnet. Mit finanzieller Hilfe des Freistaats konnten etwa 33 zusätzliche Beatmungsgeräte und ein hochauflösender Computertomograph für die Diagnostik angeschafft werden. Die Behandlungskapazität könne je nach Lage aufgestockt werden, heißt es.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!