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Nürnberger Kinderarzt fordert flächendeckende Schulschließungen | BR24

© BR/ Constanze Schulze

Aufgrund von Corona Verdachtsfällen bleiben mehrere Nürnberger Schulen geschlossen. Kinderarzt Michael Kandler, Vorsitzender des Kinderarzt-Verbunds PaedNetz, hält die Schließung aller Schulen für längst überfällig.

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Nürnberger Kinderarzt fordert flächendeckende Schulschließungen

Das Krisenmanagement der Bayerischen Staatsregierung in Sachen Corona ist aus Sicht eines Nürnberger Kinderarztes eine Katastrophe. Er fordert im BR: "Schließt alle Schulen im Freistaat." Das könne die Ausbreitung von Corona verlangsamen.

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Der Kinderarzt Michael Kandler aus Nürnberg hat eine eindeutige Meinung in Sachen Corona. Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk kritisiert er das Vorgehen der Bayerischen Staatsregierung und des Kultusministeriums im Umgang mit der Corona-Krise mit klaren Worten. Seiner Meinung nach hätten die Schulen im Freistaat schon längst geschlossen werden müssen – und zwar alle.

Kandler: Geschlossene Schulen bedeuten Zeitgewinn

Für den Kinderarzt haben geschlossene Schulen viele Vorteile: Der öffentliche Nahverkehr würde entlastet, weil dann weniger Personen unterwegs sind. Weniger Personen bedeuteten wiederum, dass der Abstand zu Mitreisenden leichter einzuhalten ist. "Es geht in dem Ganzen nur darum, Zeit zu gewinnen. Denn Ausweichen werden wir der Verbreitung des Virus nicht können", warnte Kandler im BR-Interview.

Kinderarzt: Einzelne Schulschließungen nützen kaum

Das Corona-Krisenmanagement der Bayerischen Staatsregierung ist aus Sicht des Mediziners eine Katastrophe. Michael Kandler zweifelt am Sinn einzelner Schulschließungen, sobald ein bestätigter Corona-Fall vorliegt. Dies sei nur ein "Hinterherrennen", meint der Kinderarzt. "Ich habe große Zweifel, ob das nützt."

Piazolo: Flächendeckende Schulschließung nicht notwendig

Aktuell sind mehr als 30 von 6.000 Schulen in Bayern wegen Corona-Verdachtsfällen geschlossen. Eine Notwendigkeit, flächendeckend Schulen zu schließen, sieht Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) nicht. Die Situation werde von Tag zu Tag neu durchdacht, sagt der Minister.

Kinderärzte fühlen sich alleingelassen

Michael Kandler wünscht sich auch mehr Unterstützung der Kinder- und Jugendärzte durch die Staatsregierung. "Wir fühlen uns allein gelassen", sagt der Nürnberger Kinderarzt. Dieses Urteil teilen auch viele von Kandlers Kollegen. Als Vorsitzender des mittelfränkischen "Paednetzes", eines Zusammenschlusses von Kinder- und Jugendärzten, hört er diese Kritik immer wieder.

Kandler: Ärzte werden nicht unterstützt

Kandler bemängelt darüber hinaus, dass "jede Unterstützung für die Haus- und Kinderärzte seitens der Regierung" fehle. Bayerns Gesundheitsminister Melanie Huml (CSU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) träfen "Falschaussagen", wenn sie sagten, Praxen und Kliniken seien vorbereitet. Allein das Vorhalten von Schutzkleidung, welche darüber hinaus auch noch ein Verfallsdatum hätten, sei für eine niedergelassene Praxis "nicht zu stemmen", kritisiert Kandler.

Bürger bekommt keine Hilfe

Auch die Bevölkerung insgesamt wird nach Kandlers Meinung zu wenig über das Corona-Virus informiert. Im BR-Interview wird der Nürnberger Kinderarzt deutlich: "Das ist auch der Grund, warum es zu Hamsterkäufen kommt. Der Bürger merkt: Er hat keine Hilfe, keine Führung, nicht mal eine drastische wie eine Schulschließung."

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