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In Bars und Diskotheken herrscht dank Corona gähnende Leere.

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    Nürnberger Bars und Diskotheken fehlen Perspektiven

    Öffnungsmöglichkeiten scheinen in weiter Ferne. Viele Betreiber von Diskotheken und Bars warten auf eine Aussicht, wie und wann sie ihr Geschäft wiederaufnehmen können. Einen konkreten Zeitpunkt gibt es nicht. Das zermürbt.

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    Von
    • Tobias Burkert

    Musik im eher melancholischen Stil: Wave, Gothic, Alternative – das ist die Welt von Clubbetreiber Rick Ziegler. An der Nürnberger Stadtgrenze zu Fürth betreibt er seit Mitte der 90er-Jahre seine Diskothek "Der Cult". Aus der ehemaligen Werkzeugfabrik hat Rick Ziegler mit viele Liebe zum Detail einen verwinkelten Club im rustikalen Industrielook geschaffen. Jeden Cent hat der 55-Jährige hier hineingesteckt, sein Lebenswerk, für das er kämpfen will, auch wenn ihm Corona und die damit verbundene Schließung nach und nach die Kraft raubt. Aufgeben sei keine Option.

    Diskothek im Dornröschenschlaf

    Die Barhocker sind im Eck aufgebockt, auf den Schnapsflaschen an der Bar liegt eine hauchdünne Staubschicht. Seit einem Jahr befindet sich "Der Cult" coronabedingt im Dornröschenschlaf, wachgeküsst nur ab und an für musikalische Livestreams im Internet. Ein kleiner Gruß sozusagen an die Stammgäste, Geld bringt das nicht. Rick Ziegler legt ein paar seiner Klassiker auf, tanzbare Wave-Songs, die sofort in die Beine gehen. Auf der Tanzfläche ist reichlich Platz, nutzen darf sie derzeit keiner. Da blute ihm das Herz, vor allem, weil er nicht wisse, ob es je einmal wieder werde wie früher, aber die Hoffnung sterbe ja schließlich zuletzt.

    Was ihm fehle, sei eine wirkliche Perspektive, ein Konzept für Diskotheken, das auf eine baldige Wiedereröffnung hoffen lasse. Tanzen mit Maske, weniger Gäste, Coronatests am Eingang – man sei zu allem bereit, könnten nur wieder Gäste dem Club Leben einhauchen, sagt der Rick Ziegler.

    90 Prozent Fixkosten vom Staat

    Dank staatlichem Rettungsschirm kann Rick Ziegler seine acht Festangestellten finanzieren, die laufenden Kosten decken. Die übrigen 10 Prozent fehlten ihm dennoch schmerzlich, er wolle ja schließlich auch noch etwas essen. Für die staatliche Unterstützung sei er dankbar, eine Dauerlösung aber sei das nicht.

    Er vermisse vor allem sein Publikum. Die Stammgäste unterstützen ihren Lieblingsclub sogar mit Geldspenden. Etwa 30.000 Euro seien schon zusammengekommen. Eigentlich hätte er so etwas nie annehmen wollen, er sei aber auf diese Unterstützung angewiesen. Auf einer metallenen Tafel sind die Namen der Spender eingraviert, sie sollen einen würdigen Platz im Club bekommen. Er hoffe, bald alle wieder persönlich im "Cult" begrüßen zu dürfen, das wäre ein Festtag.

    Vor allem schnelle Impfungen bräuchte es jetzt, das sei der wohl einzige Weg aus der Misere; bis sein Club wieder öffnen darf, wolle er seinem Publikum zumindest online nahe sein. Regelmäßige DJ-Sets bleiben ein kostenloses Angebot.

    Kleidung statt Cocktail

    In der Nürnberger Altstadt betreibt David Lodhi die Bar "Vorraum" und den Club "Stereo". Seine Bar hat er schon 2020 in einen "Pop-Up-Store" umfunktioniert. Hier verkauft er Kunst und Kleidung, derzeit im Click&Collect-Modus. Das reiche aber nicht unbedingt, um Personal und die Läden am Laufen zu halten. David Lodhi kommt dank staatlicher Unterstützung aber gut über die Runden. Durch kulturelle Neustarthilfen vom Bund könne er derzeit sogar die Sanitäranlagen im Stereo renovieren lassen, was längst überfällig gewesen sei. Jetzt habe man die Zeit dafür.

    Quasi in der Schublade lägen verschiedene Konzepte, wie man auf verschiedene Öffnungsszenarien reagieren könne. Die Kulturszene, so Lodhi, könne sich durch die Pandemie stark verändern, das sei nicht unbedingt generell schlecht, darin lägen auch Chancen für einen kreativen Neubeginn. Der müsse nur irgendwann auch endlich wieder möglich sein.

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