© BR-Studio Franken/Jonas Miller

Die AfD-Bezirkstagskandidatin Corinna Schenz auf einem Lkw in Nürnberg

Bei einer Demonstration des selbsternannten "Bürgerbündnisses Franken" Ende August war Schenz eine der Organisatorinnen. Bei dem Aufmarsch versammelten sich rund 80 Anhänger, darunter viele Funktionäre und Anhänger rechter und rechtsextremer Gruppen. Von AfD über Pegida, der NPD bis hin zur neonazistischen Kleinstpartei "Der dritte Weg". Auf Nachfrage zu ihrer Tätigkeit im Bürgerbündnis erklärte Schenz dem BR: "Von mir gibt es keinen Kommentar". Der Nürnberger AfD-Chef Wolfgang Dörner bestätigt die BR-Recherchen. Er erklärte: "Sie hat das als private Person gemacht. Sie hat sich sogar geweigert das innerhalb der AfD zu bewerben".

Beschluss offenbar nur taktische Abgrenzung

Dem BR liegen noch weitere Informationen zu Schenz vor. Unter einem Pseudonym schrieb sie bei Facebook offenbar die sogenannte Identitäre Bewegung Nürnberg an, bat um ein Treffen. Das belegt ein Screenshot, der dem BR-Rechercheteam vorliegt. Bei der Identitären Bewegung handelt es sich um eine rechtsextreme Gruppe, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Der AfD-Bundesvorstand hatte jedoch schon vor Jahren eine Unvereinbarkeit mit der Identitären Bewegung beschlossen. Der Münchner Journalist und AfD-Kenner Robert Andreasch hält nicht viel von dem Beschluss: "Der ist das Papier nicht wert. Entweder wird die ganze Zeit offen oder hinter den Kulissen dagegen verstoßen oder er dient nur der taktischen strategischen Abgrenzung. Denn als AfD will man den parlamentarischen seriösen Weg geben, die anderen Gruppen gehen den Straßenweg mit Militanz".

Jahrelange Ansprechpartnerin für ANSE

In den 1990er Jahren fungierte Corinna Schenz zudem als sogenannte Stammesfürstin der Arbeitsgemeinschaft Naturreligiöser Stammesverbände Europas (ANSE). Schenz wird in der Verbandszeitschrift über mehrere Jahre hinweg als Ansprechpartnerin geführt. In Fachbüchern wird die ANSE als Sammelbecken für Volksverhetzer beschrieben, die durch rechtsradikale Bekenntnisse hervortreten. Laut Andreasch gibt es die Gruppierung seit 1989, sie galt als bayerischer Zusammenschluss mit europaweitem Charakter: "Das war keine Neonazigruppe die ihr Neonazitum mit religiösen Dingen mäntelt. Deren Glaube besteht in einem brutalsten völkischen Rassismus. Man behauptet dort, man sei als Führungselite der Germanen noch wissend über eine arische Ur-Rassen und diese sei über Jahrhunderte durch Migration zerstört und geschädigt worden".

Bisher keine Konsequenzen für Schenz

Auf eine erste Anfrage erklärt Schenz dem BR, es gäbe keine Verbindungen zu den Gruppen: "Es ist mir schleierhaft, wie Sie meine Person in Zusammenhang mit der "Identitäten Bewegung" bringen können. Zu religiösen Organisationen wie ANSE oder Zeugen Jehovas habe ich keine Kontakte (...) Selbstverständlich bin ich kein NPD-Freund oder Extremistennahe." Später räumt sie ihre Aktivitäten bei der ANSE ein. Auf eine weitere Interviewanfragen reagiert Schenz nicht mehr. Konsequenzen für die AfD-Funktionärin gibt es bislang nicht.