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Nürnberg: Überfüllte Kinderarztpraxen wegen Corona | BR24

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Ist es nur ein grippaler Infekt oder doch Covid-19? Die Unsicherheit unter Eltern ist groß. Wie zeigt sich das in den Kinderarztpraxen? Wir haben einen Kinderarzt besucht, der täglich über Maskenbefreiungsatteste diskutieren muss.

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Nürnberg: Überfüllte Kinderarztpraxen wegen Corona

Die Kinderärzte haben derzeit viel zu tun. Einmal kommen die ersten Schniefnasen zur Untersuchung, dann Eltern, die eine Befreiung von der Maskenpflicht für ihr Kind haben wollen. Und mittendrin die Kinderärzte, die klare Regeln fordern.

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Wie oft er sich am Tag die Hände wäscht, kann er gar nicht sagen. Kinderarzt Michael Kandler hat im Moment jede Menge zu tun. Viele Patienten kommen zu ihm. Permanent trägt er eine Maske in seiner Nürnberger Praxis.

Für ihn ist es inzwischen Alltag und das macht ihn richtig wütend: Eltern, die für ihre Kinder ein Maskenbefreiungsattest fordern. Auch viele Kollegen von ihm berichten davon. Teilweise, so erzählt Kandler, würden sogar Arzthelferinnen bedroht werden, mit den Worten, wenn man ihnen die Maskenbefreiung nicht gebe, dann könnte das Kind ersticken und dann würde man schon sehen, was man dann mit den Helferinnen mache.

Politik bleibt Antworten schuldig

Pure Erpressung sei das, aber manche Kollegen von ihm würden sich darauf einlassen. Hier in seiner Praxis gibt es solche Atteste nicht. Das gibt er den Eltern klar und deutlich zu verstehen. Die Maskenpflicht im Unterricht in den ersten beiden Wochen hält er für richtig. Aber es müsse dringend klarer geregelt werden, wie es nun weitergeht, wie mit Kindern und Jugendlichen verfahren wird, die Erkältungssymptome zeigen. Die Politik sei da aber klare Antworten schuldig.

"Das Wichtige ist, dass sich die Staatsministerien Kultus und Gesundheit einigen." Dr. Michael Kandler, Kinder-Pneumologe

Leitfaden ist überfällig

Kandler ist Mitglied in der Arbeitsgruppe des Landesamtes für Gesundheit, die Gruppe soll einen Leitfaden erarbeiten. Aber auch dort gibt es noch keine Einigung. "Jetzt sind die Schulen zwei Wochen offen und die Verunsicherung wächst. Es ist immer so im Leben, wenn man verunsichert ist, schafft sich jeder eigene Regeln und so kämpfen die einzelnen Eltern mit einzelnen Lehrern, mit einzelnen Ärzten und das müsste nicht so sein", erklärt Kandler.

Kandler hat mit vielen Eltern und Lehrern zu tun, führt täglich Corona Tests durch und hört dabei immer wieder dasselbe. Keiner weiß wirklich was zu tun ist, wenn die Kinder Anzeichen für einen Infekt zeigen.

"Aus den Schulen hört man die Sorge, wie es nun weitergehen soll. Da hoffen wir auf den Corona-Leitfaden für die Schule. Die Eltern sind verunsichert, weil die Lehrer keine klare Information rübergeben können." Dr. Michael Kandler, Kinder-Pneumologe

Deshalb sei ein Leitfaden überfällig, die Politik müsse jetzt dringend einen Gang hochschalten und klare Regeln festlegen. Denn schon jetzt kommen Kinder mit Erkältungssymptomen in der Schule an. Besser wäre, alle wissen dann was zu tun ist.

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